Auch GPS, Mobilfunk oder WLAN könnten Contact Tracing

Grundsätzlich kämen neben Bluetooth auch GPS, Ultra-Wideband (UWB), Mobilfunk, WLAN oder eine Audio-Übertragung in Frage, sagte Classen. Doch GPS funktioniere nur draußen, während sich die meisten Menschen in Räumen infizierten. Mit Mobilfunk könnten zwar in etwa die Wege und Aufenthaltsorte von Personen herausgefunden werden, allerdings viel zu ungenau für ein Contact Tracing. Ultra-Wideband (UWB) hingegen sei grundsätzlich geeignet, aber noch in zu wenigen Geräten verbaut.

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Auch WLAN komme nicht wirklich für ein Contact Tracing in Frage: Zwar könnten die meisten Smartphones Access Points aufspannen, deren Signalstärke gemessen werden könne. Das verbrauche allerdings viel Strom, das Smartphone könne nicht zur gleichen Zeit in einen Hotspot eingebucht sein und obendrein würden die die derzeitigen WLAN-Schnittstellen keine genaue Abstandsmessung unterstützen, erklärte Classen. Auch wenn es einzelne herstellerspezifische Erweiterungen gebe, die Letzteres könnten - der Großteil der Geräte könne dies nicht.

Am besten funktioniert eine Distanzmessung laut Classen über Audio, sprich die Geräte senden Töne aus, die andere Geräte aufnehmen. Das funktioniere ohne eine Firmwaremodifikation, betonte Classen. Dafür brauche die Corona-Tracing-App jedoch permanent Zugriff auf das Mikrofon. "Du hast dann eine staatliche App in der Tasche, die kontinuierlich alles aufnimmt", gab Classen zu bedenken. Allein deshalb scheide diese Option aus. Obendrein verbrauche sie viel Energie.

Im Moment gibt es keine Alternativen zu Bluetooth

Letztlich bleibe also Bluetooth als beste Option übrig, welches sich mit dem WLAN das 2,4-GHz-Band teilt. Das habe den Nachteil, dass die Signale durch Wasser gestört würden - und Menschen bestünden zu 60 Prozent aus Wasser, betonte Classen. Zudem sei die Signalstärke abhängig vom Smartphonemodell. In einer neueren API-Version von Apples und Googles Exposure Notification Framework (ENF) werde die Signalstärke jedoch mit gesendet.

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Ganz löse das die Probleme zwar noch nicht, verbessere jedoch die Situation, erklärt Classen. Zwar könne die Genauigkeit des Signals noch mit anderen Techniken wie etwa dem Beschleunigungssensor erhöht werden, alle Verbesserungen würden nach Darstellung von Classen jedoch auf Kosten des Akkus, der Privatsphäre und der Sicherheit gehen.

Aber braucht Bluetooth nicht auch unglaublich viel Energie? Verwendet werde Bluetooth Low Energy (BLE), das tatsächlich sehr wenig Energie benötige. Eine Knopfzelle könne ein BLE-Gerät ein Jahr betreiben, erklärte Classen. Zudem würden häufig WLAN und Bluetooth über einen Chip realisiert, bei aktivem WLAN mache ein aktiviertes Bluetooth also keinen Unterschied.

Zusammengefasst sei Bluetooth Low Energy zwar alles andere als perfekt, sagte Classen, aber das beste Protokoll, das wir in allen Smartphones hätten und das funktioniere.

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