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Cyberkriminalität: Jeder vierte Jugendliche ist ein Internettroll

Einer Umfrage zufolge ist bedenkliches bis illegales Verhalten von Jugendlichen im Internet zur Normalität geworden. In Deutschland ist der Anteil sehr hoch.
/ Friedhelm Greis
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Jugendliche sind am meisten mit ihrem Smartphone im Netz. (Bild: Lorenzo Di Cola/NurPhoto/Reuters)
Jugendliche sind am meisten mit ihrem Smartphone im Netz. Bild: Lorenzo Di Cola/NurPhoto/Reuters

Die Begehung leichter Straftaten und riskantes Verhalten ist für europäische Jugendliche im Internet fast schon normal geworden. Das geht aus einer Umfrage unter 8.000 Jugendlichen aus neun europäischen Staaten im Rahmen der Studie CC-Driver(öffnet im neuen Fenster) hervor, die im Auftrag der EU zusammen mit Euro- und Interpol durchgeführt wird. Demnach zeigten fast drei Viertel der männlichen Jugendlichen ein solches Verhalten, während der Anteil bei den weiblichen Jugendlichen bei 65 Prozent lag.

Die Studienleiterinnen Julia Davidson und Mary Aiken von der University of East London veröffentlichten die Umfrageergebnisse vorab am 5. Dezember 2022 im Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Demnach wurden die Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren zu 20 Verhaltensweisen im Internet befragt, darunter der Konsum von pornografischem Material, Urheberrechtsverletzungen, das Posten von Rachepornos, Sexting, Geldwäsche oder das Posten von Hasskommentaren.

"Die Untersuchung zeigt, dass ein großer Teil der jungen Menschen in der EU in irgendeiner Form von Internetkriminalität aktiv ist, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass die Begehung von leichten Straftaten im Internet und die Übernahme von Risiken im Internet fast zur Normalität geworden sind" , sagte Davidson.

Mit 44 Prozent am weitesten verbreitet ist dabei der Konsum pornografischer Inhalte, gefolgt von digitaler Piraterie sowie dem Tracking und Trollen von Personen (jeweils 27 Prozent). Die Anstiftung zu Gewalt sowie Sexting sind mit 22 Prozent ebenfalls recht weit verbreitet. Geldwäsche, Belästigung und Hasskommentare liegen bei knapp über zehn Prozent.

In Deutschland liegt der Anteil bei 72 Prozent

Zu den neun Ländern, in denen die Jugendlichen befragt wurden, gehörten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, die Niederlande, Schweden, Norwegen und Rumänien. Das Land mit dem höchsten Anteil an "Online-Abweichung" ( "cyberdeviancy" ) – was einer Mischung aus kriminellem und nicht kriminellem, aber riskantem Verhalten entspricht – war Spanien mit 75 Prozent, gefolgt von Rumänien, den Niederlanden und Deutschland mit etwa 72 Prozent. Schlusslicht war Großbritannien mit 58 Prozent.

Die Umfrage ergab zudem, dass die Hälfte der 16- bis 19-Jährigen vier bis sieben Stunden pro Tag online ist. Vier von zehn Jugendlichen sind sogar mehr als acht Stunden pro Tag online, vor allem mit dem Smartphone. Die fünf wichtigsten Plattformen in dieser Gruppe waren Youtube, Instagram, Whatsapp, Tiktok und Snapchat.


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