Corona-Warn-App: Verhandlungen zwischen Telekom und KBV gescheitert
Die Einbindung von Testlaboren in die Corona-Warn-App der Bundesregierung dürfte sich weiter verzögern. Hintergrund sind fehlgeschlagene Verhandlungen zwischen der Deutschen Telekom und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) über die Einbindung von Laboren über die KBV-Tochter KV.Digital. Telekom und KBV hätten "Überlegungen einer Zusammenarbeit einvernehmlich zurückgestellt", teilte eine Telekom-Sprecherin auf Anfrage von Golem.de am Dienstag mit und bestätigte damit einen Bericht des Berliner Tagesspiegels (Paywall)(öffnet im neuen Fenster). Die KBV bestätigte auf Anfrage ebenfalls den Bericht.
Telekom-Chef Tim Höttges hatte zum Start der Corona-App vor acht Wochen angekündigt: "Wir werden in den nächsten vier Wochen alle Testlabore und Gesundheitsämter in diesen Digitalisierungsprozess integrieren, um sie komplett von den analogen, sehr aufwendigen manuellen Prozessen zu entlasten." Im Vergleich zum analogen Prozess könne die Kommunikation zwischen Laboren und Infizierten um bis zu vier Tage beschleunigt werden. Zudem soll die Nutzung von QR-Codes das telefonische TAN-Verfahren überflüssig machen, das bislang für das Hochladen von Nutzerschlüsseln nach einer Infektion erforderlich ist.
Erst 75 Prozent der Labore angeschlossen
Doch von den 148 von der Telekom identifizierten Testlaboren sind erst 112 an das System angeschlossen. Mitte Juli hatte das Unternehmen auf Anfrage von Golem.de bestätigt, Verhandlungen mit der KBV aufgenommen zu haben, um die fehlenden 36 Labore über das System von KV.Digital einzubinden.
Diese führten jedoch zu keinem Ergebnis. Nach gründlicher Prüfung hätten sich Hindernisse ergeben, sagte die Sprecherin und erläuterte weiter: "Diese kommen aus der Natur der Sache: Die KBV ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Deutsche Telekom ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Die Entwicklung eines für beide geeigneten Vertragswerkes hätte sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Bei der Laboranbindung ist aber Eile geboten." Nun arbeite die Telekom "mit Hochdruck" daran, die fehlenden Labore anzuschließen.
Formulare stehen zur Verfügung
Nach Angaben der Telekom wird der erforderliche Client für die Anbindung der Labore kostenlos zur Verfügung gestellt. Allerdings könnten den Laboren Kosten durch ein Update des Laborinformationssystems oder der Scannersoftware entstehen. Es liegt nun an den einzelnen Laboren, über die digitale Einbindung an die Corona-Warn-App zu entscheiden.
Für die digitale Einbindung des Testergebnisses hat die KBV ein spezielles Formular zur Veranlassung von Coronatests entwickelt. Dieses steht seit dem 24. Juni 2020 zur Verfügung. Es enthält einen QR-Code, mit dem getestete Personen ihr Ergebnis online einsehen und bei einer bestätigten Infektion in der Corona-Warn-App freischalten können. Nach Angaben der KBV sollte das neue Formular ursprünglich im Laufe des Monats Juli bereitstehen. Dieses Ziel wurde jedoch verfehlt. "Anfängliche logistische Herausforderungen bei Bestellung und Verteilung der benötigten Vordrucke sind weitgehend überwunden", sagte die Telekom in der vergangenen Woche auf Anfrage des Spiegel.
Nutzer verwirrt
Die fehlende Einbindung der Labore kann dazu führen, dass Betroffene vom Arzt oder vom Gesundheitsamt ein Formular mit einem QR-Code erhalten, diesen jedoch mit der Corona-App nicht nutzen können. "Sofern Sie nach einem Coronatest Ihren QR-Code in die App eingescannt haben und innerhalb von wenigen Tagen kein Testergebnis über die App mitgeteilt bekommen, könnte es sein, dass das entsprechende Labor noch nicht vollständig mit der Corona-Warn-App zusammenarbeitet", heißt in den FAQ der App(öffnet im neuen Fenster).
Deshalb könne es vorkommen, "dass ein Labor zwar die Beauftragung für den Test mit dem richtigen Formular bekommt, das Testergebnis aber auf einem anderen Weg an die getestete Person übermitteln muss". Betroffene sollten daher beim zuständigen ärztlichen Fachpersonal beziehungsweise beim Testcenter/Gesundheitsamt anfragen, um ihr Testergebnis zu erhalten.
Weiterhin Bugs in der App
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die Corona-Warn-App bis Anfang August 16,6 Millionen Mal heruntergeladen worden. Laut RKI (öffnet im neuen Fenster) wurden bis zum 4. August 2020 genau 1.052 TANs telefonisch herausgegeben. In diesem Zeitraum gab es rund 24.700 Neuinfektionen(öffnet im neuen Fenster). Wie viele Infizierte einen QR-Code für das Hochladen nutzten, ist unklar.
Die Corona-Warn-App selbst wartet acht Wochen nach dem Start immer noch mit irreführenden Angaben auf. So kann es vorkommen, dass Risikobegegnungen länger als 14 Tage angezeigt werden(öffnet im neuen Fenster), obwohl sie nach diesem Zeitraum nicht mehr berücksichtigt werden sollten. Der Fehler soll nach Angaben der Entwickler(öffnet im neuen Fenster) jedoch erst beim übernächsten Update der App (Version 1.3.0) behoben werden.
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