Cyberattacken: Großbritannien fordert lebenslange Haft für Cyberkriminelle
Großbritannien plant lebenslange Haftstrafen für Hacker, deren Attacken katastrophale Folgen haben. Der Vorschlag, den Queen Elizabeth II. am 4. Juni in ihrer Rede vorstellte, würde den bestehenden Computer Misuse Act ergänzen.
Die Novelle sieht lebenslange Haft für Cyberattacken vor, "die zu Todesfällen, ernsthaften Krankheiten oder Verletzungen führen oder die nationale Sicherheit gefährden" . Auch die Höchststrafe für Industriespionage, die ein "signifikantes Risiko für Wirtschaft oder Umwelt darstellen oder das Potential haben, gesellschaftliche Unruhen auszulösen" , soll von 10 auf 14 Jahre angehoben werden. Großbritannien sieht in der Industriespionage seit langem eine wachsende Gefahr für die heimische Wirtschaft.
Sicherheitsexperten beklagen Versäumnisse
Kritiker halten die Änderungen für unnötig. Das bestehende Gesetz biete schon jetzt ausreichend Möglichkeiten, gegen Terroristen vorzugehen, argumentiert die Organisation Open Rights Group(öffnet im neuen Fenster) . Angriffe, wie sie in dem Vorschlag beschrieben würden, gebe es so ohnehin "nur in Hollywood-Filmen" sagte Mustafa Al-Bassam dem britischen Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Der Computerwissenschaftler war 2013 für seine Beteiligung an Cyberattacken der Gruppe LulzSec verurteilt worden.
Andere beklagen, die Regierung habe es versäumt, bisherige Schwachstellen des Computer Misuse Acts auszubessern. Die Arbeit von Sicherheitsforschern etwa bleibt zum Teil weiterhin strafbar. Gezielte Angriffe, mit denen diese die Sicherheit von Netzwerken testen, gelten in Großbritannien ähnlich wie in den USA auch künftig als krimineller Tatbestand. Das mache es schwer, das Internet langfristig sicherer zu machen, beklagen Sicherheitsexperten .
Auch in den USA kann Hackern eine lebenslange Haft drohen, ohne dass dies per Gesetz festgelegt ist. 2010 war Albert Gonzales zu 20 Jahren verurteilt worden, weil er mehr als 90 Millionen Kreditkartendaten von mehreren Einzelhandelsketten gestohlen hatte.
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