Abo
  • Services:
Anzeige
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Cybertruppe: Die Bundeswehr sucht händeringend Nerds

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Die Bundeswehr hat eine neue Cybertruppe, doch Spezialisten dafür sind nur schwer zu finden - der IT-Nachwuchs geht selten zum Bund. Jetzt sollen auch Nerds umworben werden, die bisher nicht für eine Bundeswehrkarriere infrage kamen.
Von Thomas Wiegold

Dem großen Problem war die Verteidigungsministerin in der vergangenen Woche ganz nahe. Als Ursula von der Leyen die Bonn besuchte, das deutsche Flaggschiff des Nato-Einsatzes in der Ägäis, schritt sie am Navigationsrechner auf der Brücke des Kriegsschiffes vorbei. Auf dem Bildschirm prangte groß das Logo des Betriebssystems: Windows XP Professional - eine Software, die vom Hersteller Microsoft wegen ihres Alters nicht mehr unterstützt und auf den neuesten technischen Stand gebracht wird. Auf vielen Rechnern der Bundeswehr aber ist sie nach wie vor im Einsatz.

Anzeige

Die "Offensive im Cyber- und Informationsraum", die von der Leyen am Dienstag ankündigte, ist in erster Linie keine Offensive im militärischen Sinn. Die Streitkräfte müssen sich vor allem an der Heimatfront, aber auch in den weltweiten Einsätzen mit Problemen auseinandersetzen, die jedes Industrieunternehmen ähnlicher Größe angehen muss: Die Sicherheit von Netzwerken, eine vernünftige Computer- und Sicherheitssagentur und das ewige Bemühen, die Technik auf einem aktuellen Stand zu halten - und wenn das nur bedeutet, immer die aktuellen Updates einzuspielen.

Die Klage, dass die Bundeswehr auf dem immer wichtigeren Feld der Informations- und Kommunikationstechnik hinterherhinkt, ist nicht neu. Schon vor gut 15 Jahren kritisierte der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping die Hunderte von Inselnetzwerken, die in der Truppe existierten. Längst hat der Begriff "Drehstuhl-Schnittstelle" in der Bundeswehr einen festen Platz: Statt die Daten von einem System ins andere zu übertragen, muss ein menschlicher Bediener sie von einem Computer auf einen anderen transferieren.

13.500 Stellen werden neu organisiert

Der Aufschlag von der Leyens, befeuert durch die von der Beratungsfirma McKinsey geholte Staatssekretärin Katrin Suder und den ebenfalls von dort engagierten Beauftragten für Rüstungssteuerung Gundbert Scherf, war also nötig. Denn seit Scharpings Kritik hat die Verwundbarkeit von IT-Systemen kräftig zugenommen: Ohne E-Mail-Kommunikation, bei der Bundeswehr nach wie vor auf der Basis von Lotus Notes, käme schon der Grundbetrieb zum Stehen. Moderne Waffensysteme sind von ihrer Software längst viel abhängiger als von Stahl und Mechanik. Und jede neue Drohne vergrößert die Notwendigkeit, sich auf sichere Datenverbindungen verlassen zu können.

Künftig sollen alle Soldaten und Zivilbeschäftigten, die in irgendeiner Form mit Informationstechnik, Computern und Netzwerken zu tun haben, in einer neuen Abteilung zusammengefasst werden. Bundeswehrtypisch mündet das gleich in einer neuen Organisationsstruktur mit einem Drei-Sterne-General an der Spitze. Die 13.500 Dienstposten, mit denen der neue "militärische Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum" Anfang kommenden Jahres seine Arbeit aufnehmen soll, machen die neue Organisation fast so groß wie die ganze Marine.

Zunächst bedeutet das nur, dass Türschilder ausgetauscht und Kommandostrukturen verändert werden; die Soldaten dahinter gibt es längst. Etwa die elektronische Kampfführung, die Fernmeldetrupps, die in Afghanistan oder Mali die Satellitenschüsseln für die Datenverbindung in die Heimat aufbauen. Oder die Spezialisten, mit deren Hilfe die deutschen Spionagesatelliten aus dem "Kommando Strategische Aufklärung" im nordrhein-westfälischen Rheinbach gesteuert werden. Das Rad, sagt ein hochrangiger Offizier, solle nicht neu erfunden werden. Aber "am Laufen gehalten werden, auch bei kleinen Rädern".

Der IT-Nachwuchs geht selten zum Bund

Die Herausforderung wartet an einer ganz anderen Stelle: "Wir suchen händeringend Nerds", heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Schon seit einigen Wochen fährt die Bundeswehr eine Werbekampagne mit dem Namen 'Projekt Digitale Kräfte'. Die Herausforderungen der Netzwelt zwingen das Militär, sehr unmilitärisch zu denken.

Denn schon in ihrem Kerngeschäft hat die Armee Probleme, genügend Freiwillige für den Soldatenberuf zu finden. Die Bundeswehr war Ende März so klein wie noch nie in ihrer Geschichte, die Zahl der Zeit- und Berufssoldaten dümpelt deutlich unter der angestrebten Zahl. Die Bemühungen von der Leyens, die Streitkräfte als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren, haben das noch nicht wirklich ändern können.

In der IT-Welt, oder im Bundeswehrsprech "Cyber- und Informationsraum", ist das noch einmal schwieriger. Der Markt für Computer- und Softwarespezialisten, für Entwickler und Programmierer, ist ohnehin schon von der Industrie ziemlich leergekauft. Und da soll die Bundeswehr mit ihrer Suche Erfolg haben - zudem bei einer Klientel, die in großen Teilen allem Militärischen nicht gerade in Zuneigung verbunden ist?

Der Bundeswehr gehen die Alternativen aus 

eye home zur Startseite
Insomnia88 12. Mai 2016

Ehm doch, genau das sind sie. X-beliebige Personen die eine gewisse Fachkompetenz durch...

VonMuenchen 12. Mai 2016

Ein ausgebildeter IT-Specialist bekommt einfach kaum Anreize. Betrachten wir es mal...

michael_ 09. Mai 2016

Die BW wirbt ja bereits seit paar Jahren um ITler. Was wird denn so einem normalen IT...

/mecki78 04. Mai 2016

Das ist keine Argumentation. Das irgendwann vor einem halben oder sogar mehreren...

scrumdideldu 04. Mai 2016

Und da haben wir doch schon das Problem. Das sind selbst auf höchster Stufe ein...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Dataport, Altenholz/?Kiel
  2. über JobLeads GmbH, Düsseldorf
  3. FILIADATA GmbH, Karlsruhe (Home-Office)
  4. T-Systems International GmbH, verschiedene Standorte


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 59,99€/69,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 7,99€
  3. ab 59,98€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Modernisierung der RZ-Infrastruktur aus geschäftlicher Sicht
  2. Kriterien für die Migration auf ein All-Flash-Rechenzentrum
  3. Data Center-Modernisierung mit Hyper Converged-Infrastruktur


  1. GVFS

    Windows-Team nutzt fast vollständig Git

  2. Netzneutralität

    Verbraucherschützer wollen Verbot von Stream On der Telekom

  3. Wahlprogramm

    SPD fordert Anzeigepflicht für "relevante Inhalte" im Netz

  4. Funkfrequenzen

    Bundesnetzagentur und Alibaba wollen Produkte sperren

  5. Elektromobilität

    Qualcomm lädt E-Autos während der Fahrt auf

  6. Microsoft

    Mixer soll schneller streamen als Youtube Gaming und Twitch

  7. Linux

    Kritische Sicherheitslücke in Samba gefunden

  8. Auftragsfertiger

    Samsung erweitert Roadmap bis 4 nm plus EUV

  9. Fake News

    Ägypten blockiert 21 Internetmedien

  10. Bungie

    Destiny 2 mischt Peer-to-Peer und dedizierte Server



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Quantencomputer: Nano-Kühlung für Qubits
Quantencomputer
Nano-Kühlung für Qubits
  1. IBM Q Mehr Qubits von IBM
  2. Quantencomputer Was sind diese Qubits?
  3. Verschlüsselung Kryptographie im Quantenzeitalter

XPS 13 (9365) im Test: Dells Convertible zeigt alte Stärken und neue Schwächen
XPS 13 (9365) im Test
Dells Convertible zeigt alte Stärken und neue Schwächen
  1. Schnittstelle Intel pflegt endlich Linux-Treiber für Thunderbolt
  2. Atom C2000 & Kaby Lake Updates beheben Defekt respektive fehlendes HDCP 2.2
  3. UP2718Q Dell verkauft HDR10-Monitor ab Mai 2017

Calliope Mini im Test: Neuland lernt programmieren
Calliope Mini im Test
Neuland lernt programmieren
  1. Arduino Cinque RISC-V-Prozessor und ESP32 auf einem Board vereint
  2. MKRFOX1200 Neues Arduino-Board erscheint mit kostenlosem Datentarif
  3. Creoqode 2048 Tragbare Spielekonsole zum Basteln erhältlich

  1. Re: Monetarisierung

    rakanitzu | 13:26

  2. Re: Festplatten oder andere Elektronik im Auto...

    KOTRET | 13:25

  3. Das freut mich!

    Dudeldumm | 13:23

  4. Funktioniert nur bis 120 km/h

    mhstar | 13:21

  5. Zum Glück nur relevante Inhalte

    Mingfu | 13:18


  1. 13:35

  2. 13:17

  3. 13:05

  4. 12:30

  5. 12:01

  6. 12:00

  7. 11:58

  8. 11:50


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel