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Cyber Innovation Hub der Bundeswehr: Startups für bessere Pflaster und dynamischere IT

Die Bundeswehr will agiler werden. Dafür sucht sie nach IT-Fachkräften und neuen Ideen aus Startups. Das beginnt mit vielen Schreibtischen in einem Hochsicherheitsbüro und auf dem Hangar einer Fregatte.
/ Hauke Gierow
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Das Team des Cyber Innovation Hub, unser Gesprächspartner Marcel, 2. v. l. (Bild: Bundeswehr)
Das Team des Cyber Innovation Hub, unser Gesprächspartner Marcel, 2. v. l. Bild: Bundeswehr

Ausgerechnet auf dem Hubschrauberhangar einer Fregatte soll die Zukunft der Bundeswehr erfunden werden - oder zumindest ein kleiner Teil davon. Im Rahmen der Kieler Woche hat der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr hier ein erstes Treffen mit Startups veranstaltet, den potenziellen Klienten des Teams. Mit der neuen Einrichtung will die Bundeswehr sich eine Art Labor schaffen, um neue Gedanken, Ideen und Projekte im kleinen Rahmen zu testen und möglicherweise für den großen, bürokratischen Apparat Bundeswehr tauglich zu machen. Doch es geht nicht nur um die Projekte selbst, sondern auch um einen kleinen Kulturwandel in der Organisation.

Durch die neuen, flexibleren Strukturen will die Bundeswehr Innovationen aus dem dynamischen Startup-Umfeld besser für die Truppe nutzbar machen. Die erste Veranstaltung zeigt, dass es dabei nicht nur um IT und Software geht - wie der Name vermuten lässt -, sondern auch um Dinge, die den Einsatz der Bundeswehr ganz praktisch verbessern sollen.

In der Vergangenheit hat die Bundeswehr mit großen IT-Projekten schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Das Projekt Herkules zur Modernisierung des nichtmilitärischen Teils der IT-Infrastruktur musste auf halber Strecke neu vergeben werden, weil es den Projektpartnern nicht gelang, das Projekt im geplanten Kostenrahmen abzuschließen. Und auch im Bereich des Beschaffungswesen von militärischen Gütern wie Drohnen und Waffen waren Modernisierungsversuch in den vergangenen Jahren bislang noch nicht von durchschlagendem Erfolg geprägt.

Bis zu 14 Mitarbeiter sollen Innovationen suchen

Die Bundeswehr sei für Startups aufgrund der bürokratischen Strukturen und langwierigen Entscheidungsprozesse kein attraktiver Markt, sagt der Leiter der Einheit, Marcel Yon, im Gespräch mit Golem.de. Das soll sich ändern, wenn die bis zu 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab Herbst voll arbeitsfähig sind. Für geförderte Projekte stehen über den gesamten Zeitraum bis zu 15 Millionen Euro zur Verfügung.

Diese sollen aber nicht in die Entwicklung eigener Grundlagenforschung oder Technologien investiert werden. Es ist also nicht angedacht, dass der Cyber Innovation Hub zu einer Art Darpa (Defense Advanced Research Agency Project) wird. Vielmehr sollen, so unser Eindruck, viele alltägliche Probleme gelöst werden. Ob 15 Millionen Euro über mehrere Jahre verteilt allerdings einen Unterschied machen werden, ist unklar, wenn das Budget des Ministeriums insgesamt mehr als 30 Milliarden Euro ausmacht.

Und dabei geht es längst nicht nur um IT - ein bisschen unklar ist daher, warum das Ganze den Namen "Cyber" im Namen trägt. Das macht schon die Liste der Einreichungen der ersten Veranstaltung in Kiel deutlich. Weil Startups ihre Geschäftsideen schützen wollen, gibt es zwar keine detaillierte Auflistung aller Ideen, aber grobe Kategorien. Mehrere Vorschläge wurden im Bereich Sanität und medizinische Versorgung eingereicht und zur Präsentation angenommen, etwa ein Pflaster, das die Wundheilung deutlich beschleunigen soll.

Aber auch im Bereich Cybersecurity wurden Ideen angenommen, ebenso in der Kategorie Kommunikation, wie eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage mitteilt. Die Bundeswehr ist nach eigenen Angaben sehr zufrieden mit dem Feedback auf die erste Veranstaltung. Aus den etwa 160 Einsendungen konnten nur die besten 20 vor Ort präsentieren. Über mangelnde Nachfrage aus der Startup-Welt kann sich die Truppe also offenbar nicht beklagen.

Das Team des Cyber Innovation Hub besteht derzeit aus acht Personen und soll bis auf 14 Personen anwachsen, darunter sind Informatiker, aber auch Projektmanager ohne konkreten IT-Bezug. Einige der Mitarbeiter wurden aus der Bundeswehr selbst rekrutiert, andere waren wie Yon im Reservedienst der Truppe aktiv.

Yon ist Unternehmer und nicht Informatiker

Yon selbst bringt zahlreiche Erfahrungen von außerhalb der Bundeswehr mit. Er war als Unternehmer aktiv, hat mehrere Firmen gegründet und später verkauft. Der studierte BWLer ist dabei nicht selbst als Entwickler tätig, sieht das aber nicht als Nachteil an: "Ich habe als Unternehmer gemerkt, dass es manchmal gut ist, die Informatik nicht zu kennen. Denn dann stellt man oft die einfachen, dummen Fragen, die es oft braucht, um ein Produkt besser zu machen."

Im Gespräch merkt man ihm an, dass er selbst tief in der Startup-Szene verwurzelt ist. Er empfiehlt das Buch "Innovators Dilemma" als bahnbrechende Lektüre und Meilenstein der Management-Literatur. Und zumindest ein bisschen spiegelt sich der Startup-Geist auch noch in den Räumlichkeiten der Einheit wider: Wo in einem Ministerium normalerweise eine einzelne Person arbeitet, sind derzeit acht Arbeitsplätze eingerichtet.

Noch. Denn die Einheit soll perspektivisch eigene Räume beziehen, die außerhalb des militärisch gesicherten Ministeriums liegen werden. "Wir müssen kein Hochsicherheitsbereich sein, um zu schauen, was die Startup-Welt zu bieten hat," sagt Yon. Man habe keine Geheimnisse, sondern wolle sich anschauen, wolle die Fühler ausstrecken.

Es geht auch um Problemlösungen in der Verwaltung

Im Gespräch betont Yon dann auch, dass der kämpfende Teil der Truppe nur ein kleiner Teil des Systems Bundeswehr sei. Viele Probleme lägen in der Verwaltung und in anderen Bereichen. Man habe mit den gleichen Digitalisierungsherausforderungen zu tun wie Unternehmen in der Privatwirtschaft: "Wir sind eine der größten Bildungseinrichtungen Deutschlands. Wir sind eine der größten Gesundheitseinrichtungen Deutschlands. Und wir sind eines der größten Logistikunternehmen in Deutschland." Der Schwerpunkt der Tätigkeit der Einheit dürfte also in diesem Bereich liegen.

Auch im Bereich der Personalgewinnung könnte es aber Änderungen geben, wenn die Bundeswehr in Zukunft qualifiziertes IT-Personal anwerben möchte: "Die Bundeswehr hat in der Vergangenheit vor allem Berufsanfänger rekrutiert. Ich glaube, dass wir künftig stärker das Potenzial von Seiteneinsteigern nutzen müssen und werden" , sagt Yon. Anders werden viele Stellen wohl auch nicht zu besetzen sein, denn fast alle Bundesbehörden haben massive Probleme, IT-Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen, etwa die Entschlüsselungsbehörde Zitis und auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI. Wer über den Innovation Hub bereits einmal mit dem Ministerium erfolgreich zusammengearbeitet hat, der könnte eine Bewerbung eventuell eher in Betracht ziehen.

Aber auch die bereits vorhandenen Mitarbeiter sollen profitieren. Das neue Zentrum soll es ermöglichen, auch deren Bedürfnisse aufzunehmen und zu kommunizieren. Ohnehin werde in der Bundeswehr sehr viel weitergebildet, sagt Yon. Daher sei es sinnvoll, die Erfahrungen der Mitarbeiter in die Weiterentwicklung der IT-Systeme mit einzubeziehen.

Ob das alles funktioniert, bleibt abzuwarten. In den kommenden Jahren jedenfalls will es das Ministerium ausprobieren und hofft, viele neue Ideen zu sammeln.


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