Weihnachten: CPU-Kaufberatung für Spieler

Während bei den Grafikkarten noch auf AMD gewartet wird , sind neue Prozessoren von Intel und AMD sowie Mainboards bereits seit einigen Wochen auf dem Markt, konnten sich aber - nicht zuletzt wegen der hohen Preise - nicht so stark verbreiten, wie sich die Hersteller das erhofft hatten. Wir schauen uns an, wann ein CPU-Upgrade besonders für Spieler Sinn ergibt.
Während der Prozessor bei der gleichzeitigen Nutzung vieler Anwendungen von einer größeren Anzahl an Kernen profitieren kann, gibt es außerhalb dessen nur wenige Fälle, wo in erster Linie die Anzahl der Kerne entscheidend ist. Videoschnitt und 3D-Rendering, etwa in Cinema 4D sind solche Fälle.
Für Computerspiele ist die Rechnung häufig relativ einfach, sie profitieren in vielen Fällen vor allem von hoher Performance einzelner Kerne, der sogenannten Single-Thread-Performance. Prozessoren mit mehr als acht Kernen sind für Computerspiele selten erforderlich und kosten meist nur zusätzliches Geld, das besser in eine Grafikkarte oder schnellen Arbeitsspeicher investiert werden sollte.
Die Auslastung der Grafikkarte ist ein guter Indikator
Der Umstieg lohnt sich, wenn die Grafikkarte nicht optimal ausgelastet werden kann. Ob dies der Fall ist, kann man relativ zuverlässig per GPU-Z(öffnet im neuen Fenster) auslesen. Wenn die GPU-Core-Last im Spiel unter 95 Prozent bleibt, ist der limitierende Faktor beim Prozessor zu suchen. Auch der Arbeitsspeicher hat einen Einfluss auf die Bildraten, jedoch ist dieser im Vergleich zur CPU selbst geringer. Aufpassen sollte man beim Blick in den Taskmanager, hier wird die Auslastung der Grafikkarte nicht immer korrekt angezeigt und kann irreführend sein.
Wenn aber die Grafikkarte in GPU-Z fast volle Auslastung anzeigt (Mehr als 96 Prozent sind als 100 Prozent anzusehen), bringt ein Prozessorupgrade meistens keinen sichtbaren Vorteil. Eine Investition in eine schnellere Grafikkarte ist in dem Fall der Weg zu mehr Performance.
Für die CPU ist der Taskmanager hingegen meistens ein guter Indikator. Dazu stellt man die Ansicht per Rechtsklick so ein, dass man die Auslastung der einzelnen Kerne sehen kann. In unserem Beispiel in World of Warcraft Shadowlands ist ein stark übertakteter Intel Core i9-10900K insgesamt nicht sehr stark ausgelastet; dennoch lässt sich klar erkennen, dass der Prozessor der limitierende Faktor ist, da ein Kern voll ausgelastet ist. Wäre hier mehr Leistung abrufbar, könnte die Grafikkarte mehr Bilder pro Sekunde berechnen.
Wenn man also feststellt, dass der Prozessor offenbar die Grafikkarte ausbremst und die Bildrate den Ansprüchen nicht mehr genügt, wird es Zeit für eine Neuanschaffung. Wer einen älteren AMD Prozessor auf dem Sockel AM4 besitzt, kann eventuell lediglich mit einem Upgrade auf den Ryzen 7 5800X3D einen großen Leistungssprung erzielen, ohne viele Komponenten tauschen zu müssen. In fast allen anderen Fällen heißt es jedoch: Mainboard, CPU und Arbeitsspeicher tauschen.
Ob Intel oder AMD, acht Kerne sollten es sein!
AMD hat mit den Ryzen-7000-Prozessoren durchweg starke Angebote. Da die meisten Spiele vor allem durch die Leistung einzelner Kerne limitiert werden, bringen Prozessoren mit 12 oder noch mehr Kernen häufig keinen Vorteil mehr. Geringe Leistungssteigerungen darüber hinaus kommen in erster Linie daher, dass die Topmodelle beider Hersteller auch die höchsten Taktraten auf einzelnen Kernen erreichen. Der daraus resultierende Vorteil ist jedoch eher gering, so dass man meistens beruhigt zu einer CPU mit sechs oder acht Kernen greifen kann, und dadurch gegenüber den größeren Prozessoren einiges an Geld spart.
So schlägt sich beispielsweise ein AMD Ryzen 7600X im Test bereits sehr gut gegen andere Prozessoren, sofern hier ebenfalls schneller DDR5-Speicher eingesetzt wird. Wir empfehlen daher in diesem Fall maximal den Ryzen 7 7700X mit acht Kernen. Da schneller DDR5-6000-Speicher weiterhin teuer ist, haben sich in den letzten Wochen die Speicherkits mit DDR5-5600 als Preis-Leistungssieger herausgestellt - ähnlich wie anfangs DDR4-3200 üblich war, das mittlerweile eher durch DDR4-3600 abgelöst wurde.
Während bei AMD-Prozessoren mit mehr als acht Kernen in einigen Spielen die Performance durch die Aufteilung auf zwei CCDs (Core/Cache-Die) sogar minimal schlechter werden kann, ist bei Intel das Topmodell auch für Spiele klar der schnellste Chip. Dies kommt in erster Linie durch den im Vergleich zum Core i7-13700K höheren Takt von bis zu 5,8 GHz für die P-Cores. Wer jedoch ein wenig sparen möchte und die massive Multi-Thread-Leistung nicht stark nutzt, bekommt bereits mit dem Core i7 eine der schnellsten Gaming-CPUs, die das Vorgängermodell Core i9-12900K klar schlägt und dabei sogar eine etwas geringere Leistungsaufnahme aufweist.
Intel hat aktuell die günstigere Plattform
Intel hat mit seinem Hybrid-Ansatz praktisch unsere Empfehlung zu acht Kernen indirekt bestätigt, denn auch das Topmodell Core i9-13900K hat acht Performance-Kerne, die restlichen 16-Kerne sind die sogenannten E-Cores (Efficiency Core). Sie sind kleiner, unterstützen kein Hyperthreading und sind für viele Workloads weniger leistungsfähig, tragen jedoch stark zu einer guten Multi-Thread-Leistung bei. Die kleineren Modelle ab dem Core i5-13600K haben ebenfalls durchweg eine höhere Single-Thread-Leistung im Vergleich zu den direkten Vorgängern.
Bei den Kosten gab es eine Trendwende: Bisher waren AMD-Systeme meist etwas günstiger, das ist nicht mehr der Fall. Während sich Intels Raptor-Lake-Chips auch auf Z690-Mainboards mit DDR4 betreiben lassen, was sowohl im Vergleich zur Konkurrenz mit AM5 und DDR5 als auch mit der eigenen DDR5-Plattform erhebliche Kosten spart und in vielen Fällen vergleichbare Performance bietet, muss bei AMD tiefer in die Tasche gegriffen werden.
AM5-Mainboards sind selbst mit B650-Chipset bereits unter 250 Euro schwer zu finden, so dass auch ein einfaches System mit 6-Kern-CPU und DDR5-5200 kaum unter 1.000 Euro zu bauen ist. Wer gar X670(E) für PCIe Gen5 für alle PCIe-Slots sowie SSDs möchte, gibt über 400 Euro für ein Mainboard aus. AMD hat über die Black Week die Preise der Zen-4-CPUs reduziert, laut Aussagen von AMD gegenüber PCGH(öffnet im neuen Fenster) sind aber bisher keine dauerhaften Anpassungen geplant.
Intel-Prozessoren sind außerhalb der zeitlich begrenzten Rabatte im Herbst 2022 etwas günstiger als AMD-Prozessoren. Außerdem lässt sich auch ein Raptor-Lake-Prozessor auf einem günstigen H610-Mainboard für knapp über 100 Euro betreiben, samt günstigem oder vielleicht sogar bereits vorhandenem DDR4-Arbeitsspeicher.
Der Einfluss auf die Rechenleistung ist dabei meistens minimal, jedoch sind Anschlüsse und Zusatzfunktionen deutlich reduziert. Außerdem ist eine dauerhafte Stromversorgung mit 300 Watt für einen Core i9 nicht realistisch, hier muss sich streng an die Spezifikation von Intel gehalten werden, um Überhitzung zu verhindern.
Erst ab etwa 30 Prozent ist ein Upgrade wirklich sichtbar
Zu Upgrades allgemein zu sagen ist, dass ein Leistungssprung erst ab etwa 30 Prozent wirklich fühlbar wird. Aus diesem Grund ist ein Upgrade über eine einzelne Generation selten offensichtlich, obwohl es messbar ist. Ob man 75 oder 85 fps hat, ist mit bloßem Auge schwer zu erkennen - während über 100 fps einem ambitionierten Spieler im Vergleich meistens direkt auffallen.
Auch sollte bei Vergleichswerten auf die minimalen Bildraten geachtet werden. Ein besonders flüssiges Spielerlebnis kommt vor allem dann auf, wenn auch bei anspruchsvollen Szenen keine Ruckler erkennbar sind; während die durchschnittliche Bildrate einen allgemeinen Eindruck gibt, aber solche Erlebnisse nicht abdeckt.
Linus Tech Tips hat in einem aktuellen Video(öffnet im neuen Fenster) die jeweiligen Intel- und AMD-Topmodelle miteinander verglichen. Der Vergleich lässt sich aufgrund der ähnlichen Single-Thread-Leistung auch auf die jeweils kleineren Prozessoren übertragen. Dabei zeigt sich, dass man bei der aktuellen Generation kaum eine falsche Entscheidung treffen kann, was die Performance in Spielen betrifft.
Hohe Preise bei AMD und Nvidia
Wenn der Prozessor bereits schnell genug ist, was bei Prozessoren aus den letzten zwei bis drei Jahren in vielen Titeln der Fall sein dürfte, kann es Zeit für eine neue GPU sein. Die Auswahl ist aktuell jedoch noch nicht vollständig, da Nvidia die Ada-Generation zuerst mit den beiden High-End-Modellen Geforce RTX 4090 und Geforce RTX 4080 begonnen hat. In der Mittelklasse sind die bekannten Ampere-GPUs weiterhin aktuell.
Auch AMD wird in Kürze mit der Radeon RX 7900 XTX sowie der Radeon RX 7900 XT zwei High-End-Grafikkarten anbieten. Darunter werden bis auf Weiteres die RDNA-2-Modelle aktuell bleiben. AMD wies während der Präsentation(öffnet im neuen Fenster) stolz auf die Preise von unter 1.000 US-Dollar hin, was klar unter der Konkurrenz von Nvidia liegt. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass dies in Europa in einem Kaufpreis ab 1.300 Euro resultieren wird. High-End-Grafikkarten unter 1.000 Euro wird es vermutlich von keinem der beiden Hersteller geben.
Wo sich die Grafikkarten von AMD leistungsmäßig einordnen, werden die Tests der nächsten Wochen zeigen. Aktuellen Schätzungen zufolge dürfte sich die Radeon RX 7900 XTX oberhalb einer Geforce RTX 4080 einordnen, zumindest was die Raster-Performance betrifft. Wer unter 1.000 Euro eine GPU sucht, kann bei einem guten Angebot beruhigt zugreifen. Neue Mittelklasse-Modelle von beiden Herstellern wird es erst im nächsten Jahr geben, angekündigt wurde hier bislang nichts.



