Creative Commons: Amazon bremst die Bücherbefreier von Unglue.it aus

Unglue.it sammelt Geld, um Bücher von Rechteinhabern freizukaufen und unter Creative-Commons-Lizenz neu zu veröffentlichen. Amazon wickelte die Zahlungen ab - bis jetzt.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Creative Commons: Amazon bremst die Bücherbefreier von Unglue.it aus
(Bild: Unglue.it/Sreenshot: Zeit Online)

Die Crowdfunding-Plattform Unglue.it ist erst wenige Monate alt und hat schon jetzt ein großes Problem. Unglue.it sammelt Geld, mit dem es bereits veröffentlichte Bücher von Rechteinhabern freikauft. Anschließend werden die Werke unter einer Creative-Commons-Lizenz neu publiziert - ohne Kopierschutz und für jedermann kostenlos verfügbar. Nutzer von Unglue.it spendeten bislang über Amazons Payment-System das Geld dafür - doch der Konzern hat plötzlich beschlossen, den Bücherbefreiern kein Geld mehr weiterzuleiten. So schreiben es die Macher der jungen Crowdfunding-Plattform in einem Blogeintrag.

Seit Mai 2012 gibt es die Website Unglue.it. Sie richtet sich an Rechteinhaber und an Leser. Wer die Verwertungsrechte an einem Buch besitzt, kann es auf Unglue.it zur erneuten Veröffentlichung unter einer Creative-Commons-Lizenz ausschreiben. Dazu bestimmen die Rechteinhaber selbst einen Preis von zum Beispiel 10.000 US-Dollar. Finden sich genug zahlungswillige Leser, die das Geld zusammenbringen, wird das Buch gewissermaßen befreit und vom Rechteinhaber erneut als E-Book veröffentlicht. Leser können auf der Seite bestehende Buchbefreiungskampagnen unterstützen oder neue Bücher vorschlagen, die "unglued" ("losgeeist") werden sollen.

Bisher hatte erst eine Kampagne Erfolg: Für das Sachbuch Oral Literature in Africa von Ruth H. Finnegan, erstmals 1970 erschienen, spendeten 281 Unglue-Mitglieder zusammen mehr als die geforderten 7.500 Dollar. Nun wird es erneut publiziert. Weitere Kampagnen aber gibt es derzeit nicht, da Amazon Payment sich nun weigert, Geld an Unglue.it weiterzuvermitteln.

Amazons Gründe für den Boykott sind unklar. Unglue.it-Gründer Eric Hellmann schreibt in einer E-Mail an Zeit Online: "Der Manager von Amazon Payment, mit dem ich gesprochen habe, sagte mir, dass Crowdfunding-Geschäfte regulatorische und vertragsrechtliche Hürden beinhalten würden, die Amazon derzeit nicht effizient managen könne." Was dies genau bedeuten soll, blieb unbeantwortet.

Hellmann betont, es helfe nicht, nun sauer auf Amazon zu sein. Er schreibt, es sei unwahrscheinlich, dass Amazon es auf Unglue.it abgesehen habe, nur weil das junge Unternehmen mit Büchern zu tun habe.

Unglue.it arbeitet nun daran, ein anderes Bezahlsystem einzuführen. Verhandlungen mit Paypal laufen schon länger, wenn auch bisher ohne Erfolg. Paypal nimmt Crowdfunding-Projekte offenbar genau unter die Lupe, bevor es seine Unterstützung zusagt. Eric Hellmann geht deshalb eher davon aus, dass Unglue.it bald mit einem dritten System den Neustart versucht.

Amazon geriet schon einmal in die Kritik, als es seine Unterstützung für eine Onlineplattform plötzlich einstellte: Im Jahr 2010 nutzte Wikileaks die Rechner- und Speicherkapazitäten des Amazon Web Service, bis Amazon den Enthüllern überraschend kündigte. Offiziell hieß es, Wikileaks habe die Geschäftsbedingungen missachtet, denen zufolge Kunden die Rechte an dem bei Amazon gespeicherten Material besitzen müssen. Das aber sei bei den Botschaftsdepeschen, die Wikileaks damals veröffentlicht hatte, nicht der Fall gewesen. Den Eindruck, dass Amazon diese Entscheidung aufgrund von politischem Druck fällte, konnte das Unternehmen nie ganz ausräumen.

Auf Anfrage von Zeit Online hat Amazons Presseabteilung versprochen, sich so schnell wie möglich zum Fall Unglue.it zu äußern.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Atalanttore 18. Aug 2012

Wäre Unglue.it nicht Unglue.it sondern IBM, würde es sich Amazon drei- bis viermal...

Trockenobst 11. Aug 2012

Die meisten wissen gar nicht wie juristisch kompliziert Crowd Funding ist. Das wird man...

samy 11. Aug 2012

Macht im Deutschen trotzdem keinen Sinn.. Deshalb entweder auf ganz Deutsch oder ganz...

Sheep_Dirty 11. Aug 2012

Ich frage mich warum man nicht einfach eine seriöse Bezahlmethode verwendet. Klar dauert...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
OpenAI
Girlfriend-Chatbots verstoßen gegen die Regeln des GPT-Store

Nur einen Tag, nachdem OpenAI ChatGPT für Entwickler geöffnet hat, lassen sich Angebote finden, die es nicht geben dürfte.

OpenAI: Girlfriend-Chatbots verstoßen gegen die Regeln des GPT-Store
Artikel
  1. AVM: Huawei-Patent kommt in Fritzboxen nicht zum Einsatz
    AVM
    Huawei-Patent kommt in Fritzboxen nicht "zum Einsatz"

    Huawei hat einen großen Patentpool zu Wi-Fi 6. Fritzbox-Hersteller AVM hat die Patente nach eigenen Angaben in seinen Wi-Fi-6-Routern nicht genutzt, will sie aber dennoch für ungültig erklären lassen.

  2. LTE: Kaum weniger Funklöcher in Deutschland
    LTE
    Kaum weniger Funklöcher in Deutschland

    Während bei 5G viel ausgebaut wurde, haben die Netzbetreiber zu wenig LTE-Funklöcher geschlossen. Das ergab zumindest eine Auswertung von Verivox.

  3. E-Corner: Hyundai entwickelt Klappräder zum seitlichen Einparken
    E-Corner
    Hyundai entwickelt Klappräder zum seitlichen Einparken

    Die Hyundai-Tochter Mobis präsentiert eine Technik, mit der sich die Autoräder seitlich drehen lassen, um das parallele Einparken zu erleichtern.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Lenovo 34" 21:9 Curved WQHD 299€ • ASRock RX 7900 XTX 1.039,18€ • War Hospital 21,59€ • Amazon-Geräte -50% • Acer 34" OLED UWQHD 175Hz 999€ • PS5 + Spider-Man 2 569€ • AMD Ryzen 9 5950X 379€ • Switch-Controller 17,84€ • AOC 27" QHD 165Hz 229€ • 3 Spiele für 49€ [Werbung]
    •  /