Illegales Fleisch, Klimakatastrophen, Sex

Die Kriminalität etwa ufert soweit aus, dass wir als Spieler der Polizei helfen können, indem wir in Selbstjustiz Schläger und Räuber abknallen können und dafür noch eine Belohnung bekommen. Echtes Wasser, natürlich abgefüllt in Flaschen, ist ein Luxusgut. Das gilt auch für Fleisch, das in Night City offenbar ohne Erlaubnis in der Oberschicht gehandelt wird.

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In den Radionachrichten sterben Einwohner an Botulismus - wegen verdorbenem Dosenfleisch. Und in der Hauptstory treffen wir einen Fleischer, der illegal Hühnchen verkauft. Das Fleisch ist deshalb illegal, weil aufgrund verschiedener Zoonosen und Pandemien das tierische Leben im Prinzip ausgerottet worden ist beziehungsweise sein soll. Mit Blick auf die aktuelle Covid-19-Pandemie, wahrscheinlich auch eine Zoonose, scheint uns das prophetisch und weckt beim Zocken dystopische Gefühle.

Auch der Umgang mit Sexualität ist in dem Endzeitkapitalismus von Cyberpunk 2077 eben nicht so frei wie es scheint, sondern vor allem von Zwängen und Ausbeutung getrieben. So gibt es unter anderem Prostituierte, die sich dank eines speziellen Chips am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern können, was in der Nacht mit ihnen angestellt wurde. Werbung ist meist völlig übersexualisiert und funktioniert im Prinzip nur noch nach dem Motto "Sex sells" - selbst für Hundefutter, das von leicht bekleideten Damen angepriesen wird. Verrückterweise natürlich in einer Welt, in der wir nie einen Hund gesehen haben.

Ausblick auf das, was kommen kann

In Bezug auf den Klimawandel ist die Zukunft von Cyberpunk 2077 ebenfalls düster - und erinnert uns immer wieder daran, was aus unserer Gegenwart werden kann. Während große Teile Europas abbrennen, verhandeln zuständige Politiker mit der Industrie über freiwillige Maßnahmen gegen den Klimawandel. Eine Veränderung zum frustrierenden Status quo der Realität gibt es also nicht.

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Dieses beklemmende Grundszenario hält uns dennoch nicht davon ab, uns gerne in Night City aufzuhalten. Das liegt vor allem daran, dass die Macher von Cyberpunk 2077 es immer wieder schaffen, in der kaputten, düsteren Stadt für Lichtblicke zu sorgen. Je nachdem, ob wir V als Mann oder Frau spielen, können wir etwa regelrecht Beziehungen mit anderen Charakteren eingehen - inklusive Schlüsselübergabe zur fortan gemeinsamen Wohnung.

Diese beschränken sich auch, aber eben nicht ausschließlich auf sexuelle Kontakte, sondern lassen uns auch nach dem Ende der eigentlichen Storyline eine Beziehung führen. Dabei sind hetero- und homosexuelle Beziehungen möglich, auch für Trans-Charaktere. Je nachdem, welches Geschlecht wir spielen, sind unterschiedliche Beziehungen möglich.

Detailverliebte Nebenmissionen

Alleine mit den Nebenmissionen um Panam, Judy, Kerry und River verbringen wir auf diese Weise so viele Stunden in Night City, wie manch andere Spiele an Gesamtspielzeit bieten. Langweilig werden die Missionen dabei nie, im Gegenteil. Außerdem sind sie mit Pausen versehen, die sich gut ins Spiel einfügen. Selbst kleinere Nebenmissionen sind von einer Vielfalt und Originalität, die wir von kaum einem anderen Spiel kennen - außer vielleicht The Witcher 3, das wie Cyberpunk 2077 ebenfalls von CD Projekt Red stammt.

CYBERPUNK 2077 - DAY 1 Standard Edition

Auch bei den Nebenmissionen ist Cyberpunk 2077 stellenweise schon bizarr und unglaublich zynisch. Was für diese Art Spiel noch halbwegs normal oder erwartbar scheint, wird auf die Spitze getrieben - zum Beispiel von einem Filmdreh einer realen Kreuzigung bis zum Tod, bei der wir mithelfen und dafür dann Geld von der sehr erfreuten Produzentin kassieren können. Am Ende eines Techtelmechtels finden wir wiederum einen Dildo: Sir John Phallustiff ist eine Hiebwaffe, und eine ziemlich mächtige dazu. Der eigentlich zur Befriedigung und zum Lustgewinn vorgesehene Gegenstand ist damit Tötungswerkzeug, mit dem wir uns effektiv durch Night City knüppeln. Auch hier gilt wieder: überdrehter und zynischer geht kaum.

Cyberpunk 2077 ist ein Meisterwerk, das man als Ganzes betrachten muss. Unkenrufe, das Spiel sei aufgrund der Grafikfehler ein Flop, werden ihm nicht gerecht. Ja, die Bugs sind da, und ja: Cyberpunk 2077 wurde wohl zu früh veröffentlicht. Dennoch ist es für uns in seiner Komplexität, in seinen Interaktionen mit NPCs und in seiner überraschend klaren Gegenwartskritik ein Meilenstein, der über Jahre unerreicht bleiben wird.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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 Cyberpunk 2077: So wunderbar kaputt!
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BlindSeer 16. Mär 2021

Ich sehe es halt so: Ich bewerte was die Firma raus bringt, denn DIE bekommt das Geld und...

bankit 27. Jan 2021

Eine der klassischen Entscheidungen beim Game-Design: Wieviel klassisches Rollenspiel...

Achranon 27. Jan 2021

Also Objekte liegen doch nun wirklich genug in der Welt herum :) Etwas weniger "Müll...

BlindSeer 27. Jan 2021

Du bringst mich noch dazu für GTA IV meine Xbox 360 zu entstauben. ;) Wobei ich wei...

Freiheit statt... 22. Jan 2021

Nö. Ich stehe auf dieses Cyberpunk-Setting und kann trotzdem (oder vielleicht: umso...



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