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Crash Clock: Hohe Kollisionsgefahr im Weltraum bei Satellitenausfall

Eine Forschungsgruppe hat die Zeit bis zum Zusammenstoß von Satelliten berechnet, wenn diese eine ihrer wichtigsten Fähigkeiten verlieren.
/ Patrick Klapetz
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Zahlreiche Objekte umkreisen unseren Planeten. Kollisionen werden immer wahrscheinlicher. (Bild: Esa)
Zahlreiche Objekte umkreisen unseren Planeten. Kollisionen werden immer wahrscheinlicher. Bild: Esa

Was passiert, wenn Satelliten einfach ausfallen? Wie lange würde es dauern, bis sie mit Weltraumschrott oder anderen Satelliten zusammenstoßen? Eine Forschungsgruppe hat sich die Daten genauer angeschaut(öffnet im neuen Fenster) .

Wenn Satelliten ihre Fähigkeit zum Ausweichen verlieren, etwa durch einen schweren Sonnensturm, dauert es demnach weniger als drei Tage bis zur ersten Kollision. Im Jahr 2018, als es weniger Satelliten und entsprechend weniger Weltraumschrott gab, hätte es in einer Höhe von etwa 500 Kilometern noch 128 Tage bis zur ersten Kollision gedauert.

Doch heute, wo es immer mehr Satelliten und Megakonstellationen wie Starlink von SpaceX oder das chinesische Tausend-Segel-Netzwerk gibt, würde es nur noch 2,8 Tage bis zur ersten Kollision dauern.

Das hat das Forschungsteam mit einem Modell namens Crash Clock (Collision Realization and Significant Damage) für einen Höhenbereich von 500 km berechnet, der Region mit den meisten Satelliten. Es handelt sich um einen Schätzwert; ob es tatsächlich zu einem Zusammenstoß kommt, kann nicht konkret beantwortet werden.

Ausweichmanöver im erdnahen Orbit an der Tagesordnung

Derzeit wird die Erde laut der europäischen Weltraumorganisation Esa(öffnet im neuen Fenster) von ungefähr 13.000 aktiven Satelliten umkreist. Hinzu kommen außer Betrieb gesetzte Satelliten sowie Raketenstufen und Kollisionsfragmente, von denen es mehr als 43.500 Stück geben soll.

Zudem gibt es noch viel mehr kleine Objekte, die kaum nachverfolgt werden können. Ihre Zahl wird auf über 140 Millionen geschätzt. Analysten gehen davon aus, dass bis 2035 Zehntausende weitere Satelliten in die Erdumlaufbahn geschickt werden. 

Allein Starlink mit seinen etwa 9.000 aktiven Satelliten führte in den sechs Monaten vor Juli 2025 um die 145.000 Manöver zur Vermeidung von Kollisionen durch. Dementsprechend müsste jeder Starlink-Satellit pro Monat durchschnittlich vier Ausweichmanöver durchführen.

Im erdnahen Orbit kommt es etwa alle 22 Sekunden zu einer Annäherung von weniger als einem Kilometer zwischen zwei Satelliten, einem sogenannten Close Approach . Wenn man nur die Starlink-Satelliten betrachtet, findet alle elf Minuten ein solches Ereignis statt.

Satellitenausfall und die Folgen

Der Ausfall von Satelliten ist gar nicht so unwahrscheinlich, etwa durch einen Sonnensturm. Bei einem koronalen Massenauswurf (CME) wird magnetisiertes Plasma von der Sonne ins Weltall geschleudert. Wenn es auf die Erde trifft, verdichtet sich die dünne obere Atmosphäre des Planeten. Dadurch sind Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn mehr Luftwiderstand ausgesetzt und verlangsamen sich. Ihre Flugbahn wird dadurch unvorhersehbar.

Der Halloween-Sturm aus dem Jahr 2003 war eines der intensivsten Weltraumwetterereignisse der letzten drei Jahrzehnte. Satellitenbetreiber verloren für mehrere Tage die Position ihrer Raumfahrzeuge aus den Augen.

Damals befanden sich nur einige Hundert aktive Satelliten in der Erdumlaufbahn. Es kam auch nicht zu Zusammenstößen. Doch seitdem hat sich die Anzahl der in Betrieb befindlichen Raumfahrzeuge drastisch erhöht. Stärkere Auswirkungen hatte bereits der Gannon-Sturm im Jahr 2024 .

Bei einem Sonnensturm wie dem Carrington-Ereignis von 1859 würde die Zeit wohl nicht ausreichen, um den reibungslosen Betrieb der Satelliten wieder aufzunehmen. Ein Ereignis wie dieser intensivste dokumentierte Sonnensturm in der Menschheitsgeschichte würde eine Woche oder länger brauchen, um vollständig abzuklingen.

Dunkles Zeitalter

Kollisionen im Orbit könnten eine Kettenreaktion auslösen, das sogenannte Kessler-Syndrom. Der Erdorbit könnte dann innerhalb von kürzester Zeit unbrauchbar sein. Trümmerteile könnten zudem unkontrolliert auf die Erdoberfläche aufschlagen. Die Folgen für das moderne, in vielen Aspekten von Satelliten abhängige Leben wären unabsehbar.

Zur Studie

Die Studie unter dem Titel An Orbital House of Cards: Frequent Megaconstellation Close Conjunctions(öffnet im neuen Fenster) (Ein orbitales Kartenhaus: häufige enge Konjunktionen von Megakonstellationen) hat noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen und wurde am 10. Dezember 2025 auf dem Pre-Print-Server Arxiv.org veröffentlicht.


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