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CPC mit SymbOS: Multitasking im 8-Bit-Stil

Wir bringen unseren Schneider CPC mit einem Betriebssystem mit grafischer Oberfläche und viel Speicher im Golem retro_Spezial ins neue Jahrtausend.
/ Martin Wolf
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SymbOS läuft auf originaler Hardware, aber auch im Emulator. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
SymbOS läuft auf originaler Hardware, aber auch im Emulator. Martin Wolf / Golem.de

Der Amstrad CPC ist ein Heimcomputer aus den 1980er Jahren. In Deutschland von der Firma Schneider vertrieben, wurde er oft als Komplettpaket mit Rechner, Disketten- oder Kassettenlaufwerk und einem Bildschirm angeboten.

In unserem Podcast haben wir ihn als graue Maus beschrieben, weil er im Gegensatz zum weitaus erfolgreicheren C64 weder einen herausragenden Sound- noch Grafikchip besaß. Aber im Jahr 2024 kann der CPC mit einem modernen Betriebssystem aufwarten, das die anderen 8-Bit-Computer seiner Generation ziemlich alt aussehen lässt.

Bevor wir jedoch die bunte Multitasking-Welt betreten, rüsten wir unseren Colour Personal Computer ein wenig auf.

Die Basiskonfiguration aus dem Jahr 1985 hatte ein 3-Zoll-Diskettenlaufwerk, dessen Speichermedien im Gegensatz zu den weit verbreiteten 3,5-Zoll-Disks zunehmend schwer zu finden sind. Alternativ lässt sich auch heute noch ein Kassettenrekorder oder Walkman zur Datenübertragung einsetzen - wenn man viel Geduld hat.

Die auf den Kassetten gespeicherten Töne, die der Rechner einliest, könnten wir natürlich auch als unkomprimierte Sounddatei auf unserem Telefon abspielen und somit den Umweg über das Band vermeiden.

Auf dem C64 hat das bei einem Experiment vor ein paar Jahren halbwegs gut funktioniert. Doch für unser Ziel, den CPC ins Zeitalter der grafischen Benutzeroberflächen zu katapultieren, ist uns dieser langwierige und fehlerträchtige Prozess eindeutig zu mühsam.

Modernes Zubehör und Multitasking-OS für den Schneider CPC - Golem retro_
Modernes Zubehör und Multitasking-OS für den Schneider CPC - Golem retro_ (07:02)

Außerdem benötigen wir ständige Lese- und Schreibzugriffe, wie bei jedem modernen Betriebssystem. Schon das bei unserem CPC mitgelieferte alte CP/M aus den 80er Jahren möchte nicht von Kassette starten. Es sieht sehr nach DOS aus - und das ist kein Zufall. Es bildete die Grundlage des späteren Microsoft Disk Operating System für den IBM-PC.

Im Gegensatz zu einem PC hat unser schlanker Schneider jedoch keinen Platz für Erweiterungen im Gehäuse. Wir müssen uns mit dem nach hinten herausgeführten Erweiterungsanschluss begnügen. Da wir aber mehr als nur eine Steckkarte verwenden wollen, nutzen wir ein Multislot-Board(öffnet im neuen Fenster) , das Platz für vier Stück davon hat.

Wir rüsten den CPC zunächst mit einem M4-Modul auf. Das bringt unseren Datenträger einerseits auf immense 16 GByte statt der 360 KByte einer Diskette(öffnet im neuen Fenster) - wir haben jetzt ungefähr 40.000-mal so viel Speicherkapazität.

Eine andere Funktion der Karte ist nicht zwingend notwendig, aber dafür umso futuristischer: Sie verbindet unseren CPC mit dem Internet. Darüber können wir beispielsweise die Uhrzeit abrufen und später auch Dateien herunterladen, auf Telnet-Seiten surfen oder im IRC chatten.

Wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch den mageren RAM von standardmäßig 64 KByte erweitern. Das tun wir mit einem Z-Mem(öffnet im neuen Fenster) genannten Modul. Es hat 1.024 KByte an Bord und verfügt über Dip-Schalter, die es ermöglichen, die Menge an RAM zu begrenzen. Das könnte später wichtig werden, um bei einigen Programmen die Kompatibilität zu wahren. Wir hingegen wollen natürlich das ganze Megabyte.

Das letzte, Albireo(öffnet im neuen Fenster) genannte Modul hat ebenfalls noch Mikro-SD-Kartenleser an Bord, aber wir sind hier eher an der USB-Schnittstelle interessiert. Sie sorgt nämlich für die Anschlussmöglichkeit einer modernen Maus.

Unser neues Betriebssystem ist mit seinen vier Farben zu bunt, um es lediglich auf einem Grünmonitor zu benutzen, also schließen wir am Ende den Rechner mit einem selbstgebastelten Kabel an einen Farbbildschirm an.

Zeit für den ersten Bootvorgang.

SymbOS ist ein technisches Meisterwerk

Nach wenigen Sekunden meldet sich SymbOS, das Symbiosis Multitasking Based Operating System.

Die Oberfläche wirkt seltsam vertraut und dennoch fremd. Die üblichen, von modernen Systemen bekannten Paradigmen finden wir hier wieder. Mehrere Fenster lassen sich öffnen, verschieben und schließen.

Dabei aktualisiert sich der Inhalt der Fenster im Hintergrund weiterhin, während wir im Vordergrund andere Dinge tun. Das ist alles andere als selbstverständlich auf einem 40 Jahre alten 8-Bit-Computer. Noch erstaunlicher ist allerdings die Tatsache, dass das System von einem einzigen Entwickler erdacht und programmiert wurde.

Jörn Mika hat SymbOS seit den ersten Codezeilen im Jahr 2000 immer wieder erweitert und verbessert. Inzwischen beschränkt sich das System nicht mehr nur auf die CPC-Reihe an Heimcomputern.

Auch MSX(öffnet im neuen Fenster) und andere Z80-basierte Systeme können SymbOS benutzen. "Wenn man jetzt eine Anwendung dafür programmiert, dann läuft sie automatisch auch auf allen anderen Maschinen, [...] das ist plattformunabhängig und portierbar," sagt Jörn Mika im Interview mit Golem.de

Technisch ließe sich SymbOS gar nicht auf einem C64 oder Atari umsetzen: Die Voraussetzungen für die schnelle Bitmap-Grafik haben nicht alle alten Rechnerarchitekturen. Außerdem kann die CPU des C64 auch nicht direkt auf mehr als 64 KByte RAM zugreifen, was für Multitasking mit größeren Programmen nötig ist.

Auf unserem CPC läuft das Schreibprogramm in schönstem Einklang parallel mit dem Dateibrowser, während wir im Vordergrund die Netzwerkverbindung einrichten. Sogar das Mausrad funktioniert.

Wenn wir ein wenig Ablenkung brauchen, können wir ein Spiel spielen oder Musik hören. Für mp3 und Stereosound bräuchten wir allerdings im freien Slot unseres Boards noch eine extra Soundkarte(öffnet im neuen Fenster) . Wir zocken also lieber erstmal Doom. Das geht in der sehr abgespeckten Texas-Instruments-Taschenrechner-Version(öffnet im neuen Fenster) .

Im Hintergrund werkeln wie bei Windows etliche Prozesse und wie bei Linux auch Daemons(öffnet im neuen Fenster) , die sich unabhängig von den laufenden Programmen um Dinge wie Netzwerk, Drucker und andere Dienste kümmern.

Theoretisch hätten wir das System jedoch auch ohne all unsere modernen Annehmlichkeiten zum Laufen bringen können. In seiner Diskettenversion umfasst SymbOS nur knapp 180 KByte. Eine Installationsanleitung bietet das umfangreiche Handbuch .

Wer Lust hat, selbst Software zu schreiben, kann auf die Entwicklungsumgebung Quigs(öffnet im neuen Fenster) zurückgreifen, die Code- und Formularbearbeitung, Grafik-/Videoimport und einen Sprachcompiler bietet.

Modernes Zubehör und Multitasking-OS für den Schneider CPC - Golem retro_
Modernes Zubehör und Multitasking-OS für den Schneider CPC - Golem retro_ (07:02)

Am besten macht sich das aber natürlich nicht auf der originalen Hardware, sondern in einem Emulator. Empfehlenswert ist ACE-DL(öffnet im neuen Fenster) , den es für Windows, MacOS und sogar MorphOS gibt. Selbst online lässt sich SymbOS - für MSX - ausprobieren(öffnet im neuen Fenster) , ohne wie in unserem Szenario einen eigenen Heimcomputer aufzurüsten.

Aber mehr Spaß macht es natürlich, auf der alten Hardware die moderne Software zu sehen und zu erleben, was in den 1980er Jahren möglich gewesen wäre und den bescheidenen CPC damals sicherlich im Rennen der 8-Bitter auf den ersten Platz katapultiert hätte.

Übersicht der vergangenen Staffeln von Golem retro_

In unserer Serie Golem retro_ nehmen wir Spieleklassiker ernst: Wir beleuchten im Video einflussreiche, wichtige oder immer noch sehr gute Spiele und die dafür nötige Hardware.

Die Nähe zu gigantischen Pixeln und quiekigen Midi-Klängen ist uns dabei genauso wichtig wie eine Auseinandersetzung mit den Spielmechaniken.

Wie immer wollen wir auf Wünsche aus der Community eingehen und die Spielepixel zeigen, die unsere Leser am liebsten sehen würden. Dafür bitten wir um reichlich Feedback in den Kommentaren, in denen auch ausdrücklich Spielevorschläge erwünscht sind.

Natürlich lesen wir auch gerne Erlebnisse, die unseren Lesern mit dem jeweils besprochenen Titel in Erinnerung geblieben sind.

Übersicht von Golem retro_ Staffel 10 (2023)

Folge 1: Doom (1993): Nicht irgendein Shooter, sondern der Shooter

Folge 2: Mega Man 2 (1988): Mega Man rockt

Folge 3: Super Mario 64 (1996): Als Mario die dritte Dimension eroberte

Folge 4: Commodore 64 (1982): Die Väter des C64

Übersicht von Golem retro_ Staffel 9 (2022)

Folge 1: Star Trek Voyager Elite Force (2000): Widerstand ist Zwecklos

Folge 2: Mass Effect (2007): Epische Schlachten und Sex mit Aliens

Folge 3: ATARI VCS (1977): Das Video Computer System

Übersicht von Golem retro_ Staffel 8 (2021)

Folge 1: Resident Evil (1996): Grauenhaft gut

Folge 2: Half Life (1998): Lange Halbwertszeit

Folge 3: Battlefield 1942 (2002): Flugzeuge, Chaos, Battlefield-Momente

Folge 4: Nintendo Gamecube (2001): Der gefloppte Würfel

Übersicht von Golem retro_ Staffel 7 (2020)

Folge 1: Turrican II (1991): Die letzte Schlacht

Folge 2: Knights of the Old Republic (2003): Auf zu neuen Horizonten

Folge 3: Mafia (2002): Don Salieri lässt grüßen

Folge 4: Sega Mega Drive (1990): Der 16-Bit-Krieg ist eröffnet

Übersicht von Golem retro_ Staffel 6 (2019)

Folge 1: Party like it's 1999: Die 510 letzten Tage von Sega

Folge 2 Spezial: Minikonsolen im Vergleichstest: Die sieben sinnlosen Zwerge

Folge 3: Silent Hill (1999): Horror in den stillen Hügeln

Folge 4: Halo (2001): Der Master Chief mit der Frau im Kopf

Folge 5: TES 3 Morrowind (2002): Im Auftrag des Kaisers nach Vvardenfell

Übersicht von Golem retro_ Staffel 5 (2018)

Folge 1 Spezial: Analogue Super Nt im Test

Folge 2: Need for Speed 3: Hot Pursuit (1998)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3 Spezial: Playstation Classic im Vergleichstest(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: Command & Conquer (1995)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5 Spezial: Commodore CDTV (1991)(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 4 (2017)

Folge 1: The Legend of Zelda (1986 und 1995)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2 Spezial: SNES Classic Mini im Vergleichstest(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Blade Runner (1997)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: King's Field 1 (1994)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5: Age of Empires (1997)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 6 Spezial: xRGB Mini alias Framemeister(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 3 (2016)

Folge 1 Spezial: NES Classic Mini im Vergleichstest(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2: Quake (1996)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Super Mario Bros. (1985)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: Syndicate (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5: (Jack) Alone in the Dark (1992)(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 2 (2015)

Folge 1: Super Metroid (1994)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2: Anno 1602 (1998)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Star Wars Jedi Knight (1997)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: The Secret of Monkey Island (1990)(öffnet im neuen Fenster)

Übersicht von Golem retro_ Staffel 1 (2014)

Folge 1: Star Wars: X-Wing (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 2: Sid Meier's Colonization (1994)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 3: Ultima Underworld (1992)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 4: Rock n' Roll Racing (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 5: Day of the Tentacle (1993)(öffnet im neuen Fenster)

Folge 6: Speedball 2 Brutal Deluxe (1990)(öffnet im neuen Fenster)


Relevante Themen