CPUs: ARM verklagt Qualcomm wegen Nuvia-basierter Chips

Die Übernahme und Designs von Nuvia sollten für Qualcomm den Durchbruch bei Laptops und Servern bringen. Laut ARM gibt es dafür aber gar keine Lizenz.

Artikel veröffentlicht am ,
Ein älterer Snapdragon-Chip von Qualcomm
Ein älterer Snapdragon-Chip von Qualcomm (Bild: Qualcomm)

Der britische CPU-Designer ARM hat seinen langjährigen Lizenzpartner Qualcomm nach über einem Jahr außergerichtlicher Verhandlungen in den USA wegen einer Lizenz- und Markenrechtsverletzung verklagt. Demnach soll Qualcomm keine gültige Lizenz für die Designs des übernommenen CPU-Start-ups Nuvia besitzen. ARM fordert letztlich sogar, die damit verbundenen Arbeiten vollständig zu vernichten. Qualcomms geplantes Geschäft für Laptop- und Server-Chips dürfte damit grundsätzlich gefährdet sein.

Hintergrund der Klage sind die verschiedenen Lizenzabkommen, die ARM seinen Partnern bietet. Dazu gehören einerseits die Technologie-Vereinbarungen (TLA), die die ARM-eigenen Designs wie Cortex-Kerne und leichte Veränderungen daran umfassen, sowie andererseits die Architektur-Vereinbarungen (ALA), die eigene Designs auf Grundlage des ARM-Befehlssatzes erlauben.

Sowohl Qualcomm als auch Nuvia verfügten jeweils über beide Arten an Lizenzen. Mit der Übernahme von Nuvia durch Qualcomm für 1,4 Milliarden US-Dollar seien auch die Lizenzen und Designs von Nuvia auf Qualcomm übertragen worden, schreibt ARM in der Klageschrift. Das widerspreche jedoch explizit den Lizenzbedingungen, die ARM seinen Partnern zur Verfügung stellt. Derartige Übertragungen seien, wenn überhaupt, nur nach expliziter Zustimmung von ARM möglich, da die ALAs immer nur für bestimmte Designs einzelner Unternehmen gültig seien, nicht jedoch für die ARM-Technik an sich.

ARM teilte Qualcomm dies nicht nur mit, sondern erklärte darüber hinaus auch die Lizenzen von Nuvia zum 1. März 2022 für nichtig, da die Weitergabe der Designs einen Vertragsbruch darstelle. Schon damals habe ARM Qualcomm aufgefordert, nicht weiter an den Designs zu arbeiten und entsprechende Technik zu zerstören, die unter dem nun gekündigten Lizenzvertrag entstanden sei. Zumindest das Ende der Nuvia-Lizenzen habe die Rechtsabteilung von Qualcomm auch anerkannt.

Qualcomm arbeitet weiter an Nuvia-Designs

Kurz nach der Übernahme von Nuvia hatte Qualcomm angekündigt, dass die Snapdragon-Chips wieder eigene Designs erhalten würden. Qualcomm gehörte neben Apple und Samsung zu den wenigen Smartphone-SoC-Entwicklern, die neben Cortex-Cores von ARM auch eigene CPU-Kerne auf Basis einer Architekturlizenz entworfen hatten.

In diesem Frühjahr kündigte Qualcomm dann an, dass die neuen Prozessoren, welche auf der Architektur des zugekauften Start-ups Nuvia basieren, noch im Jahr 2022 an Kunden verteilt werden sollten. Geräte damit könnten dann im kommenden Jahr 2023 erscheinen.

Die Erwartungshaltung an die neuen Chips ist hoch. Nuvia arbeitete zuletzt an einem ARM-basierten CPU-Kern, dem Phoenix, der extrem effizient sein soll. Das ist wichtig bei akkubetriebenen Geräten, also Smartphones und Laptops mit Windows 11 on ARM, deren Entwicklung Qualcomm seit mehreren Jahren forciert. Qualcomm will zusätzlich dazu aber auch einen Server-Chip bauen, wohl ebenfalls auf Grundlage von Phoenix.

In Bezug auf den Rechtsstreit geht Qualcomm offenbar davon aus, dass die Übernahme der Designs von Nuvia von der eigenen Architekturlizenz gedeckt ist. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Qualcomm: "Die Beschwerde von ARM ignoriert die Tatsache, dass Qualcomm über breite, gut etablierte Lizenzrechte verfügt, die seine kundenspezifischen CPUs abdecken, und wir sind zuversichtlich, dass diese Rechte bestätigt werden".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


ThorstenMUC 06. Sep 2022

Es geht um Apple... da geht es mehr um Glauben, als Wissen :-(

derdiedas 02. Sep 2022

Wenn der Kunde schlichtweg betrügt muss man das wohl so machen. Qualcomm ist einer der...

Steffo 01. Sep 2022

Das ist für mich die Perversion vom Kapitalismus. ARM verlangt allen Ernstes, dass ein...

/mecki78 01. Sep 2022

ARM sagt, dass "die Weitergabe der Designs einen Vertragsbruch darstelle", mit anderen...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Grim Fandango
Toller Trip durch das Reich der Toten

Morbide und lustig: Grim Fandango war kein Erfolg und gilt trotzdem als Klassiker. Golem.de hat es erneut durchgespielt - und war wieder begeistert.
Von Andreas Altenheimer

25 Jahre Grim Fandango: Toller Trip durch das Reich der Toten
Artikel
  1. Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
    Star Wars
    Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

    Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

  2. Autonomes Fahren: Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt
    Autonomes Fahren
    Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt

    Landmaschinen ohne Fahrer, Traktoren, die mit Gesten gesteuert werden - autonome Systeme sollen in der Landwirtschaft gleich mehrere Probleme lösen.
    Ein Bericht von Werner Pluta

  3. Lohn und Gehalt: OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr
    Lohn und Gehalt
    OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr

    Die Firma hinter Chat-GPT zahlt im Vergleich zu Unternehmen wie Nvidia besonders gut. Erfahrene Forscher und Entwickler auf dem Gebiet sind Mangelware.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Crucial P5 Plus 2 TB mit Kühlkörper 114,99€ • Crucial Pro 32 GB DDR5-5600 79,99€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • Anthem PC 0,99€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /