CTO-Coach Stephan Schmidt: "Ich dachte, ich bin in Der Pate geraten!"

Als Technikchef erlebte Stephan Schmidt konspirative Zettelübergaben und markige Ansagen ("Hier wird scharf geschossen!"). Jetzt teilt er sein Wissen als CTO-Coach.

Ein Interview von Maja Hoock veröffentlicht am
Ausgleich zum Berufsstress: In seiner Freizeit wandert Stephan Schmidt gerne durch Norwegen.
Ausgleich zum Berufsstress: In seiner Freizeit wandert Stephan Schmidt gerne durch Norwegen. (Bild: privat)

In einer Interview-Reihe haben wir Technikchefs zu ihrer Arbeit, ihren Einstellungskriterien und Trends befragt. Zum Schluss gibt es noch ein Ein-Antwort-Spiel. Lasst uns im Forum wissen, welche Kandidaten und Fragen ihr euch zusätzlich fürs nächste Interview wünscht. Alle CTO-Interviews der Reihe sind hier zu finden.

Stephan Schmidt hat ein Diplom in Informatik und eine Ausbildung zum Scrum-Master, aber er hat auch Philosophie studiert. Als CTO-Coach unterstützt er heute Chief Technology Officers (CTOs) verschiedener Unternehmen. Unter anderem versucht er, Strukturen in fremden Tech-Teams zu erkennen und ihnen einen Leitfaden an die Hand zu geben, um ihre Ziele besser zu erreichen. Probleme wie verspätete Abgaben lägen zum Beispiel häufig an falschen Erwartungen, wenn etwa mehr gefordert wird, als eigentlich notwendig ist, sagt er.

Auch Planungsfehler erlebt Schmidt häufig in Tech-Unternehmen: "Meist liegt ein 'zu spät' nicht an den Entwicklern, sondern weil Entscheidungsprozesse im Vorfeld zu langsam sind. Man diskutiert sechs Monate über ein neues System und dann ist eine Entwicklung von einem Monat 'zu lang'." Seine Regel: Wenn es nicht genauer geht, die Schätzungen am besten einfach verdoppeln. Nur realistische Schätzungen führten zu erfolgreichen Abschlüssen. "Software-Schätzung ist fraktal, sie wächst, je genauer man hinsieht", sagt Schmidt.

Woran Projekte scheitern und wodurch sie gut laufen, hat Stephan Schmidt jahrelang selbst erlebt: Der 49-jährige Informatiker hat schon mehrere Firmen aufgebaut und war in diversen Unternehmen CTO, zum Beispiel bei brands4friends (Ebay). Anfang der 90er gründete er mit einem Freund das Open-Source-Wiki Snipsnap, dessen Markup-Engine lange Kern von Atlassian Confluence war.

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In seinem ersten Job nach dem Studium war Schmidt Head of Development bei dem IT-Systemhaus Prodata. Später wurde er Team Lead bei Immobilienscout24 und begann mit der Berliner Consulting-Firma ÜberCTO, als Interims Manager CTOs zu schulen. Seit rund zwei Jahren arbeitet er als CTO-Coach bei Svese, einer Beratungsagentur, die Stephan Schmidt mit seiner Ehefrau und Eventsofa-Gründerin Stefanie Schmidt führt. Aktuell ist er als Interims-CTO bei der Meditations-App 7Mind tätig. Nebenbei probiert er immer neue Startup-Ideen aus, aktuell mit der Programmiersprache Rust.

Golem.de: Sie waren CTO in den verschiedensten Firmen, verfügen also über ein beachtliches IT-Wissen. Wie sind Sie ursprünglich zu Computern gekommen?

Schmidt: Ende der 70er Jahre habe ich zum ersten Mal ein Computerspiel gespielt. Und weil ich damals als Kind dachte, das kann ich besser, und viele Ideen hatte, habe ich mir in einem Kaufhaus - fast niemand hatte einen Computer - das Programmieren beigebracht und dann Computerspiele programmiert.

Golem.de: Welche Computerspiele haben Sie denn programmiert - und wurden davon welche veröffentlicht?

Schmidt: Mein erstes Spiel war ein Türme von Hanoi mit bei Bedarf automatischer Lösung. Auf den selbst erarbeiteten Algorithmus zur Lösung bin ich immer noch stolz. Ein anderes war eine Variante von Nibbler, aber mit vielen Erweiterungen wie Teleportern. Veröffentlicht wurde leider keines der Spiele, da der Quellcode für Zeitschriften zu lang war und man damals auch keinen Zugang zu Vertrieben hatte. Das Spiel wurde deshalb nur unter Freunden getauscht. Heute mit dem Internet wäre der Vertrieb ein Leichtes.

Golem.de: Und was war Ihr erster Computer?

Schmidt: Mit dem Commodore VIC20 habe ich erstmals programmiert und mein erster eigener war ein Schneider CPC464.

Coaching und Beratung für IT Profis, die sich beruflich weiterentwickeln wollen

Golem.de: Welches technische Gerät fanden Sie neben diesen beiden Geräten am beeindruckendsten für ihre Zeit?

Schmidt: Am meisten haben mich mein Amiga und später der erste Acorn Archimedes beeindruckt. Besessen hätte ich immer gerne eine SGI - alle Versuche auf der Cebit eine zu erstehen, sind aber leider fehlgeschlagen.

Golem.de: Mit welchen Technologien und Tech Stacks haben Sie Erfahrung?

Schmidt: Angefangen habe ich mit Basic und Logo, dann 6502, Z80 und 68000er Maschinensprache, Ende der 80er Turbo Pascal und Modula-2. In den 90ern Internet-Anwendungen in C, Perl, Python, Delphi und Java, später Ruby - mit Lisp zwischendrin. In neuerer Zeit dann sehr viel Scala und Javascript, Typescript mit Jquery, React, Vue, Node und NestJS. Neuerdings auch Go und Rust. Ich schätze, dass ich mit mehr als zehn Programmiersprachen Geld verdient habe.

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''Fast jedem CEO geht es mit der Produktentwicklung zu langsam'' 
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