Coronavirus: RKI-Chef rechnet mit Handytracking von Infizierten

Der Chef des Robert-Koch-Instituts hält ein Handytracking von Coronavirus-Infizierten weiterhin für "technisch und datenschutzrechtlich möglich".

Artikel veröffentlicht am ,
RKI-Präsident Lothar Wieler setzt weiter auf die Auswertung von Handydaten.
RKI-Präsident Lothar Wieler setzt weiter auf die Auswertung von Handydaten. (Bild: Michelle Tantussi/Reuters)

Das Robert-Koch-Institut (RKI) setzt bei der künftigen Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie weiterhin auf eine Auswertung von Handydaten. "Wir halten das für ein sinnhaftes Konzept", sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstag in Berlin (Video ab 30:00). Dabei gebe es jedoch, technische und datenschutzrechtliche Aspekte abzuwägen. "Ich bin nach meinem Kenntnisstand davon überzeugt, dass beide Aspekte bewältigt werden können", sagte Wieler.

Nach Ansicht des RKI-Präsidenten könnten die Gesundheitsämter mit einem solchen Tool "enorm" unterstützt werden. Dabei gehe es darum, mögliche Kontaktpersonen eines Infizierten zu ermitteln. Bislang müssten die Behörden anhand von Gesprächen mit Infizierten rekonstruieren, mit wem dieser in Kontakt gestanden habe. Das sei sehr zeitaufwendig. "Wenn Sie sich vorstellen, dass es möglich wäre, herauszufinden anhand einer bestimmten Applikation, wer denn in den letzten zwei Wochen in einer bestimmten Entfernung und für eine bestimmte Zeit in dieser Entfernung gewesen wäre, dann wäre das natürlich zielgenauer, diese Person direkt zu kontaktieren", erläuterte Wieler und fügte hinzu: "Ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingen wird" und dass "wir in Kürze ein überzeugendes Konzept haben werden".

25 Personen arbeiten an Konzept

Laut Wieler arbeitet das RKI mit einem aus 25 Personen bestehenden Team aus zwölf Institutionen seit drei Wochen an diesem Thema. Die Beteiligten würden bislang nicht dafür entlohnt und wollten dem Land dienen und Solidarität aufbauen.

Wieler hatte am 5. März 2020 erstmals von Überlegungen berichtet, über die Standortdaten von Infizierten mögliche Kontaktpersonen zu ermitteln. Details blieben jedoch unklar. Die Telekom hatte solche Pläne als "Unfug" bezeichnet und auf Anfrage mitgeteilt: "Das skizzierte (sehr theoretische) Szenario zu Funkzellenabfragen ergibt keinen Sinn, da dann alle Mobilfunknummern in der Funkzelle ausfindig gemacht werden müssten. Und auch dann wäre das Bild nicht vollständig, da die Kunden anderer Netzbetreiber sowie Personen ohne mobile Geräte fehlen würden."

Israel will Quarantäne überwachen

Nach Informationen von Golem.de ist neben dem RKI auch das Heinrich-Hertz-Institut der Fraunhofer Gesellschaft daran beteiligt, die Umsetzbarkeit solcher Pläne zu prüfen. Das Bundesgesundheitsministerium soll ebenfalls einbezogen sein. Golem.de hat beim Heinrich-Hertz-Institut und beim Bundesgesundheitsministerium angefragt, wie solche Überlegungen technisch und rechtlich umgesetzt werden könnten, doch bisher keine Antworten erhalten.

In Israel hat die Regierung inzwischen beschlossen, Mobilfunkdaten in den kommenden 30 Tagen zur Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie zu nutzen. Damit sollten potenziell Infizierte gewarnt werden. Zudem soll die Einhaltung von Quaratäne-Maßnahmen überwacht werden. Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu nutzte dabei Anti-Terror-Gesetze, um die Überwachung ohne Zustimmung des Parlaments durchzusetzen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anonymer Nutzer 18. Mär 2020

das hat nichts mit der ortung über handy zutun, die leute sind einfach nur nicht solche...

HitEmUp 17. Mär 2020

Ich frage mich warum man die Daten nicht einfach von der NSA holt, die haben sogar Bild...

gadthrawn 17. Mär 2020

Dann sollte er sich wieder als Veterinärmediziner um Tiere kümmern. Im Januar hat er ja...

Sportstudent 17. Mär 2020

So vernünftig und sinnhaft diese Maßnahmen auch sein mögen, ist die rechtliche Grundlage...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Custom Keyboard
Youtuber baut riesige Tastatur für 13.500 Euro

Die Switches haben das 64-fache Volumen und das Gehäuse ist menschenhoch: Ein Youtuber baut eine absurd große Tastatur für absurd viel Geld.

Custom Keyboard: Youtuber baut riesige Tastatur für 13.500 Euro
Artikel
  1. Super Nintendo: Fan bringt verbessertes Zelda 3 für Windows, MacOS und Linux
    Super Nintendo
    Fan bringt verbessertes Zelda 3 für Windows, MacOS und Linux

    Aus 80.000 Zeilen C-Code besteht die per Reverse Engineering generierte Version von Zelda 3. Die bringt einige Verbesserungen und 16:9.

  2. Twitter: Der blaue Haken bringt Musk nur wenig Geld
    Twitter
    Der blaue Haken bringt Musk nur wenig Geld

    Weltweit hat Twitter angeblich schon einige Hunderttausend zahlende Nutzer. Das dürfte die Finanzprobleme aber nur wenig mildern.

  3. Linux: Alte Computer zu neuem Leben erwecken
    Linux
    Alte Computer zu neuem Leben erwecken

    Computer sind schon nach wenigen Jahren Nutzungsdauer veraltet. Doch mit den schlanken Linux-Distributionen AntiX-Linux, Q4OS oder Simply Linux erleben ältere PC-Systeme einen zweiten Frühling.
    Von Erik Bärwaldt

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • DAMN-Deals: AMD CPUs zu Tiefstpreisen (u. a. R7 5800X3D 324€)• MindStar: Zotac RTX 4070 Ti 949€, XFX RX 6800 519€ • WSV-Finale bei MediaMarkt (u. a. Samsung 980 Pro 2 TB Heatsink 199,99€) • RAM im Preisrutsch • Powercolor RX 7900 XTX 1.195€ • PCGH Cyber Week nur noch kurze Zeit [Werbung]
    •  /