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Der Mensch rückt der Natur zu nahe

Mitte März verbreitete sich mit einem Tweet die Nachricht, dass das Wasser im italienischen Venedig durch die ausbleibenden Touristenströme so sauber sei, dass Schwäne, Fische und sogar Delfine, so twitterte ein weiterer Nutzer, zurückgekehrt seien. Das stellte sich als Falschinformation heraus. Die Bilder stammen von anderen Orten, an denen die Tiere öfter gesichtet werden. Dazu kommt: Die Wasserstraßen Venedigs scheinen vor allem deshalb klarer, weil weniger Bootsverkehr auf den Kanälen bedeutet, dass die Sedimente am Boden bleiben und nicht aufgewirbelt werden. Ob sich die Wasserqualität tatsächlich verbessert hat - was durchaus nicht ausgeschlossen ist -, müssen Untersuchungen erst noch zeigen.

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Auf diese Ergebnisse will der Mensch oft nicht warten. Aktuell finden sich immer wieder Stimmen im Internet, die das Virus als Strafe dafür ansehen, wie schlecht wir unser Ökosystem und die Natur behandeln. Mutter Natur habe uns das Virus zugeworfen, um uns auf noch Schlimmeres vorzubereiten - nämlich auf die Extremereignisse des Klimawandels.

Aber auch Experten sagen, es sei kein Zufall, dass das Virus gerade jetzt ausbricht, und noch weniger, dass es sich so schnell verbreiten kann. "Wir schauen zu wenig auf die Tatsache, dass ein falsches Mensch-Natur-Verhältnis viele unserer Probleme befeuert, meist sogar verursacht", sagt Johannes Vogel, Direktor des Berliner Naturkundemuseums und Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin. "Nicht nur Viren breiten sich aus. Ganze Länder werden überflutet, Wälder brennen, Gletscher schmelzen, Ozeane erwärmen sich und Insekten sterben. Die großen Herausforderungen - der Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt und eben das Aufkommen ganz neuer Erreger, die den Menschen letztlich wieder bedrohen - hängen alle zusammen."

  • Vergleich der Stickoxidemissionen über Frankreich, Belgien und Westdeutschland  zwischen März 2019 und März 2020 (Bild: Esa)
  • Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Italien zu beobachten. (Bild: Esa)
  • China wurde früher von den Pandemie heimgesucht, wie diese Satellitenbilder zeigen. (Bild: Nasa)
  • Ein Vergleich der Emissionen in der Region um Wuhan zwischen 2019 und 2020 (Bild: Nasa)
Vergleich der Stickoxidemissionen über Frankreich, Belgien und Westdeutschland zwischen März 2019 und März 2020 (Bild: Esa)

Ende 2019 meldete China der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Häufung von Lungenentzündungen unklarer Ursache aus Wuhan. Eine Woche später identifizierten Forscher ein neuartiges Virus als Ursache: Sie nannten es 2019-nCov. Es gehört zur Gruppe der Coronaviren. Mittlerweile ist es als Sars-CoV-2 bekannt (CoV steht für Coronavirus, Sars für eine Atemwegserkrankung, die durch einen ähnlichen Erreger ausgelöst wird).

Sars-CoV-2 könnte sich von einem Lebensmittelmarkt in Wuhan aus verbreitet haben. Dort wurden auch exotische Tiere wie Reptilien verkauft. Die Lungenkrankheit, die das neue Virus auslösen kann, wird mittlerweile als Covid-19 (englisch für Coronavirus disease, Coronaviruskrankheit) bezeichnet. Die Erkrankung ist eine sogenannte Zoonose - eine Seuche durch einen Erreger aus dem Tierreich. Teile des Virenerbguts von Sars-CoV-2 gleichen Erregern, die Fledermäuse befallen. Das neue Virus könnte über einen noch unbekannten Zwischenwirt auf Menschen übertragen worden sein.

Wir nehmen der Natur immer mehr weg. Ressourcen wie Öl, Kohle, Kupfer oder Zinn, die sie über Jahrmillionen aufgebaut hat, beuten wir aus. Der Mensch brennt Wälder ab, um sie zu Agrarflächen zu machen, er überfischt die Meere und dringt immer tiefer in den Dschungel ein. Es stimmt, ein zu enger Kontakt zwischen Mensch und Tier steht oft am Anfang von Epidemien, ob bei der Spanischen Grippe oder beim Buschfleisch, das Ebola-Ausbrüche triggerte.

Rund 60 Prozent aller Krankheiten, die Menschen haben können, stammen ursprünglich vom Tier (Nature: Jones et al., 2008). Auch beim aktuellen Ausbruch steht am Anfang ein Wildtiermarkt in Wuhan, ein sogenannter wet market, auf dem etwa Schildkröten, Salamander, Krokodile, Skorpione, Ratten, Füchse, lebendige Wolfsjunge und Zibetkatzen, eine Art von Schleichkatzen, verkauft wurden.

Noch immer ist unklar, ob sich das Virus nur von diesem Markt aus verbreitete. Es scheint aber immer mehr darauf hinzudeuten, dass das Virus dort von illegal nach China geschmuggelten Schuppentieren auf den Menschen übersprang. In den Malaiischen Pangolinen, die auf dem Markt verkauft werden, entdeckten Forscher Coronaviren, die nachweislich eng mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 verwandt sind.

Die Forscher schreiben in der am 26. März 2020 in der Fachzeitung Nature erschienenen Studie (Lam et al., 2020), dass der Grad der Ähnlichkeit zwar nicht ausreiche, um zu belegen, dass die Pangoline die Zwischenwirte waren, die direkt am aktuellen Sars-CoV-2-Ausbruch beteiligt sind. Sie zeigen aber deutlich, dass ihr Verkauf auf Wildtiermärkten verboten werden sollte, um zukünftige Virusübertragungen auf den Menschen zu verhindern.

"Während der illegale Handel mit Wildtieren bisher fast ausschließlich aus Artenschutzgründen kritisiert wurde, stehen nun Themen wie Biosicherheit, öffentliche Gesundheit und wirtschaftliche Auswirkungen im Zentrum", sagt der Vorsitzende des Deutschen Naturschutzrings Kai Niebert. "Was seit Jahrzehnten von Wissenschaftlern und Umweltverbänden vergeblich gefordert wird, wird nun - hoffentlich - die Ökonomie lösen."

Weitere Analysen von Virusgenomen legen nahe, dass das Virus auf diese Tiere wiederum von einer Fledermaus übertragen worden sein könnte (Biorxiv: Zhou et al., 2020). Und bereits jetzt wissen Forscherinnen und Forscher, dass wohl auch die Übertragung des Vorgängervirus Sars durch die Abholzung von Wäldern und den engeren Kontakt von Menschen und Fledermäusen wahrscheinlicher geworden ist (PLOS Neglected Tropical Diseases: Hotez, 2017).

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 Coronavirus und Umwelt: Der Mensch macht Pause, der Planet atmet aufLeider sind wir alle supermobil 
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PhilSt 11. Apr 2020

Mag ja durchaus sein, dass das alles auch eine Mitschuld trägt an den Todesfällen, nur...

PhilSt 11. Apr 2020

Diese Logik impliziert, das jemand der seinen Job verliert automatisch verdummt und auf...

thinksimple 10. Apr 2020

Ohne Strom funktioniert auch weder Kreditkarte, Paypal noch mit Handy und QR-Code...

thinksimple 10. Apr 2020

Und? Familie mit Kindern zu Hause? Eigenes Büro in der Wohnung? Nicht alle brauchen...

Garius 09. Apr 2020

Und nun haben wir dich auch noch zu selbigem verleitet... :)


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