Ermittler setzen gefakte Tor-Webseite auf

Um gegen Xennt strafrechtlich vorgehen zu können, musste ihm daher nachgewiesen werden, gegen dieses Privileg zu verstoßen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn jemand selbst aktiv solche Angebote befördert oder nach Kenntnisnahme nicht deren Zugang sperrt. Den Angeklagten wird daher Beihilfe zu den Straftaten vorgeworfen, die auf den von ihnen gehosteten Seiten begangen wurden. Dazu zählen Drogenhandel, Kreditkartenbetrug oder Datenhehlerei. Da sie den Cyberbunker gemeinsam betrieben haben, bildeten sie der Anklage zufolge eine kriminelle Vereinigung.

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Um die Beihilfe nachweisen zu können, versuchten die Ermittler, die Bunker-Crew in die Falle tappen zu lassen. Zu diesem Zweck sollen sie dem New Yorker zufolge eine eigene Darknetseite erstellt haben, die ein betrügerisches Lotteriespiel vortäuschen sollte. Dann sollen die Mitarbeiter des Cyberbunker-Teams gebeten worden sein, dieses Angebot zu hosten.

Durch die Webseite konnten ahnungslose Nutzer angeblich kein Geld verlieren, aber sie sollte so zwielichtig und realistisch wie möglich aussehen. Mit Bitcoins im Wert von mehreren Tausend US-Dollar sollen die Beamten in Traben-Trarbach angefragt haben, ob sie einen Server mieten könnten. Der Verkäufer sei sofort einverstanden gewesen und habe sich auf ein langes Gespräch mit dem Ermittler eingelassen, heißt es in dem Bericht. Details aus dem Gespräch habe der Beamte nicht nennen wollen, doch das Cyberbunker-Team gab den angeblichen Kunden offenbar Tipps, wie sie ihre Identität verschleiern sollten.

Auf Nachfrage von Golem.de bestätigte das LKA Mainz, "die Erstellung einer solchen Tor-Webseite". Weitere Angaben oder Details könnten aus "ermittlungstaktischen Gesichtspunkten" nicht mitgeteilt werden.

Große Darknet-Märkte gehostet

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Doch das war noch nicht alles. Es wurden offenbar Undercover-Ermittler in den Bunker eingeschleust. Angeblich soll ein Praktikant 2018 sogar einen Spionageserver entdeckt haben. Auf eine entsprechende Frage hin soll der Chef des Mainzer LKA-Teams sich ein Lachen verkniffen und geantwortet haben, dass er dies weder bestätigen noch dementieren könne. Insgesamt kamen die Ermittler offenbar zu dem Schluss, dass der Cyberbunker der größte Provider illegaler Webseiten in Deutschland oder gar weltweit war. Dessen "einziger Zweck" sei gewesen, "Webseiten krimineller Täter zu speichern und diesen ihre Straftaten so erst zu ermöglichen", hieß es unmittelbar nach der Polizeiaktion.

Gehostet wurden demnach Märkte und Foren wie Cannabis Road, Fraudsters, Flugsvamp und Orangechemicals. Auch die Kontrollserver für die Angriffe auf eine Million Router von Telekom-Kunden im Jahr 2016 befanden sich laut der Polizei in dem Rechenzentrum. Einer der Kunden war auch der bekannte Darknet-Marktplatz Wall Street Market, dessen Betreiber im April 2019 festgenommen wurden.

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Cyberbunker rückt "ohne Zögern" Server heraus

Dass Xennt sein "Stay online"-Versprechen nicht immer erfüllen konnte, hatte sich schon im Jahr 2010 gezeigt. Nach einem Gerichtsurteil in Hamburg durfte der Cyberbunker als sogenannter Störer keine Anfragen mehr an den Bittorrent-Tracker The Pirate Bay weiterleiten. Dabei hieß es auf der Webseite bis zuletzt: "Cyberbunker schützt Ihre Server auch vor anderen, die sie gerne abschalten würden, wie die DCMA, Ihre Konkurrenten, Behörden, Diebe, Regierungen und Terroristen."

Diese Werbeaussage wurde im Mai 2019 ein weiteres Mal widerlegt. Laut Spiegel tauchten am 2. Mai 2019 das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit sechs Beamten am Tor des Bunkers auf. Sie verlangten die Herausgabe der Server von Wall Street Market. Der zuständige Manager Michiel R. erklärte sich demnach "ohne zu zögern" bereit, die Server auszuhändigen. Nach Vorlage einer richterlichen Erlaubnis konnten die Ermittler wenige Stunden später selbst in den Bunker gehen und die Server mitnehmen. Ein von Kamphuis gepostetes Video der Aktion zeigt, wie sechs dunkle Limousinen und ein Transporter auf das Gelände fahren.

Auch gegenüber Stadtbürgermeister Langer hatte Xennt keine Bedenken, ihm einen Einblick in den Bunker zu gewähren.

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taktv6 15. Okt 2020

Die Anbindung des Autonomen Systems (AS) der Calibour GmbH erfolgte durch einen Upstream...

Prypjat 15. Okt 2020

Aber bitte nur mit gelöschtem Licht, sonst ist es nicht wirklich Dark ^^

genussge 15. Okt 2020

In absehbarer Zeit könnte man auch einfach die ursprüngliche Funktion wieder in Anspruch...

Plasma 14. Okt 2020

Der war gut :-D Ob der besonders rau im Abgang ist?

Recruit 14. Okt 2020

zu dem Thema gibt es eine tolle Doku: y**tube.c*m/watch?v=1aEpZY4gYog



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