Conversnitch: Die twitternde Abhörlampe

Conversnitch ist eine kleine Lampe, die unauffällig Gesprächsfetzen aus ihrer Umgebung mitschneidet, online eine Spracherkennung durchführt und den Text auf Twitter postet. Die Kunstaktion soll das Bewusstsein für die alltägliche Überwachung wecken.

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Conversnitch
Conversnitch (Bild: Kyle McDonald/Screenhot: Golem.de)

Die Aktivisten Brian House und Kyle McDonald wollen mit der Abhörlampe Conversnitch zeigen, mit welch einfachen Mitteln es möglich ist, Gespräche zu überwachen und automatisch auszuwerten. Conversnitch soll rund 100 US-Dollar kosten und besteht aus einem Raspberry Pi, einem Mikrofon, dem LED-Lichtmodul sowie einem Gehäuse, das aus einem Plastikblumentopf gebaut wurde.

Das Überwachungsinstrument wird wie eine gewöhnliche Lampe in eine Fassung gedreht und bezieht davon auch seinen Strom. Theoretisch kann das Gerät kontinuierlich betrieben werden und dürfte vor allem in der Öffentlichkeit kaum Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Der Audiomitschnitt wird über WLAN zu Amazons S3-Dienst hochgeladen, wobei immer 10-Sekunden-Abschnitte erfasst werden. Die Abhörlampe sucht selbstständig nach offenen WLANs in ihrer Umgebung und nutzt sie. Zum Transkribieren der Texte wird Amazons Mechanical Turk genutzt. Bei diesem Dienst arbeiten menschliche Helfer in aller Welt die ihnen gestellten Aufgaben zu mehr oder minder niedrigen Preisen ab. Die zuvor anonymisierten Mitschriften werden danach automatisch über Twitter veröffentlicht. Nach einem Bericht von Wired haben die beiden Aktivisten jedoch einige Tweets löschen müssen, weil der Verdacht bestand, dass sich die Turk-Mitarbeiter einige Texte ausgedacht haben.

Im projektbegleitenden Video wird unter anderem gezeigt, wie die Lampe in einem McDonald's-Schnellrestaurant, in einer öffentlichen Bibliothek oder einer Lampe in einem Park installiert wird. Ob das gestellte Aufnahmen sind, lässt sich schwer feststellen.

Auf Github haben die beiden den Code für ihr Projekt unter der MIT-Lizenz veröffentlicht. Baupläne für die Lampe selbst liegen aber nicht bei.

McDonald hatte mit einer ähnlichen Aktion schon viel Aufmerksamkeit erregt. 2011 installierte er auf einigen Rechnern in Apple Stores ein Programm, das automatisch Bilder von Kunden mit der in den Notebooks eingebauten Webcam machte und auf seinen Server kopierte. Dafür bekam er sogar Besuch vom Secret Service.

Die Aktivsten wollen mit der Überwachungslampe, deren Einsatz nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland illegal ist, auf die Bedrohung unserer Privatsphäre durch Geheimdienste aufmerksam machen.

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