Cortana ausprobiert: Microsofts Sprachassistent kann auch Android

Microsofts Sprachassistent Cortana ist in einer inoffiziellen Beta-Version für Android verfügbar. Wie unter anderem Android Police(öffnet im neuen Fenster) berichtet, ist die App als APK-Datei im Internet herunterladbar. Offiziell wird Cortana für Android noch nicht angeboten, in den USA läuft aktuell allerdings ein Betatestprogramm.








Offenbar ist über dieses Programm die App geleakt, die verfügbare Version ist ausschließlich auf Englisch nutzbar. Dass Cortana für Android kommt, ist bereits länger bekannt: Im Mai 2015 gab Microsoft offiziell bekannt, dass der Sprachassistent Cortana auch in einer Version für Android und iOS erscheinen soll. Golem.de hat die App problemlos und stabil auf einem Huawei P8 installiert und mit der Windows-10-Version verglichen.
Design wie bei Windows-Smartphone-Version
Wer Cortana bereits auf einem Windows-Smartphone nutzt, wird von der Benutzeroberfläche der Android-Version nicht überrascht: Bis auf die Status- und Navigationszeile Androids sieht der Startbildschirm der App identisch aus. Im unteren Bereich befindet sich die Eingabezeile mit dem Spracheingabe-Knopf, ansonsten werden uns aktuelle Termine des Tages und Nachrichten angezeigt.
Da die Android-Version von Cortana auf die USA lokalisiert ist, finden wir unter den Top-Stories US-zentrierte Nachrichten, während die Version für Windows 10 auf unserem Lumia 1020 Nachrichten für Deutschland anzeigt. Allerdings erkennt die Android-Variante von Cortana, dass wir uns in Berlin befinden und bietet uns lokalisierte Nachrichten an.
Diese Lokalisierung hat aktuell noch ihre Grenzen, wie wir unter anderem dann merken, wenn wir bei den Berlin-Nachrichten auf "See all" drücken. Dann wird eine Bing-Suche nach dem Stichwort "Local News" gestartet, die lediglich in den Hinweis mündet, dass dies aktuell auf unserem Gerät noch nicht möglich ist.
Synchronisierung funktioniert tadellos
Ansonsten funktioniert die Synchronisierung der Themen, an denen wir interessiert sind, sehr gut: Nachdem wir uns in der App mit unserem Microsoft-Konto angemeldet haben, werden unsere Lieblingsthemen automatisch übernommen. Das funktioniert genauso gut wie in der Windows-Version von Cortana.








Auch andere Synchronisierungsoptionen klappen problemlos: Setzen wir beispielsweise unter Android eine Erinnerung, dass wir am nächsten Morgen um 8 Uhr Kaffee kochen sollen, erscheint diese auch bei Cortana auf unserem Lumia 1020 und auf unserem Windows-10-Tablet.
Dabei kann die Android-Version von Cortana offenbar tiefer in das Android-System eingreifen als vermutet: Die Bitte, dass wir zu einer bestimmten Uhrzeit geweckt werden wollen, setzt einen Alarm in Androids eigenem Wecker. Bei anderen Funktionen hingegen merken wir, dass hier noch Zugriffe auf das System fehlen. Wollen wir etwa in der Tagesübersicht den Kalender öffnen, passiert nichts.
Auch bei den Erinnerungen sind der Android-Version von Cortana Grenzen gesetzt: Die Bitte, beim nächsten Gespräch mit einem bestimmten Kontakt an etwas erinnert zu werden, versteht die Android-Cortana nicht.
Gute Spracherkennung mit kontextbasierten Nachfragen
Generell ist die Spracherkennung bei Cortana unter Android aber genauso gut wie bei unserem Windows-10-Smartphone, wobei der Nutzer bei der geleakten US-Version der Android-Version natürlich alle Eingaben auf Englisch vornehmen muss. Bei Navigationen zu deutschsprachigen Orten bringt das Probleme, allerdings kann der Nutzer dann auf die Eingabe per Tastatur ausweichen.
Erfreulicherweise funktionieren auch unter Android die kontextbasierten Nachfragen: Gestehen wir Cortana unter Android etwa, dass wir Lust auf Pizza haben, werden uns zehn Pizzerien in der Umgebung angezeigt. Fragen wir dann nach der nächstgelegenen, erkennt Cortana den Zusammenhang und zeigt uns das entsprechende Restaurant an.
Frageschema stellenweise inkonsistent
Allerdings scheint die Spracherkennung nicht so konsistent zu sein wie unter Windows: Fragen wir mit "I want to eat pizza" nach Pizzerien, bekommen wir diese wie erwartet angezeigt. Sagen wir allerdings "I want to eat sushi" , erhalten wir keine Antwort. In der deutschsprachigen Cortana-Version auf unserem Lumia geht das hingegen problemlos. Wir erhalten allerdings auch auf Android Sushi-Restaurant-Empfehlungen, wenn wir mit "Show me sushi restaurants near me" etwas direkter danach fragen.
Notizbuch ist auch unter Android Cortanas Wissensspeicher
Wie bei der Windows-Version von Cortana greift Cortana für Android auf das Notizbuch zurück, in dem die Vorlieben und Interessen des Nutzers gespeichert werden. Wer bisher nur die deutsche Version von Cortana kennt, wird über die deutlich umfangreicheren Einstellungsmöglichkeiten der englischen Version auf Android überrascht sein - diese sind allerdings kein spezifisches Merkmal der Android-Version des Assistenten, sondern der US-Version.








So können wir etwa einstellen, bei Events benachrichtigt zu werden: Hier lassen sich auch einzelne Kategorien bestimmen, die den Nutzer interessieren. Auch können wir uns spezifische Musik-Infos zukommen lassen, ebenso wie Sport- oder Reiseinformationen.
Fehlende Systemzugriffe bringen Einschränkungen
Was hingegen in der Android-Version nicht funktioniert, sind die Musiksuche und die Ruhezeiten, in denen Cortana verhindert, dass Anrufe und SMS durchgestellt werden. Offenbar setzen diese Funktionen zu starke Eingriffe in das System voraus, die Cortana unter Android einfach nicht hat - schließlich ist es hier nichts weiter als eine normale App.
Dass Systemzugriffe fehlen, merkt der Nutzer auch an anderen Einstellungsmöglichkeiten: Können wir auf dem Lumia beispielsweise einstellen, dass Cortana unsere E-Mails nach Fluginformationen durchsuchen und SMS vorlesen darf, fehlen diese Optionen in der Android-Version komplett. Dementsprechend dürften auch Informationen zu verschickten Paketen nicht angezeigt werden, da Cortana diese Informationen auch aus E-Mails bezieht. Microsoft hat im Mai bereits angedeutet, dass es eine derart tiefe Systemintegration wie unter Windows 10 bei Android und iOS nicht geben wird.
Fazit
Die erste geleakte Beta-Version von Cortana für Android macht Lust auf mehr: Vom Funktionsumfang kommt die Android-Ausgabe des Sprachassistenten nahe an das Original für Windows heran. Die Spracherkennung ist ebenbürtig, Cortana reagiert zudem genauso clever wie im Original.
An bestimmten Stellen merkt man aber, dass Cortana auf einer Systemverzahnung basiert, die das Programm unter Android wahrscheinlich nie bekommen wird. Wer etwa viel fliegt und entsprechende Informationen angezeigt bekommen möchte oder seine Pakete mit Cortana verfolgen will, dürfte leer ausgehen. Hier muss der Nutzer dann wieder auf Google Now zugreifen, vorausgesetzt, seine E-Mail-Kommunikation läuft über sein Google-Konto.
Für die Suche nach Restaurants oder anderen Orten in der Umgebung sowie das Setzen von Erinnerungen finden wir Cortana aber sehr praktisch - auch wenn kontaktbasierte Erinnerungen nicht funktionieren. Das kontextbasierte Nachfragen funktioniert auch unter Android gut.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit Microsoft seine Android-Version von Cortana noch bis zum eigentlichen Erscheinungstermin verbessert. Bereits die geleakte Beta-Version zeigt aber, dass in der App durchaus Potenzial steckt. Wie gut die Umsetzung auf Deutsch sein wird, bleibt abzuwarten.



