Cosmic Kiss: Das "Versuchskaninchen" Matthias Maurer fliegt zur ISS

Matthias Maurer soll am 31. Oktober zur ISS fliegen. Er wird dort mit Metallen experimentieren und ja, es wird auch Blut fließen, erzählt er Golem.de.

Artikel von Patrick Klapetz veröffentlicht am
Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer in seinem Weltraumanzug
Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer in seinem Weltraumanzug (Bild: Esa, Nasa)

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX wird am frühen Morgen des 31. Oktober vier Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS schicken. Eines der Besatzungsmitglieder der Crew-3-Mission ist der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer. Für ihn gehe damit ein Traum in Erfüllung und er hoffe auf eine weitere Reise, sagt er Golem.de vor seinem Start.

Stellenmarkt
  1. Solution Designer - Identity und Access-Management (IAM) (m/w/d)
    Stadtwerke München GmbH, München
  2. Backend Developer (m/w/d) - Cloud & GOlang
    Goldbeck GmbH, Bielefeld, Leipzig, Plauen
Detailsuche

Das Crew-Dragon-Raumschiff soll von der berühmten Launchplattform 39A am Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus in den Weltraum abheben. Von hier sind bereits die Apollo-Astronauten ins All aufgebrochen. Die Crew 3 wird mitten in der Nacht starten. Nur die Beleuchtung der Startrampe und der Schweif der aufsteigenden Falcon-9-Rakete sollen um 2.21 Uhr Ortszeit die Nacht erhellen. In Deutschland ist es dann 7.21 Uhr (MEZ).

Nicht nur ein bisschen Versuchskaninchen, sondern ganz viel

Während seiner sechsmonatigen Mission unter dem Namen Cosmic Kiss soll Maurer an bis zu 150 Experimenten arbeiten. Einige befänden sich bereits jetzt auf der ISS und die Besatzung der Raumstation forsche schon an ihnen, sagt er. Andere sollen mit der Crew 3 auf die ISS gelangen. Der Materialforscher berichtet über einen seiner Arbeitsschwerpunkte: "Wir erschmelzen neue Metalle im Weltall." Diese könne man dann für die Herstellung neuer Automotoren oder Flugzeugmotoren verwenden.

Was Maurer dort oben vor allem sein wird: Versuchskaninchen. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern sogar "sehr viel. Im Weltraum fließt recht viel Blut", nimmt er an. Neben Blut muss er auch Urin-, Speichel- und Stuhlproben abgeben. Damit sollen die Auswirkungen des Aufenthalts im Weltall auf den menschlichen Körper untersucht werden: "Meine Muskeln, meine Knochen werden abgebaut, meine Augen werden schlechter, mein Immunsystem wird schwächer."

  • Die SpaceX-Crew-3-Astronauten (v.l.): Matthias Maurer, Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron während des Trainings vor dem Flug in der SpaceX-Zentrale in Hawthorne, Kalifornien (Bild: SpaceX)
  • Der ESA-Astronaut Matthias Maurer zeigt sich in einem NASA-Raumanzug (Extravehicular Mobility Unit, kurz EMU). (Bild: ESA, NASA).
  • Ebenso hier, nur mit aufgesetztem Helm (Bild: NASA, ESA).
  • Das Crew-Dragon-Raumschiff beim Anflug auf die Internationale Raumstation ISS (Bild: NASA).
Die SpaceX-Crew-3-Astronauten (v.l.): Matthias Maurer, Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron während des Trainings vor dem Flug in der SpaceX-Zentrale in Hawthorne, Kalifornien (Bild: SpaceX)
Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    17.–18. Januar 2022, Virtuell
  2. SAMBA Datei- und Domänendienste einrichten: virtueller Drei-Tage-Workshop
    7.–9. März 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Das Versuchskaninchen nimmt es sportlich und findet das eher spannend als bedrohlich. Mit einem Fitnessprogramm und einer kontrollierten Ernährung wolle man schauen, ob es vielleicht vorbeugende Maßnahmen gegen den - zumindest auf der Erde schleichenden - Verfall gibt. Die auf der Raumstation gesammelten Daten sollen beispielsweise zur Erforschung neuer Medikamente dienen, die "hoffentlich dann den älteren Menschen auf unserem Planeten" helfen können. Dem 51-Jährigen ist wichtig, dass die Experimente im All einen Mehrwert für alle haben: "Wir machen nicht nur Raumfahrt wegen der Inspiration, wir machen Raumfahrt auch für die Menschen auf dem Boden."

Kein Kindheitstraum, aber ein langer Weg

Bereits vor rund dreieinhalb Jahren hatte Maurer uns im Interview verraten, dass der Wunsch, ins All zu fliegen, kein Kindheitstraum war: "Also ich denke, in meinem Fall war es weniger ein Kindheitstraum, Astronaut zu werden, sondern ein Traum des erwachsenen Matthias." 2008 habe er im Fernsehen gesehen, dass die europäische Raumfahrtbehörde Esa nach neuen Astronauten suchte - damals hatte sie noch nicht explizit Frauen angesprochen, sich zu bewerben, was sich bei der letzten Bewerbungsphase Anfang 2021 geändert hat.

Für den gebürtigen Saarländer war damals vor dem Fernseher "klar, das ist alles, was mich anspricht", erzählte er. Es sei sowohl ein Job für Ingenieure als auch für Wissenschaftler, es beinhalte Arbeit in internationalen Teams - und es sei ein großes Abenteuer. "Und das ist genau die optimale Mischung, die es nur als Astronaut gibt." Zwischen diesem Wunsch und der tatsächlichen Reise ins All vergingen 13 Jahre.

LEGO Ideas 21321 - Internationale Raumstation (864 Teile)

Die ISS soll nicht das Ende sein

Cosmic Kiss soll für Maurer aber nur der Anfang sein. "Wir sind jetzt gerade am Beginn einer ganz, ganz spannenden Zeit. Der Weltraum verändert sich dramatisch", erzählt er Golem.de kurz vor dem Start. Eine zweite Mission könnte ihn sogar zum Erdtrabanten führen.

Nächstes Jahr soll die erste Artemis-Mondmission starten, diesmal noch unbemannt. Bis 2024 will man den nächsten Mann und die erste Frau auf der Mondoberfläche landen lassen. Vorher soll aber noch eine Raumstation errichtet werden, die den Mond umkreist. "Mit ein bisschen Glück werde ich die Gelegenheit haben, Ende dieser 20er Jahre von dem Lunar Gateway aus auf dem Mond zu landen", ist Maurer optimistisch.

Auch eine Station auf der Mondoberfläche könnte später noch entstehen. Doch damit dies gelingt, ist laut Maurer Folgendes nötig: "Wir brauchen die Integration zwischen den Wissenschaftlern, den Ingenieuren, den Astronauten, den Geologen. Aber auch zwischen den Firmen, die uns diese Sachen herstellen und dann hoffentlich aus diesen Produkten auch nützliche Dinge für die Menschen auf der Erde schaffen."

Zunächst einmal geht es für den deutschen Raumfahrer aber zur ISS, wo auf ihn eine besondere Premiere wartet. Er soll der erste Europäer sein, der einen "russischen" Weltraumspaziergang von der ISS aus durchführen soll - Thomas Reiter hatte dies zwar bereits vor dem Saarländer gemacht, jedoch nicht von der ISS, sondern von der damaligen russischen Raumstation Mir aus. Auf der ISS hatte Reiter seinen Einsatz vom amerikanischen Modul aus getätigt.

Den Launch online mitverfolgen

Den Raketenstart kann man im Livestream mitverfolgen. Neben der Übertragung der Nasa werden auch deutschsprachige Streams angeboten: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will mit der Liveübertragung auf seinem Youtube-Kanal bereits ab 6 Uhr morgens (MEZ) beginnen.

Die Stiftung Planetarium Berlin plant eine Veranstaltung vor Ort, bei der unter anderem Thomas Reiter zu Gast sein wird. Die Veranstaltung soll ebenfalls auf Youtube übertragen werden. Los geht es hier um 6.15 Uhr. Der eigentliche Start ist für 7.21 Uhr geplant - vorher aber nicht vergessen, die Uhr umzustellen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Feldversuch E-Mobility-Chaussee
So schnell bringen E-Autos das Stromnetz ans Limit

Das Laden von Elektroautos stellt Netzbetreiber auf dem Land vor besondere Herausforderungen. Ein Pilotprojekt hat verschiedene Lösungen getestet.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

Feldversuch E-Mobility-Chaussee: So schnell bringen E-Autos das Stromnetz ans Limit
Artikel
  1. Encrochat-Hack: Damit würde man keinen Geschwindigkeitsverstoß verurteilen
    Encrochat-Hack
    "Damit würde man keinen Geschwindigkeitsverstoß verurteilen"

    Der Anwalt Johannes Eisenberg hat sich die Daten aus dem Encrochat-Hack genauer angesehen und viel Merkwürdiges entdeckt.
    Ein Interview von Moritz Tremmel

  2. Geforce Now (RTX 3080) im Test: 1440p120 mit Raytracing aus der Cloud
    Geforce Now (RTX 3080) im Test
    1440p120 mit Raytracing aus der Cloud

    Höhere Auflösung, mehr Bilder pro Sekunde, kürzere Latenzen: Geforce Now mit virtueller Geforce RTX 3080 ist Cloud-Gaming par excellence.
    Ein Test von Marc Sauter

  3. SpaceX: Starlink testet Satelliteninternet in Flugzeugen
    SpaceX
    Starlink testet Satelliteninternet in Flugzeugen

    Bald dürften mehrere Flugesellschaften Starlink-Service anbieten. Laut einem Manager soll es so schnell wie möglich gehen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Gaming-Monitore zu Bestpreisen (u. a. Samsung G9 49" 32:9 Curved QLED 240Hz 1.149€) • Spiele günstiger: PC, PS5, Xbox, Switch • Zurück in die Zukunft Trilogie 4K 31,97€ • be quiet 750W-PC-Netzteil 87,90€ • Cambridge Audio Melomonia Touch 89,95€ • Gaming-Stühle zu Bestpreisen [Werbung]
    •  /