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Coronavirus: Telekom hält Handytracking von Infizierten für "Unfug"

Über die Bewegungsdaten von Coronavirus-Infizierten könnten Behörden und Mediziner deren potenzielle Kontaktpersonen ermitteln. Die Deutsche Telekom will von solchen Plänen aber nichts wissen. Kritik kommt auch von den Grünen.

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Soll der Bewegungsverlauf von Infizierten per Funkzellenabfrage rekonstruiert werden?
Soll der Bewegungsverlauf von Infizierten per Funkzellenabfrage rekonstruiert werden? (Bild: Usien/CC-BY-SA 3.0)

Im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus in Deutschland gibt es Überlegungen, über die gespeicherten Standortdaten von Infizierten mögliche Kontaktpersonen zu ermitteln. "Wir wissen inzwischen, dass das technisch möglich ist", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag in Berlin. Nach Informationen von Golem.de ist neben dem RKI auch das Heinrich-Hertz-Institut der Fraunhofer Gesellschaft daran beteiligt, die Umsetzbarkeit solcher Pläne zu prüfen. Das Bundesgesundheitsministerium soll ebenfalls einbezogen sein. Die Deutsche Telekom, die angeblich auch daran beteiligt sein soll, bezeichnete solche Pläne auf Anfrage von Golem.de als "Unfug".

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Laut Wieler hat ein kleines Team des RKI zusammen mit den Mitarbeitern der anderen Institutionen in den vergangenen beiden Tagen eine entsprechende "Skizze" erstellt. "Das sind erste Überlegungen", zitierte der Berliner Tagesspiegel den RKI-Präsidenten. Es werde in Ruhe besprochen, ob das für die Gesellschaft akzeptabel wäre. Für ihn sei klar, dass das nur möglich wäre, "wenn der einzelne seine Daten auch spenden würde". Für Wieler stellt sich die Frage, wie eine mögliche Nutzung ethisch, moralisch, rechtlich und vom Datenschutz her einzuordnen sei.

Funkzellenabfragen sehr ungenau

Wie dieses Konzept technisch funktionieren soll, ist ebenfalls unklar. Über eine sogenannte Funkzellenabfrage könnten Mobilfunkanbieter ermitteln, in welchen Funkzellen das Handy eines Infizierten in einem zurückliegenden Zeitraum eingeloggt war. Dann könnten die Anbieter vergleichen, welche anderen Nutzer im selben Zeitraum in derselben Zelle registriert wurden. Allerdings sind Funkzellenangaben nicht sonderlich präzise, was den genauen Standort betrifft. Hat ein Infizierter beispielsweise eine größere Veranstaltung besucht oder sich längere Zeit in einem Einkaufszentrum aufgehalten, könnte es viele Übereinstimmungen geben. Auf dem Land decken Funkzellen wiederum einen recht großen Bereich ab.

Zudem dürfen solche Daten nur auf richterliche Anordnung bei bestimmten Delikten herausgegeben werden. Die Telekom teilte dazu auf Anfrage mit: "Das skizzierte (sehr theoretische) Szenario zu Funkzellenabfragen ergibt keinen Sinn, da dann alle Mobilfunknummern in der Funkzelle ausfindig gemacht werden müssten. Und auch dann wäre das Bild nicht vollständig, da die Kunden anderer Netzbetreiber sowie Personen ohne mobile Geräte fehlen würden."

Standortdaten freiwillig herausgeben

Denkbar wäre allerdings, dass Infizierte ihre Standortdaten zur Verfügung stellen, die beispielsweise Google bei Android-Telefonen speichert. Diese lassen sich über die Seite https://myactivity.google.com/myactivity abrufen, wenn die entsprechende Funktion aktiviert ist. Google war 2018 in die Kritik geraten, weil der Standortverlauf gespeichert wurde, obwohl diese Funktion in den Smartphones deaktiviert worden war. Mit Hilfe der Standortdaten könnten die Behörden überprüfen, ob sich der Infizierte noch an Orten aufgehalten hat, an die er sich nicht mehr erinnern konnte.

Patrick Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf, hält die Handydaten-Nutzung grundsätzlich für eine sinnvolle Idee. Selbstverständlich müssten die Betroffenen dem vorher zustimmen, sagte er nach Angaben der dpa. Derzeit erfolge die Identifizierung von Kontaktpersonen über eine mündliche Abfrage bei Infizierten. Das berge das Risiko, dass die Befragten sich nicht im Detail erinnerten. "Im Moment können wir es nicht gut differenzieren und schicken auch mal Leute in Quarantäne, bei denen es nicht berechtigt ist", erläuterte er. Die Auswertung von Bewegungsdaten könnte unter Umständen verlässlichere Informationen darüber bieten, wer sich wann und für wie lange in wessen Nähe aufgehalten habe, sagte Larscheid.

Auf Anfrage von Golem.de haben bislang weder das Heinrich-Hertz-Institut noch das Bundesgesundheitsministerium auf Fragen geantwortet, wie solche Überlegungen technisch und rechtlich umgesetzt werden könnten. Das RKI wollte sich ebenfalls nicht dazu äußern.

Nachtrag vom 5. März 2020, 22:28 Uhr

Kritik an den Überlegungen kam umgehend von Konstantin von Notz, Innenexperte der Bundestagsfraktion der Grünen. Er nannte den Vorschlag auf Anfrage der Deutschen Welle wenig ausgereift: "Ein Zugriff auf diese Daten ist rechtlich beinahe ausgeschlossen und unterliegt vollkommen zu Recht hohen Hürden. Gerade, wenn sich Betroffene in Innenstadtlagen bewegt haben, dürften die Daten von hunderttausenden anderen Menschen, die sich in derselben Funkzelle befanden, mit erfasst sein. Eine solche Funkzellen-Analyse ist zudem äußerst aufwändig."

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DerYupp 06. Mär 2020

Diese ganzen Überwachungsmaßnahmen haben doch bis jetzt fast nichts gebracht. Es kann nur...

DerYupp 06. Mär 2020

www.youtube.com watch?v=ODLQcQ_r1r0 (Bitte dekorieren, ich darf noch keine Links...

ZeldaFreak 06. Mär 2020

Selbst wenn ich freiwillig meine Standortdaten herausgebe, was ich auch ohne Google kann...

mke2fs 06. Mär 2020

Jo, ich weiß noch mit welchem Bus zu welcher Zeit ich vor 2 Wochen (Inkubationszeit...

FreiGeistler 06. Mär 2020

Höh? Wie kommst du darauf? KiPo gibt es ja auch. Ich glaube, du hast falsch zwischen den...


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