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Crashtests und Verbrauch manipuliert: Daihatsu stoppt Produktion nach Aufdeckung von Betrug

Großer Druck hat bei der Toyota -Tochter dazu geführt, dass massiv Testergebnisse manipuliert wurden - und das schon seit über 30 Jahren.
/ Werner Pluta
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Vorstellung des Daihatsu Cast im Jahr 2015: Zunahme der Unregelmäßigkeiten seit 2014 (Bild: Yoshikazu Tsuno/AFP via Getty Images)
Vorstellung des Daihatsu Cast im Jahr 2015: Zunahme der Unregelmäßigkeiten seit 2014 Bild: Yoshikazu Tsuno/AFP via Getty Images

Der japanische Autokonzern Toyota ist bekannt für sein System des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung. Doch das scheint nicht für die Tochter Daihatsu zu gelten. Dort wird weniger ehrlich gearbeitet.

Im Frühjahr dieses Jahres wurde bekannt, dass Tests des Seitenaufprallschutzes von 88.000 Kleinwagen manipuliert worden waren. Die Fahrzeuge wurden als Toyotas in mehreren Ländern Südostasiens sowie Mittel- und Südamerikas verkauft. Daraufhin wurde eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet.

Diese ergab, dass das kein Einzelfall war: Zusätzlich zu den Unregelmäßigkeiten bei der Türverkleidung im April und bei der Seitenaufprallprüfung im Mai fanden die Ermittler 174 weitere Fälle in 25 Testkategorien. "Es wurden Unregelmäßigkeiten bei 64 Modellen und drei Motoren festgestellt (Gesamtzahl der Modelle in Produktion/Entwicklung und Auslaufmodelle), einschließlich der Modelle, die bereits eingestellt wurden" , heißt es in einer Erklärung von Daihatsu(öffnet im neuen Fenster) .

Seit 2014 wurde mehr manipuliert

Laut dem Untersuchungsbericht (pdf)(öffnet im neuen Fenster) wurde bei Daihatsu im großen Stil manipuliert. Eher harmlos waren da geschönte Verbrauchswerte. Es wurden aber auch Crashtests manipuliert oder Probleme bei Airbags vertuscht. Die Zahl der Unregelmäßigkeiten habe seit 2014 zugenommen, stellten die Ermittler fest. Neu sind die Manipulationen jedoch nicht: Die älteste Unregelmäßigkeit datiert auf das Jahr 1989.

Betroffen waren sowohl eigene Modelle als auch solche, die Daihatsu für Toyota, Mazda und Subaru produziert hat. Insgesamt baut Daihatsu im Jahr etwa 1,7 Millionen Autos, hauptsächlich Kleinwagen und Kleinstwagen, die in Japan als Kei-Car bezeichnet werden.

Als Grund für die Manipulationen nennt der Bericht unter anderem Druck durch zu enge und rigide Zeitpläne bei der Entwicklung. Das habe beispielsweise dazu geführt, dass bei einem Crashtest, der mit zu hoher Geschwindigkeit durchgeführt wurde, die Standardgeschwindigkeit eingetragen wurde, anstatt den Test zu wiederholen. Ergebnisse seien nicht überprüft worden, es habe keine Transparenz im Arbeitsumfeld geherrscht. So seien Unregelmäßigkeiten nicht aufgefallen.

Als Reaktion auf den Bericht, der am 20.Dezember veröffentlicht wurde, stoppte Daihatsu zunächst die Auslieferung bereits fertiger Fahrzeuge. In diese Woche wurde zusätzlich die Produktion in allen vier japanischen Werken eingestellt. Der Produktionsstopp gilt mindestens bis Ende Januar 2024. Rund 9.000 Beschäftige sowie 423 Zulieferer sind davon betroffen. Letztere will der Hersteller entschädigen.


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