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Ein höflicher Niederländer

Das Amt wurde technisch so gut ausgestattet, dass es 1983 sogar den Bundestag beschäftigte. So prüfte das Verteidigungsministerium "die Möglichkeiten einer Zusammenlegung der Datenverarbeitungsanlagen des Deutschen Wetterdienstes mit denen des Geophysikalischen Beratungsdienstes der Bundeswehr in Traben-Trarbach". Auf besorgte Nachfrage des Offenbacher SPD-Abgeordneten Walter Buckpesch versicherte die Regierung, dass dazu die Anlage im Bunker so ausgebaut werden müsse, dass für das gleiche Geld auch der Deutsche Wetterdienst aufgerüstet werden könne.

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Das alles half gut 20 Jahre später nicht mehr, die Schließung des Trabener Standortes zu verhindern. Was ich allerdings nur noch aus der Entfernung aus Berlin verfolgen konnte. Das gilt auch für den Weiterverkauf der Immobilie, die Ende 2012 komplett von der Bundeswehr geräumt worden war.

Gut drei Jahre später lernte ich auf einem meiner Heimatbesuche einen Niederländer kennen. Das ist an der Mosel so ungewöhnlich, wie einem Deutschen am Ballermann zu begegnen. Der schlaksige und höfliche junge Mann war erstaunlicherweise wegen des alten Amts nach Traben-Trarbach gekommen. Es stellte sich heraus, dass ein anderer Niederländer das Gelände gekauft hatte, um dort ein hochsicheres Rechenzentrum zu betreiben. Sein neuer Mitarbeiter kannte sich gut mit Hunden aus und sollte die Wachhunde ausbilden, die potenzielle Eindringlinge abschrecken sollten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Rottweilerwelpen aus dem Wurf aber noch klein und spielten mit den Kindern auf der Wiese.

Schlechte Bezahlung

Was das für ein Mensch war, der dort oben das Gelände gekauft hatte, interessierte mich nicht. Schließlich gehörte der halbe Berg oberhalb der Mosel seit Jahrzehnten den Holländern mit ihrer Ferienhaussiedlung. Auch der Campingplatz an der Mosel ist fest in holländischer Hand. Warum sollte auf dem Berg nicht ein anderer Holländer ein Rechenzentrum betreiben?

Dass der Bunker dort oben vor allem für das Hosting illegaler Webseiten genutzt würde, erschien mir unplausibel. Schließlich könnte in Deutschland jederzeit die Staatsanwaltschaft vor der Tür stehen, um Festplatten oder Server zu beschlagnahmen.

  • Der Cyberbunker liegt oberhalb von Traben-Trarbach auf dem Mont Royal. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf dem Gelände des früheren Amtes für Wehrgeophysik befinden sich noch zwei weitere Gebäude. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Gelände hat eine Gesamtfläche von 13 Hektar. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Eingang befindet sich (links oben im Bild) hinter dem Antennenmast. Gegenüber haben sich Speditionen angesiedelt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zum Zeitpunkt des Verkaufs war die Liegenschaft noch deutlich besser gepflegt. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Der Altbau wurde 1938/39 als Rohbau einer Luftwaffenschule errichtet, jedoch erst Mitte der 1970er Jahre fertiggestellt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • In der Mitte des Bildes sind die grünen Türme des Bunkers zu erkennnen. Im Hintergrund ist der Tower des Flugplatzes zu sehen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Am Eingang erinnert noch viel an den früherern Besitzer des Geländes, die Bundeswehr. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Rechts neben dem Eingang befindet sich die frühere Wache. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Gegensprechanlage ist herausgerissen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Seit September 2019 ist das komplette Gelände beschlagnahmt, ein Verkauf ist nicht möglich. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Adresse des Cyberbunkers lautet: Über den Weinbergen 1. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die kleinen Rottweiler-Welpen wurden zu Wachhunden ausgebildet. (Foto: Privat/Golem.de)
  • Am 25. September 2019 stürmten Hunderte Beamte das Gelände. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Im 1. Untergeschoss, der sogenannten gelben Sole, befanden sich die Büros des Cyberbunkers. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Das Rechenzentrum versprach "bulletproof hosting" unter allen Bedingungen. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Die 100 bis 200 Arbeitsplätze, die der niederländische Eigentümer versprochen hatte, wurden nie geschaffen. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Im Bunker gab es auch gemütliche Ecken. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Im 2. Untergeschoss befand sich der Serverraum. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Bei der Razzia wurden mehr als 400 Server sichergestellt. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Die Versorgungstechnik im Bunker sollte den Betrieb auch im Ernstfall sicherstellen. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung gab es Batterien. Anschließend sprangen die Dieselaggregate an. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
  • Auch im Innern des Bunkers erinnert noch viel an den früheren Betreiber. (Foto: LKA Rheinland-Pfalz)
Die kleinen Rottweiler-Welpen wurden zu Wachhunden ausgebildet. (Foto: Privat/Golem.de)

Viel zu sehen gab es in den ersten Jahren in dem fünf Stockwerke in die Erde reichenden Bunker nicht, wie es hieß. Allerdings blieb der Bekannte nicht sehr lange auf dem Mont Royal. Zwar konnte er mit seiner Freundin in der früheren Wache gleich am Eingang kostenlos wohnen, doch mit der Bezahlung durch den Chef sah es nicht so gut aus. Was zu der endgültigen Trennung führte, ist unklar.

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Spektakuläre Polizeiaktion

Auf jeden Fall arbeitete er nicht mehr auf dem Berg, als ich im September 2019 von der spektakulären Polizeiaktion erfuhr, bei der die Betreiber des Cyberbunkers verhaftet wurden. Wenn ich in anderen Medien von den gefährlichen Wachhunden las, die das "düstere Rechenzentrum" abschotteten, fielen mir gleich die süßen Welpen wieder ein. Der Spiegel sprach in einer Titelgeschichte von der "Darknet-Schaltzentrale an der Mosel" und dem "Bunker des Bösen", sogar der New Yorker widmete den Vorgängen rund um das frühere Amt einen umfassenden Artikel. Die Kombination Kalter Krieg, Bunker und Darknet fasziniert selbst auf der anderen Seite des Atlantiks.

Wie konnte es dazu kommen, dass aus dem früheren Amt eine "Darknet-Schaltzentrale" wurde? Dieser Frage wollte ich bei meinem nächsten Moselbesuch dann doch etwas näher auf den Grund gehen.

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 Cyberbunker-Prozess: Die Darknet-Schaltzentrale über den WeinbergenDas Amt wird dicht gemacht 
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taktv6 15. Okt 2020

Die Anbindung des Autonomen Systems (AS) der Calibour GmbH erfolgte durch einen Upstream...

Prypjat 15. Okt 2020

Aber bitte nur mit gelöschtem Licht, sonst ist es nicht wirklich Dark ^^

genussge 15. Okt 2020

In absehbarer Zeit könnte man auch einfach die ursprüngliche Funktion wieder in Anspruch...

Plasma 14. Okt 2020

Der war gut :-D Ob der besonders rau im Abgang ist?

Recruit 14. Okt 2020

zu dem Thema gibt es eine tolle Doku: y**tube.c*m/watch?v=1aEpZY4gYog


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