Arbeitsspeicher, SSDs, Mainboards
Arbeitsspeicher wird bei neuen PCs und Upgrades in diesem Herbst wohl das große Thema sein. Der Preis für ein DDR5-Kit mit einer Speicherkapazität von 32 GByte liegt derzeit bei über 250 Euro, besonders schnelle Kits können 400 Euro deutlich übersteigen. Für 64 GByte werden teilweise gar mehr als 1.000 Euro aufgerufen. Bei DDR4 sieht es preislich kaum besser aus, teilweise ist die Verfügbarkeit außerdem schlechter als bei DDR5.
Wer nicht unbedingt muss, sollte vorerst auf den Kauf von Arbeitsspeicher verzichten. In jedem Fall lohnt es sich zurzeit nicht, schon einmal etwas mehr Speicher zu kaufen, um für die Zukunft zu planen. Dazu sei allerdings auch gesagt, dass eine Entspannung der Preislage derzeit nicht in Sicht ist. Für das Jahr 2026 erwarten Analysten weiterhin hohe Preise für DRAM und zunehmend auch für NAND-Speicherchips, die in SSDs verbaut werden.
DDR5 hat sich mittlerweile mit Geschwindigkeiten von 6.000 bis über 8.000 Mt/s (Megatransfers pro Sekunde) durchgesetzt. Einen größeren Unterschied macht die Speichergeschwindigkeit in den seltensten Fällen. Im Vorjahr haben wir hierzu noch empfohlen, die eigene CPU aufgrund des oft geringen Aufpreises nicht unnötig auszubremsen und lieber zu einem schnelleren Kit mit 6.000 Mt/s oder bis zu 7.200 Mt/s bei Intel-Systemen zu greifen.
In Anbetracht der hohen Preise erscheint es derzeit sinnvoll, den geringen Einfluss auf die Anwendungsleistung in die andere Richtung auszunutzen. Es macht in den wenigsten Fällen überhaupt einen spürbaren Unterschied, ob ein langsames oder ein schnelleres Speicherkit verwendet wird. Man kann also beruhigt zu langsamerem Arbeitsspeicher greifen, das gilt selbst in Kombination mit High-End-Prozessoren.
Eine Besonderheit sind AMDs X3D-Prozessoren. Hier ist der Einfluss des Arbeitsspeichers auf die Performance in Anwendungen und Spielen besonders gering, denn in den meisten Fällen wird ein Großteil der besonders zeitkritischen Zugriffe durch den 64 MByte großen 3D-V-Cache abgedeckt, der Arbeitsspeicher und dessen Geschwindigkeit spielen für diese Zugriffe überhaupt keine Rolle.
Weniger ist mehr
Gut zu wissen ist auch, dass die Kapazität und Anzahl der Speichermodule einen Einfluss auf die mögliche Taktfrequenz der Module haben. Die schnellsten Einstellungen sind nur möglich, wenn lediglich zwei Speicherriegel verwendet werden und sie auch nur einseitig bestückt sind (Single-Rank). Das bedeutet, dass maximal 48 GByte auf zwei 24-GByte-Speicherriegel verteilt sein sollten, wenn hohe Taktfrequenzen das Ziel sind.
Auch bei 64 oder 96 GByte ist es für den Prozessor einfacher, nur zwei Riegel ansteuern zu müssen. Der Betrieb mit vier Modulen ist für den integrierten Speichercontroller am anspruchsvollsten, auch die Qualität des Mainboards spielt hier aufgrund der benötigten Signalqualität die größte Rolle. Mehr als DDR5-6000 ist dabei oft nicht stabil möglich, der Kauf von besonders teuren Speicherkits mit hohen Geschwindigkeiten ist deshalb in diesem Fall auch nicht notwendig.
SSDs
PCI-Express 5.0 hat sich mittlerweile insofern durchgesetzt, als alle großen Hersteller mindestens eine High-End-SSD mit dem neuen Standard anbieten, selbst in teuren Notebooks sind sie mittlerweile zu finden. Der Geschwindigkeitsvorteil ist im Alltag gering, die Nachteile durch höhere Wärmeabgabe und die dadurch nötige Kühlung der SSDs gibt es hingegen weiterhin. Die aktuelle Generation in Form der Crucial T710 und Samsung P9100 hat in diesem Punkt jedoch messbare Fortschritte erzielt, was auch den Einsatz in Notebooks praktikabel macht.
Wer häufig große Datenmengen schreibt, sollte darauf achten, dass es sich um eine TLC-SSD (Triple-Level-Cell) handelt, denn die Schreibgeschwindigkeit von QLC-SSDs bricht je nach SLC-Cache-Größe bereits nach wenigen Gigabyte geschriebener Daten stark ein. Bis der Cache wieder frei ist, schreibt eine QLC-SSD teilweise sogar langsamer als eine HDD. TLC-SSDs sind hier wesentlich schneller und deshalb zu bevorzugen.
Wenn keine großen Datenmengen bewegt, sondern nur gelegentlich Programme oder Spiele installiert werden, kann eine QLC-SSD aber aufgrund der niedrigeren Kosten eine sinnvolle Wahl sein. Auf die Lesegeschwindigkeit hat das zusätzliche Bit pro Zelle keine Auswirkungen. Gerade für hohe Kapazitäten kann QLC eine gute Alternative sein, etwa bei einer großen Spielebibliothek.
Mit großen Datenmengen sind in diesem Fall regelmäßige Schreibvorgänge mit 150 GByte oder mehr innerhalb kurzer Zeit gemeint. Selbst die Installation eines großen Spiels wie GTA V oder des aktuellen Call of Duty Modern Warfare 7 ist auch für eine QLC-SSD kein Problem, für Video-Profis oder KI-Workloads sind QLD-SSDs hingegen weniger geeignet.
Mainboards
Die Wahl des Mainboards hängt unmittelbar mit dem verwendeten Prozessor zusammen. AM5-Mainboards sind für AMD-Prozessoren der aktuellen Zen4-Generation sowie Zen5 und auch der nächsten Generation geeignet. Die X670(E) und X870(E) und die jeweils darunter angesiedelten Serien unterscheiden sich technisch kaum, die verwendeten Chips sind identisch. Die Ausstattung ändert sich allerdings, auch beim Umfang der Bios-Funktionen bieten viele B850- und X870-Boards mehr als ihre Vorgänger.
Mainboards können trotzdem überwiegend nach den vorhandenen Anschlüssen ausgewählt werden, etwa nach der Anzahl der USB-Anschlüsse, gegebenenfalls Thunderbolt-Ports, Display-Anschlüsse und Netzwerk-Ports inklusive Wi-Fi und Bluetooth. Auch die Anzahl der PCI-Express-Steckplätze und M.2-Slots sollte auf die Bedürfnisse abgestimmt werden. Andere Kriterien wie Kühlung und Spannungsversorgung sind nur in Ausnahmefällen relevant. Selbst günstige Mainboards sind für alle auf der QVL-Liste befindlichen CPUs auch bei langer Dauerlast geeignet.
Nur bei Intel-Systemen ist eine Platine mit Z-Chipsatz, etwa Z890 für Core Ultra 200 oder Z790 für Core-i-14xx unbedingt notwendig, falls der Prozessor übertaktet werden soll. Sie bieten als einzige die nötigen Einstellungen, um die Taktfrequenz von dafür geeigneten CPUs mit K-Suffix zu verändern. Auch für Speicher-Tuning gibt es hier die meisten Möglichkeiten.
Abseits davon sind günstigere B760-Platinen ebenfalls vollkommen ausreichend, auf die Leistung der CPU bei Intel-Standardeinstellungen haben Mainboards keinen Einfluss. Auch übertaktbare Prozessoren sind hier uneingeschränkt lauffähig, lediglich übertaktet werden können sie auf diesen günstigen Boards nicht.
Bei AMD ist Übertakten auch mit günstigeren Mainboards möglich, X670(E) und X870(E) bieten auch dafür erst einmal keinen Vorteil, sie sind lediglich besser ausgestattet und bieten oft vorkonfigurierte Profile, etwa zum Übertakten von Arbeitsspeicher.
Für die allermeisten Anwendungsfälle empfehlen wir daher, etwas Geld zu sparen und ein Modell mit B650- oder B850-Chipsatz zu wählen. Hier gibt es schon für unter 200 Euro eine größere Auswahl. Das gesparte Geld kann in eine schnellere CPU oder Grafikkarte investiert werden. Auch ein besserer CPU-Kühler kann sinnvoll sein, ist aber nicht immer notwendig. Wir geben ein paar Tipps zur Kühlung.



