Abo
  • Services:

Cybercrime: BKA fordert Gesetze zur Ermittlung von Tor-Nutzern

Bei den Ermittlungen zu Computerkriminalität hat die Polizei mit Verschlüsselungs- und Anonymisierungstools zu kämpfen. Jeder vierte Nutzer verzichtet inzwischen aus Sicherheitsgründen auf soziale Netzwerke.

Artikel veröffentlicht am ,
BKA-Präsident Jörg Ziercke fordert Gesetze zum Aufdecken von kriminellen Tor-Nutzern.
BKA-Präsident Jörg Ziercke fordert Gesetze zum Aufdecken von kriminellen Tor-Nutzern. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Das Bundeskriminalamt (BKA) fordert neue gesetzliche Regelungen, um kriminelle Nutzer von Anonymisierungstools ermitteln zu können. Bei der Vorstellung des Lagebildes Cybercrime 2013 am Mittwoch in Berlin räumte BKA-Präsident Jörg Ziercke einen "Zielkonflikt" zwischen einer verschlüsselten und anonymen Internetnutzung der Bürger und den Interessen der Behörden bei der Aufklärung von Straftaten ein.

Stellenmarkt
  1. MT AG, Großraum Düsseldorf-Köln-Dortmund
  2. TDM Systems GmbH, Tübingen

Es brauche daher "gesetzliche Regelungen", dass der Staat beispielsweise bei der Nutzung des Tor-Netzwerkes durch Kriminelle Strafverfolgung betreiben könne, sagte Ziercke und fügte hinzu: "Insofern ist das im Ergebnis dann kein Zielkonflikt mehr, wenn man tatsächlich die Verschleierung aufgrund gesetzlicher Regelungen mit den entsprechenden Instrumenten wieder aufheben kann." Dies gelte "in ganz bestimmten, herausragenden Fällen". Zugleich forderte Ziercke: "Es muss stärker verschlüsselt werden, es muss eine sichere Kommunikation sein."

Nach Angaben des BKA hat im vergangenen Jahr die Zahl der Phishing-Fälle und Ransomware-Delikte deutlich zugenommen. Die Zahl der Phishing-Vorfälle beim Onlinebanking stieg im Vergleich zu 2012 um 19 Prozent auf 4.096, die Schadenshöhe entsprechend auf 16,4 Millionen Euro. Die Täter hätten sich "den veränderten Rahmenbedingungen technisch angepasst und neue oder verbesserte Schadsoftware entwickelt, um entsprechende Transaktionsverfahren zu umgehen". Zum Aushebeln des mTAN-Verfahrens griffen Kriminelle beispielsweise Smartphone und PC gleichzeitig an oder ließen sich eine zweite SIM-Karte zuschicken. Laut BKA sind die Täter auch in der Lage, erfolgreich Man-in-the-Middle-Angriffe mit manipulierten Websites auszuführen.

Deutlich mehr Ransomware-Delikte

Weiter verbreitet hat sich laut BKA die digitale Erpressung mit Ransomware. Im Jahr 2013 seien 6.754 Fälle registriert worden, bei denen Kriminelle die Rechner von Nutzern mit einem Schadprogramm sperrten und ein "Lösegeld" für die Entsperrung verlangten. "Ende 2012/Anfang 2013 war es einem Täter gelungen, in sechs Tagen 200.000 PCs zu infizieren und 32.000-mal erfolgreich zu sein", sagte Ziercke. Zum Teil seien nur 100 Euro für die Entsperrung verlangt worden. "Die geringe Summe verführt dazu, sich erpressen zu lassen", sagte der BKA-Chef.

Im Vergleich zu 2012 nahm die Zahl der registrierten Cybercrime-Delikte im vergangenen Jahr lediglich um ein Prozent auf 64.426 zu. In 257.486 Fällen wurde das Internet als Tatmittel registriert, was allerdings einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von zwölf Prozent entspricht. Laut Ziercke liegt die Aufklärungsquote bei Cyberkriminalität bei lediglich 25 Prozent, was der BKA-Präsident auch mit dem Fehlen der Vorratsdatenspeicherung und der zunehmenden Anonymisierung begründete. "Cybercrime hat das Potenzial, zu einem Massendelikt zu werden", sagte Ziercke.

Hohe Dunkelziffer bei Cybercrime

Diese These wird auch mit der hohen Dunkelziffer im Bereich der Internetkriminalität begründet. "Eine Dunkelfelduntersuchung des Landeskriminalamtes Niedersachsen aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich 9 Prozent aller Delikte im Bereich Cybercrime angezeigt werden", heißt es in dem Lagebild. Daher müssten alle statistischen Zahlen mit dem Faktor 11 multipliziert werden.

Unterstützt wird diese Einschätzung durch eine repräsentative Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom, wonach 55 Prozent der Internetnutzer in den vergangenen zwölf Monaten Opfer krimineller Vorfälle wurden. Das entspreche bundesweit rund 29 Millionen Betroffenen, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf bei der Vorstellung der Umfrage vom August 2014. Vier von fünf Nutzern befürchten demnach eine Ausspähung persönlicher Daten durch staatliche Stellen, Cyberkriminelle oder Unternehmen.

Jeder Vierte verzichtet auf soziale Netzwerke

Die Enthüllungen durch Edward Snowden über die Geheimdienstaktivitäten und die zahlreichen Berichte über millionenfachen Identitätsdiebstahl haben sich dabei offenbar schon auf das Surfverhalten der Nutzer ausgewirkt. So gab jeder vierte Befragte an, aus Sicherheitsgründen auf eine Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken zu verzichten. Bei einer Umfrage im Jahr 2011 lag diese Zahl nur bei 13 Prozent. Jeder fünfte will keine Cloud-Dienste nutzen. Nur noch jeder siebte hat derzeit keine Bedenken, Transaktionen über das Internet auszuführen. 2011 war das noch bei einem Viertel der Befragten der Fall.

Deutlich zugenommen hat der Umfrage zufolge der Anteil der Personen, die ihre E-Mails verschlüsseln. Dieser Wert stieg von sechs Prozent im Juli 2013 auf 16 Prozent im August 2014. Im selben Zeitraum nahm die Nutzung von Anonymisierungsdiensten ebenfalls zu. Der Anteil stieg von 11 auf 16 Prozent. Jeder Dritte hält allerdings die Nutzung von Verschlüsselungsprogrammen für zu aufwendig. 36 Prozent der Befragten gaben an, trotz der Berichte über millionenfache Identitätsdiebstähle ihr Passwort nicht geändert zu haben.

Nach Ansicht Kempfs gibt es mit Blick auf die Zahlen "keinen Grund zur Panik", aber hinreichend Grund, technisch und auf anderen Wegen Vorsorge zu treffen, um sich als Privatperson oder Unternehmen vor den Gefahren zu schützen. In der Bitkom-Umfrage hatten 30 Prozent der Unternehmen angegeben, dass es bei ihnen in den vergangenen zwei Jahren IT-Sicherheitsvorfälle gegeben habe. Kempf hält diese Zahl allerdings für deutlich zu niedrig und vermutet, "dass es kein Unternehmen, das intensiv in und mit dem Internet arbeitet, gibt, bei dem es bisher noch keine Angriffe gegeben hat". Ein kleiner Weckruf sei in diesem Fall die NSA-Affäre gewesen. Ein Drittel der befragten Unternehmen gab in der Umfrage an, ihre IT-Sicherheit aus diesem Grund verstärkt zu haben. Fast jedes vierte will sogar mehr Geld für die IT-Sicherheit ausgeben.



Anzeige
Top-Angebote
  1. Für 150€ kaufen und 75€ sparen
  2. 499€ (Bestpreis!)
  3. 64,90€ für Prime-Mitglieder (Vergleichspreis 72,88€)
  4. 43,99€ (Bestpreis!)

stritzelman 08. Aug 2015

Entry-Node Mit der Entry-Node schafft man einen Tor-Server, der das Netzwerk unterstützt...

max.henscheid 31. Aug 2014

Aha, interessant!! Und all das WEISST du, oder GLAUBST du das nur?? Wenn du mal vom...

Zwangsangemeldet 28. Aug 2014

Ich glaube, jasmin26 ist einfach nur ein Troll. Ich hab im ganzen golem.de-Forum noch...

dschinn1001 28. Aug 2014

Michael Ende (Kinderbuchautor) sagte auf dem Sterbebett: "Der Tod ist ein Tor." Auf...

Nemo 28. Aug 2014

Och Ziercke, jetzt halt endlich mal deinen Rand... Solange Leute wie du dieses Land...


Folgen Sie uns
       


AMD Athlon 200GE - Test

Der Athlon 200GE ist ein 55 Euro günstiger Chip für den Sockel AM4. Er konkurriert daher mit Intels Celeron G4900 und Pentium G5400. Dank zwei Kernen mit SMT und 3,2 GHz sowie einer Vega-3-Grafikeinheit schlägt er beide Prozessoren in CPU-Benchmarks und ist schneller in Spielen, wenn diese auf der iGPU laufen.

AMD Athlon 200GE - Test Video aufrufen
Gigabit: 5G-Planungen gehen völlig an den Nutzern vorbei
Gigabit
5G-Planungen gehen völlig an den Nutzern vorbei

Fast täglich hören wir Erklärungen aus der Telekommunikationsbranche, was 5G erfüllen müsse und warum sonst das Ende der Welt drohe. Wir haben die Konzerngruppen nach Interessenlage kartografiert.
Ein IMHO von Achim Sawall

  1. Bundesnetzagentur Regierung will gemeinsames 5G-Netz auf dem Land durchsetzen
  2. Mobilfunk Telekom will 5G-Infrastruktur mit anderen gemeinsam nutzen
  3. Fixed Wireless Access Nokia bringt mehrere 100 MBit/s mit LTE ins Festnetz

Probefahrt mit Tesla Model 3: Wie auf Schienen übers Golden Gate
Probefahrt mit Tesla Model 3
Wie auf Schienen übers Golden Gate

Die Produktion des Tesla Model 3 für den europäischen Markt wird gerade vorbereitet. Golem.de hat einen Tag in und um San Francisco getestet, was Käufer von dem Elektroauto erwarten können.
Ein Erfahrungsbericht von Friedhelm Greis

  1. 1.000 Autos pro Tag Tesla baut das hunderttausendste Model 3
  2. Goodwood Festival of Speed Tesla bringt Model 3 erstmals offiziell nach Europa
  3. Elektroauto Produktionsziel des Tesla Model 3 erreicht

Campusnetze: Das teure Versäumnis der Telekom
Campusnetze
Das teure Versäumnis der Telekom

Die Deutsche Telekom muss anderen Konzernen bei 5G-Campusnetzen entgegenkommen. Jahrzehntelang von Funklöchern auf dem Lande geplagt, wollen Siemens und die Automobilindustrie nun selbst Mobilfunknetze aufspannen. Auch der öffentliche Rundfunk will selbst 5G machen.
Eine Analyse von Achim Sawall

  1. Funklöcher Telekom bietet freiwillig hohe 5G-Netzabdeckung an
  2. 5G Telekom hat ihr Mobilfunknetz mit Glasfaser versorgt
  3. Stadtnetzbetreiber 5G-Netz kann auch aus der Box kommen

    •  /