Cyborg: Wissenschaftler steuern Käfer fern
Ein Lebewesen fernsteuern: Das ist Wissenschaftlern der Technischen Universität Nanyang in Singapur um Hirotaka Sato gelungen. Sie können die Bewegungen eines Käfers kontrollieren.
Die Forscher haben dem Insekt, einem Käfer der Art Mecynorrhina torquata(öffnet im neuen Fenster) , Elektroden in das vordere Beinpaar implantiert. Auf dem Rücken trägt das Tier einen kleinen Empfänger. So können die Forscher ihn dazu bringen zu laufen. Mecynorrhina torquata ist einer der größten Käfer: Er wird bis zu 6 Zentimeter groß und kann 8 Gramm wiegen.
Menschen geben dem Insekt den Gang vor
Da über die Elektroden die Muskeln des Käfers direkt stimuliert werden, können die Forscher seinen Gang direkt beeinflussen. Das bedeutet, sie können nicht nur die Richtung, in die der Käfer laufen soll, vorgeben, sondern auch die Geschwindigkeit und die Schrittlänge.
Sie hätten die Muskeln einzeln stimuliert, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift Journal of the Royal Society Interface(öffnet im neuen Fenster) . So konnten sie das Insekt in Gangarten laufen lassen, die nicht zu dessen natürlichem Repertoire gehören, etwa in einer Art Galopp.
Das Insekt wird zur Roboterplattform
Ihr Ansatz habe einige Vorteile schreiben die Forscher: Sie nutzten ein lebendes Insekt als von der Natur vorgegebene Roboterplattform. Statt einen Roboter und die nötigen Steueralgorithmen nach dem natürlichen Vorbild zu entwickeln, nutzen sie einen Organismus, den sie mit Elektroden und einem Funkchip ausstatten, damit das Insekt das macht, was die Menschen wollen.
Weiterer Vorteil: Für den Betrieb wird deutlich weniger Energie benötigt. Sensoren, Aktoren und Mikrocontroller fallen weg. Es muss nur der Funkchip, der das Cyborg-Insekt steuert, mit Strom versorgt werden.
Ein Insekt wird über die Fühler ferngelenkt
Es hat schon früher Cyborg-Insekten gegeben: Forscher von der Universität des US-Bundesstaates North Carolina in Raleigh etwa haben vor einigen Jahren eine Küchenschabe ferngesteuert . Der Unterschied war aber, dass dabei das Gehirn des Insekts über die Fühler und den Cercus stimuliert wurde. So konnten die Forscher die Schabe dazu bringen, in eine bestimmte Richtung zu laufen. Sie konnten allerdings nicht die Geschwindigkeit beeinflussen.
Auch das Team um Sato experimentiert schon seit längerem mit Cyborg-Insekten. Im vergangenen Jahr gelang es den Forschern zusammen mit Kollegen der Universität von Kalifornien in Berkeley den Flug des Mecynorrhina torquata fernzusteuern(öffnet im neuen Fenster) .
Cyborg-Insekt soll in eingestürzte Häuser krabbeln
Solche Insekt-Computer-Hybride, wie die Forscher aus Singapur ihre Entwicklung nennen, könnten in Umgebungen eingesetzt werden, die sonst nicht zugänglich sind. Sie könnten beispielsweise in einem Erdbebengebiet in eingestürzten Häusern nach Überlebenden suchen.
Ethisch sind solche Projekte allerdings nicht ganz unumstritten: Es ist bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen, ob Insekten so etwas wie Bewusstsein oder Empfindungen haben. Unbedenklich seien solche Projekte nur dann, wenn sichergestellt sei, dass solche Cyborg-Insekten "nur 'Bio-Roboter' sind" , sagte Jörg Luy, Tiermediziner und Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierverhalten an der FU Berlin etwa der Frankfurter Allgemeinen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) im Zusammenhang mit den Experimenten mit ferngesteuerten Kakerlaken . In dem Fall "würden die wichtigsten ethischen Bedenken entfallen."