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CSU: Söder blockt Teilzeitbeschränkung ab

CSU-Chef Markus Söder lehnt die Pläne des Wirtschaftsflügels ab: Der Rechtsanspruch auf Teilzeit solle nicht eingeschränkt werden.
/ Andreas Donath
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) (Bild: Nadja Wohlleben / Getty Images)
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Bild: Nadja Wohlleben / Getty Images

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat sich am Sonntag nach einer Vorstandssitzung in München gegen den umstrittenen Vorstoß der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) zur Teilzeitarbeit positioniert. Das berichtete der Bayerische Rundfunk(öffnet im neuen Fenster) . Zwar sei es wichtig, dass mehr gearbeitet werde, um die Produktivität Deutschlands zu steigern. Die CSU setze jedoch auf Anreize, insbesondere steuerliche Entlastungen. Ein generelles Verbot von Teilzeit lehne die Partei ab.

Söder unterschied dabei zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft. In Bayern hatte die Koalition aus CSU und Freien Wählern die Teilzeitregelung für Beamte bereits eingeschränkt. Beim Staat sei ausreichend Personal beschäftigt; wenn durch viele Teilzeitkräfte Aufgaben dennoch nicht erfüllt werden könnten, müsse reagiert werden, lautete die Begründung.

Streit um Lifestyle-Teilzeit

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion fordert in einem Antrag für den CDU-Bundesparteitag eine weitreichende Reform. Der Rechtsanspruch auf Teilzeit solle künftig nur noch bei Kindererziehung, Pflege oder berufsbegleitender Weiterbildung gelten. Ein wesentlicher Anteil von Teilzeitarbeit diene dem Ausbau der Work-Life-Balance. Angesichts des Fachkräftemangels sei diese " Lifestyle-Teilzeit " ein zunehmendes Problem.

Söder distanzierte sich von dem Begriff. Für viele Menschen sei Teilzeit eine Frage der Lebensplanung, nicht des Lifestyles. Deutschland brauche zwar mehr Leistungsfähigkeit, weil die Welt mehr arbeite. Eine Stunde mehr Arbeit pro Woche würde enorm helfen.

Kritik von Verbänden und aus der Politik

Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) sagte, es müsse möglich gemacht werden, dass jeder, der mehr arbeiten wolle, dies auch tun könne. Teilzeit sei für Wirtschaft und Mitarbeitende ein wichtiges Element der Arbeitswelt. Sie halte die bestehende Rechtslage für richtig.

Der Bayerische Philologenverband(öffnet im neuen Fenster) kritisierte den neuen Begriff. Der Vorsitzende Michael Schwägerl warf der Mittelstands-Union vor, zur Spaltung unter Beschäftigten beizutragen. Statt Zwangsmaßnahmen brauche es mehr Unterstützung. Er monierte auch, dass bayerische Beamte ab Herbst 2027 mit Einschränkungen bei der familienpolitischen Teilzeit umgehen müssten.

VdK-Präsidentin Verena Bentele warnte davor, Menschen unter Generalverdacht zu stellen(öffnet im neuen Fenster) . Die Forderung verkomme zur Unterstellung, Arbeitnehmer seien faul und müssten zur Mehrarbeit gezwungen werden.

Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung(öffnet im neuen Fenster) stieg die Teilzeitquote im dritten Quartal 2025 auf 40,1 Prozent. Der Anstieg liegt auch an einem Beschäftigungszuwachs in Branchen mit hohem Teilzeitanteil wie Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht.


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