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Cybersecurity Act (CSA): Europäische Telco-CEOs wehren sich gegen ein Huawei-Verbot

Der politisch gewollte Bann chinesischer Ausrüster droht die europäischen Netze zu ruinieren. Europäische Souveränität durch Nokia und Ericsson erweist sich als Trugschluss.
/ Achim Sawall
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Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, traf sich am 25. August 2026 zum Austausch mit Michael Yang, CEO von Huawei Technologies Deutschland. (Bild: Florian Herrmann)
Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, traf sich am 25. August 2026 zum Austausch mit Michael Yang, CEO von Huawei Technologies Deutschland. Bild: Florian Herrmann

Die im Cybersecurity Act (CSA) vorgesehene Entfernung von Antennentechnik von Netzausrüstern aus China würde Kosten von bis zu 40 Milliarden Euro verursachen. Das haben die CEOs mehrheitlich ehemals staatlicher Netzbetreiber am 15. September 2026 in einem offenen Brief des Verbands Connect Europe betont(öffnet im neuen Fenster). Dadurch würde "dem Sektor genau das Kapital entzogen, das für Glasfaser, 5G und 6G benötigt wird", erklärten die CEOs weiter.

Zahlen sollen den Rip-Out ohnehin die zahlenden Kunden der Netzbetreiber, wie die Transatlantikerin und EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen bereits offen gesagt hatte.

"Vor allem müssen die laufenden Reformen in sich schlüssig sein. Während die DNA darauf abzielt, die Investitionskraft der Telekommunikationsunternehmen zu stärken, droht das Cybersicherheitsgesetz (CSA), dem Sektor genau jenes Kapital zu entziehen", heißt es in dem Schreiben weiter.

Zudem belege eine aktuelle Studie, dass weitere Belastungen in Betriebsunterbrechungen sowie negative Auswirkungen auf die Kunden bestünden. "Wir benötigen einen verhältnismäßigen, risikobasierten Ansatz, der alternative Minderungsmaßnahmen berücksichtigt, anstatt pauschale Beschränkungen vorzugeben, die einen Infrastrukturaustausch ohne Rücksicht auf Investitionszyklen oder Entschädigungen erzwingen", forderten die CEOs.

Breko gegen Huawei und ZTE-Rip-Out

Auch Sven Knapp erklärte für den Breko: "Die Resilienz digitaler Infrastrukturen sollte durch einen risikobasierten Sicherheitsansatz gestärkt werden. Ein Nutzungsverbot oder der nachträgliche Austausch bereits eingesetzter Komponenten kann allenfalls als letztes Mittel in Betracht kommen, wenn andere Maßnahmen kein angemessenes Sicherheitsniveau gewährleisten können und ein konkretes Risiko fortbesteht."

Die deutsche Bundesregierung sicherte im Sommer 2024 den Netzbetreibern den weiteren Einsatz von Huawei im 5G-Zugangsnetz (RAN) vertraglich zu und vereinbarte lediglich den Austausch einer Steuerungssoftware für Antennen mit den Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica.

Während Huawei wegen angeblicher Nähe zum chinesischen Militär aus dem RAN gedrängt werden soll, werden Nokia und Ericsson als "europäische Alternative" gefeiert. Tatsächlich bringt der Verzicht auf chinesische Anbieter nicht mehr europäische Souveränität. Nokia und Ericsson agieren zunehmend als Software- und Systemintegratoren innerhalb des US-Tech-Stacks, wo sie strukturell und sicherheitspolitisch tief verankert sind. Nokia und sein Investor Nvidia entwickeln gemeinsam die erste kommerzielle AI-RAN-Plattform (Radio Access Network). Nokia hat den US-Optiknetz-Spezialisten Infinera übernommen, um sich direkten Zugang zu US-Rechenzentren, Hyperscalern und Regierungsnetzen zu sichern.

Ericsson dachte über Umzug in die USA nach

Ericsson tätigte mit Vonage die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte in den USA, um eine globale Software- und API-Plattform für Mobilfunknetze aufzubauen, gesteuert aus den USA. Der damalige Ericsson-Chef Börje Ekholm hat Ende 2024 öffentlich im Interview geäußert, dass eine Verlegung der Konzernzentrale von Schweden in die USA ein Thema sei.

Anfang 2020 schlug der damalige US-Justizminister William Barr vor, dass die USA oder US-amerikanische Konsortien eine Mehrheitsübernahme von Nokia oder Ericsson in Betracht ziehen sollten. Spekulationen um einen intensiven US-Einfluss flammten wieder auf, als US-Außenminister Antony Blinken vom 29. Mai bis 2. Juni 2023 nach Schweden, Norwegen und Finnland reiste. Dabei traf sich die US-Delegation direkt mit der Ericsson-Führung.

Im Rüstungsbereich agieren Nokia und Ericsson in den USA längst über die eigens gegründeten Tochtergesellschaften Nokia Federal Solutions und Ericsson Federal Technologies Group. Beide wurden vom US-Verteidigungsministerium für den 151-Milliarden-Dollar-Shield-Vertrag der Missile Defense Agency zugelassen. Beide liefern gehärtete, taktische 5G-Technik für die US-Streitkräfte.

Am Ende erweist sich das Narrativ der europäischen digitalen Souveränität durch Nokia und Ericsson im Mobilfunknetz als teure Illusion. Während der erzwungene Rückbau funktionierender Antennenhardware Milliarden an Investitionskapital verbrennt und den Glasfaserausbau lähmt, tauscht Europa lediglich das hypothetische Risiko eines chinesischen Einflusses gegen die vollendete operative und sicherheitspolitische Abhängigkeit vom US-amerikanischen Rüstungs- und Cloudkomplex. Raum für eigenständige europäische Infrastruktur entsteht dadurch nicht, wohl aber ein gewaltiger volkswirtschaftlicher Schaden.


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