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Coronavirus: Merkel verteidigt Datenschutz bei Corona-Warn-App

Anhand eines praktischen Beispiels hat Bundeskanzlerin Angela Merkel verdeutlicht, warum der dezentrale Ansatz der richtige Weg ist.
/ Moritz Tremmel , dpa
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Corona-App (Bild: iXimus/Pixabay)
Corona-App Bild: iXimus/Pixabay

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Entscheidung für ein hohes Datenschutzniveau bei der Corona-Warn-App verteidigt. Dieses sei sehr wichtig für die Akzeptanz der App, sagte Merkel am Donnerstag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Sie fügte hinzu: "Eine Corona-Warn-App für sehr viel weniger Nutzer mit einem geringeren Datenschutz wäre auch nicht gut."

Merkel verdeutlichte mit einem praktischen Beispiel, warum der dezentrale Ansatz Vorteile bietet: Wenn jemand in der Straßenbahn gesessen habe, der später positiv auf das Coronavirus getestet werde, würden die Menschen, die dort in seiner Nähe waren, über ihre Apps gewarnt – vorausgesetzt, der Infizierte melde seine Infektion in der App, erläuterte Merkel. Das geschehe anonymisiert.

Würde man auf diese Anonymisierung verzichten, würden die Handynummern aller, die sich in der Nähe aufgehalten hätten, sichtbar und diese Menschen könnten vom Gesundheitsamt angerufen werden. "Ob es die Gesundheitsämter so viel entlasten würde, weiß ich nicht," sagte Merkel.

Dezentraler Ansatz mit Apple und Google funktioniert

Zudem müsse die Regierung mit den Anbietern der Betriebssysteme auf den Smartphones zusammenarbeiten und deren Datenschutzvorkehrungen beachten. Bei einem zentralen Ansatz müsse eine App ganz anders angelegt werden. Eine solche App würde dann mit hohem Stromverbrauch laufen und würde von Apple auch nicht unterstützt werden.

Damit reagierte Merkel auf die immer wieder erhobenen Forderungen von Politikern, die den Datenschutz der Corona-Warn-App für den schlechten Umgang mit der Corona-Pandemie verantwortlich machen . Dabei wird meist eine Abkehr vom dezentralen Ansatz hin zu einer zentralen Datensammlung sowie ein Datenzugriff durch Gesundheitsämter gefordert.

Dass diese Forderungen meist von technischem Unverständnis geprägt sind, hat Golem.de bereits in mehreren Artikeln , Kommentaren und einem Gastbeitrag behandelt. So könnte eine App mit zentralem Ansatz nicht mehr auf die Exposure Notification Framework (ENF) von Google und Apple zurückgreifen. Dies hätte zur Konsequenz, dass ein effektives Contacttracing mit Apple-Geräten nicht mehr möglich wäre, da die Kontaktinformationen bei iPhones nur sporadisch ermittelt würden.


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