Crypto Wars: "Kein geheimer Ort für Terroristen"

Die britische Innenministerin fordert staatlichen Zugriff auf Whatsapp-Chats. Verschlüsselte Dienste dürften Terroristen keinen Schutz bieten. Die derzeitige Situation sei "inakzeptabel".

Artikel veröffentlicht am ,
Amber Rudd will Hintertüren für verschlüsselte Whatsapp-Chats.
Amber Rudd will Hintertüren für verschlüsselte Whatsapp-Chats. (Bild: The Guardian (Screenshot: Golem.de))

Und täglich grüßt das Murmeltier: In einem Interview mit der BBC hat die britische Innenministerin Amber Rudd am Wochenende gefordert, Whatsapp und andere Unternehmen, die verschlüsselte Kommunikationsdienste anbieten, müssten staatlichen Behörden Zugriff auf die Inhalte verschaffen. "Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen wie Whatsapp, und es gibt noch viele andere, Terroristen keinen geheimen Ort bieten, in dem sie miteinander kommunizieren können", sagte Rudd der BBC.

Der neuerliche Vorstoß folgt Berichten, denen zufolge der Brite Khalid Masood, der am 22. März 2017 vor dem Parlamentsgebäude in London vier Menschen tötete, wenige Minuten zuvor über Whatsapp kommuniziert hatte.

Erhebliche Kritik von Experten

Mit ihrem Vorschlag zog sich Innenministerin Rudd Kritik und Häme von IT-Sicherheitsexperten zu. Während einige ihr empört vorwarfen, sie verstünde nicht, wie Verschlüsselung funktioniert, schrieb Arstechnica-Journalist Sebastian Anthony, Rudd solle lieber Autos verbieten, das sei effektiver als der Angriff auf Verschlüsselung.

Opposition lehnt Hintertüren ab

Auch britische Oppositionspolitiker kritisierten die Forderung nach einer Hintertür in Whatsapp umgehend. Sicherheitsdiensten Zugriff auf verschlüsselte Whatsapp-Nachrichten zu geben, sei "weder angemessen noch eine effektive Antwort" auf die Tat, sagte der liberale Politiker Brian Paddick dem Guardian. "Die Terroristen wollen unsere Freiheit zerstören und unsere demokratische Gesellschaft unterminieren. Drakonische Gesetze und Einschränkungen unserer Freiheiten spielen ihnen nur in die Hände." Auch der Chef der britischen Linken, Jeremy Corbyn, lehnte den Vorschlag ab.

Die Ministerin führt dagegen an, früher hätten die Strafverfolgungsbehörden mit richterlicher Genehmigung auch Briefumschläge aufdampfen und Telefongespräche abhören können.

Rudd will Whatsapp überzeugen

Wenn möglich, würde Rudd eine neue gesetzliche Regelung demnach gerne vermeiden. Stattdessen will sie auf die freiwillige Kooperation mit den betroffenen Unternehmen setzen. "Diese Leute haben auch Familien, haben auch Kinder", sagte sie. "Sie sollten auf unserer Seite sein und ich werde versuchen, diesen Streit mit Argumenten zu gewinnen." Dass ihr das gelingt, scheint eher fraglich.

Die Forderung nach staatlichen Hintertüren für Verschlüsselung ist fast so alt wie die digitale Verschlüsselung selbst. Nach den ersten sogenannten Crypto Wars der 1990er Jahre hielten sich ähnliche Ideen unter Innenpolitikern hartnäckig. Bereits frühere britische Regierungsmitglieder wie etwa der ehemalige Premierminister David Cameron hatten vehement Hintertüren in Verschlüsselungssoftwares für die Regierung gefordert.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


User_x 28. Mär 2017

Teils sind es die Profiteure, teils wirklich Ahnungslose... Warum keine Geheimnisträger...

bombinho 28. Mär 2017

Ja, aber wer kommt schon darauf, dass du deinem Bluetoothstick eine Yagi verpasst hast...

Anonymer Nutzer 28. Mär 2017

so etwas stand mal als plan geschrieben. Ordnung aus Chaos.....

Anonymer Nutzer 28. Mär 2017

Für uns die Zusammenhänge zu erkennen? ;-)



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
OpenAI
Girlfriend-Chatbots verstoßen gegen die Regeln des GPT-Store

Nur einen Tag, nachdem OpenAI ChatGPT für Entwickler geöffnet hat, lassen sich Angebote finden, die es nicht geben dürfte.

OpenAI: Girlfriend-Chatbots verstoßen gegen die Regeln des GPT-Store
Artikel
  1. LTE: Kaum weniger Funklöcher in Deutschland
    LTE
    Kaum weniger Funklöcher in Deutschland

    Während bei 5G viel ausgebaut wurde, haben die Netzbetreiber zu wenig LTE-Funklöcher geschlossen. Das ergab zumindest eine Auswertung von Verivox.

  2. AVM: Huawei-Patent kommt in Fritzboxen nicht zum Einsatz
    AVM
    Huawei-Patent kommt in Fritzboxen nicht "zum Einsatz"

    Huawei hat einen großen Patentpool zu Wi-Fi 6. Fritzbox-Hersteller AVM hat die Patente nach eigenen Angaben in seinen Wi-Fi-6-Routern nicht genutzt, will sie aber dennoch für ungültig erklären lassen.

  3. E-Corner: Hyundai entwickelt Klappräder zum seitlichen Einparken
    E-Corner
    Hyundai entwickelt Klappräder zum seitlichen Einparken

    Die Hyundai-Tochter Mobis präsentiert eine Technik, mit der sich die Autoräder seitlich drehen lassen, um das parallele Einparken zu erleichtern.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Lenovo 34" 21:9 Curved WQHD 299€ • ASRock RX 7900 XTX 1.039,18€ • War Hospital 21,59€ • Amazon-Geräte -50% • Acer 34" OLED UWQHD 175Hz 999€ • PS5 + Spider-Man 2 569€ • AMD Ryzen 9 5950X 379€ • Switch-Controller 17,84€ • AOC 27" QHD 165Hz 229€ • 3 Spiele für 49€ [Werbung]
    •  /