• IT-Karriere:
  • Services:

Mobilfunkanlagen strahlen viel weniger als erlaubt

Wir erinnern uns: Öffentlich verfügbare Messungen von Feld- oder Strahlungsstärken von bestehenden Mobilfunkanlagen liegen bei der Ausnutzungsrate sehr weit unter den erlaubten Werten. Das haben unsere stichprobenartigen Abfragen der EMF-Datenbank (Elektromagnetische Felder) bei der Bundesnetzagentur ergeben, in der alle angemeldeten Basisstationen Deutschlands verzeichnet sind. Demnach betragen die Werte für gemessene Funkstrahlung der Anlagen weniger als ein Zehntel bis ein Hundertstel Prozent der erlaubten Höchstwerte. Dies sind 0,01 Prozent bis 0,1 Prozent. Die elektrischen Feldstärken werden in Volt pro Meter, die Leistungsflussdichte wird in Watt pro Quadratmeter angegeben. Beim heutigen Mobilfunk ist man bei den Grenzwerten bei 2 bis 5 Watt pro Quadratmeter oder oberhalb von 2 GHz bei 10 Watt pro Quadratmeter.

Stellenmarkt
  1. KDO Service GmbH, Oldenburg
  2. DMK E-BUSINESS GmbH, Chemnitz, Berlin-Potsdam, Köln

Beim heutigen Mobilfunk sind es 4 bis 10 Watt pro Quadratmeter, je nach Frequenz. Über 2 GHz sind es gleichbleibend 10 Watt pro Quadratmeter - also auch für die 5G-Stationen, die jetzt mit Frequenzen von 3,6 GHz aufgebaut werden. Und Smartphones haben maximal 0,5 Watt Sendeleistung, unabhängig von 3G-, 4G- oder 5G-Standard.

Kann man Grenzwerte komplett ablehnen?

Mobilfunkgegner oder -kritiker wenden hier ein, dass Grenzwerten absolut nicht zu trauen sei. Für den Biochemiker und Mediziner Franz Adlkofer fehlt für Grenzwerte eine verlässliche wissenschaftliche Grundlage. Sie schützten nicht die Gesundheit der Menschen, sondern die Interessen der Mobilfunkindustrie. "Ihre Einführung und Aufrechterhaltung sind das Ergebnis institutioneller Korruption." Mit der Einführung des Mobilfunks sei demnach die elektromagnetische Strahlung sprunghaft gewachsen. Sie störe die auf der Erde vorhandenen natürlichen elektromagnetischen Felder, was Auswirkungen auf den Gehirnstoffwechsel habe und Gehirnfunktionen beeinträchtige. Die Grenzwerte der Belastung durch Funkstrahlung seien unter dem Druck der Mobilfunk-Weltkonzerne festgelegt worden und vernachlässigten die schädlichen Wirkungen auf Kinder und Jugendliche.

Höhere Frequenzbereiche für 5G verlangen Forschung

Bei Millimeterwellen im hochfrequenten Spektrum zwischen 26 und 28 Gigahertz gibt es noch wenig Forschung. Später kommen für 5G vielleicht noch die höheren Bereiche zwischen 60 und 100 Gigahertz hinzu. Die Chefin des Bundesamts für Strahlenschutz, Inge Paulini, sagte darum im März 2019 der Passauer Neuen Presse zu 5G: "Deutlich höhere Datenübertragungsmengen, neue und zusätzliche Sendeanlagen und höhere Frequenzen verändern die Strahlungsintensitäten." Besonders zu neuen Frequenzen "haben wir noch wenige Erkenntnisse und werden mittelfristig weitere Forschung betreiben".

Sarah Drießen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der Universitätsklinik RWTH Aachen, verwies Golem.de auf eine ihrer früheren Aussagen zu dem Bereich: "Werden Frequenzen im Bereich der bereits existierenden Mobilfunk-Anwendungen genutzt, wie wir sie jetzt teilweise auch schon von GSM, UMTS oder LTE kennen, können wir bei der Beurteilung der Frage nach möglichen gesundheitlichen Wirkungen auf die bestehenden Studien und Einschätzungen internationaler Expertengruppen zurückgreifen (zum Beispiel ICNIRP, IARC, WHO). Zusammengefasst besteht nach derzeitigem Kenntnisstand unterhalb der empfohlenen Grenzwerte kein gesundheitliches Risiko dieser hochfrequenten Felder."

Sollten für 5G hochfrequente Felder im Millimeterwellen-Bereich bei 30 bis 100 GHz genutzt werden, sieht die Studienlage nach ihren Worten deutlich dürftiger aus als für die bekannten Mobilfunk-Frequenzen. Drießen: "Eine Suchabfrage in unserem EMF-Portal ergibt zum Beispiel, dass es rund 200 experimentelle Studien zu Millimeterwellen im Bereich von 30 bis 100 GHz gibt. Im Gegensatz dazu haben wir über 1.200 experimentelle und knapp 300 epidemiologische Studien in dem deutlich enger gefassten Frequenzbereich der bisherigen Mobilfunk-Anwendungen." Allerdings werden laut ihren Aussagen die hochfrequenten Felder im Millimeterwellen-Bereich hauptsächlich an der Körperoberfläche absorbiert. Auch gehe man derzeit davon aus, dass die Feldstärken geringer sein werden. "Es gibt aber unter den Wissenschaftlern auch einige kritische Stimmen, die hier mehr Forschung fordern. Meines Wissens kann die reale Exposition durch viele 5G-Antennen derzeit noch nicht abgeschätzt werden."

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz nimmt das Problem neuer Frequenzen für 5G offenbar ernst. Sprecherin Nicole Meßmer sagte Golem.de auf Anfrage: "Auf der Weltfunkkonferenz 2019 (WRC-19) der ITU wurden Frequenzbänder im Zentimeter- und Millimeterwellenbereich bei 24, 25 bis 27,5 GHz, 37 bis 43,5 GHz und 66 bis 71 GHz für 5G festgelegt. Diese Frequenzbänder sollen perspektivisch für den öffentlichen Mobilfunk genutzt werden, eine flächendeckende Verbreitung ist jedoch unwahrscheinlich. Derzeit ist in Deutschland eine Nutzung des Frequenzbereichs bei 26 GHz nur für lokale, grundstücksübergreifende Anwendungen (Hotspots) oder grundstücksbezogene Anwendungen zum Beispiel für Industrie-, Forst- und Landwirtschaft vorgesehen oder es befinden sich solche Anwendungen aktuell im Test."

Zu den Frequenzbändern im Zentimeter- und Millimeterwellenbereich liegen laut Meßmer bisher nur wenige wissenschaftliche Studien zu möglichen gesundheitsschädlichen Wirkungen unterhalb der Grenzwerte vor. Eine aktuelle Übersichtsarbeit analysiere derzeit 94 vorliegende Studien zu biologischen Wirkungen von Millimeterwellen unterhalb und oberhalb der Grenzwerte. Diese seien sehr heterogen, basieren überwiegend auf der Forschung zu medizinischen Anwendungen - therapeutisch und diagnostisch - und reichen für eine umfassende Risikobewertung nicht aus. "Weitere Forschung ist daher nötig", sagte Meßmer.

Laut ihren Worten führte das Bundesamt für Strahlenschutz bereits in der Vergangenheit Forschung im Bereich der Millimeterwellen und auch darüber hinaus durch. Eine Studie zu gentoxischen Effekten von Terahertz-Strahlung untersuchte die Wirkungen einer Exposition in vitro an verschiedenen Hautzelltypen. "Gentoxische Effekte wurden in dieser Studie nicht festgestellt", sagte Meßmer. Ergebnisse zu möglichen Auswirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks, inklusive 5G, auf Tiere und Pflanzen seien in einem vom BfS organisierten internationalen Workshop im November 2019 zusammengetragen und diskutiert worden. Das allgemeine Fazit der Konferenz bestand laut Meßmer darin, dass derzeit keine gesicherten wissenschaftlichen Belege für ernsthafte schädliche Wirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt vorliegen, es aber Einzelhinweise gibt, denen mit weiterer Forschung nachgegangen werden sollte.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Coronavirus: Die weltweite 5G-Verschwörung erklärt5G-Mobilfunk als Fortschritt 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 59,99€
  2. 17,99€
  3. 24,29€
  4. 27,99€

Daddy T. 16. Jul 2020

Bei 5G geht es nicht um höhere Bandbreite für den Handy-Nutzer, sondern um ein...

Daddy T. 16. Jul 2020

Mit 'Theorie' werden durch logisches Denken gewonnene Erkenntnisse bezeichent, die einer...

tom.stein 15. Jul 2020

Ich glaube, das gehört zur Physik, nicht zur Chemie. Jetzt bringst Du aber alles...

Killerkeks 13. Jul 2020

Das sieht man ja auch am Vergleich von den USA zu Deutschland. In den USA ist der Markt...

mambokurt 13. Jul 2020

Hör mir auf, hab ich mir neulich den Buckel verbrand. Wer legt denn da eigentlich die...


Folgen Sie uns
       


    •  /