Wie viele Infektionsketten wurden unterbrochen?

Entscheidend für die Bewertung des Erfolgs ist jedoch die Frage, wie viele Infektionsketten durch die App tatsächlich unterbrochen wurden. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnete im Frühjahr 2021 auf Basis einer Umfrage hoch, dass fünf Prozent aller Infektionen in Deutschland durch die Corona-Warn-App entdeckt wurden. Demnach waren zwei Drittel der Gewarnten von einem roten Risikonachweis überrascht. Von diesen Personen ließen sich 80 Prozent testen. Davon wiederum wurden sieben Prozent positiv getestet.

Stellenmarkt
  1. IT Systemadministrator/-in / Fachinformatiker/-in Systemintegration (w/m/d)
    HIT Holzindustrie Torgau GmbH & Co. KG, Torgau
  2. Solution Architect Infrastructure (m/w/d)
    HABA Group B.V. & Co. KG, Bad Rodach
Detailsuche

Angesichts der 8,1 Millionen Corona-Infektionen seit Einführung der App würde das bedeuten, dass rund 400.000 Infektionen entdeckt wurden. Anders ausgedrückt bedeutet dies aber auch: Bei einem automatischen Upload der positiven Testergebnisse hätten rechnerisch 266.000 Infektionen zusätzlich entdeckt werden können. Und jede Infektionskette, die mit Hilfe der App unterbrochen werden kann, ist wichtig. Vor allem zu Zeiten, in denen keine Impfstoffe zur Verfügung standen. Denn schließlich könnte sich jemand infizieren, der schwer an Corona erkrankt oder stirbt.

Zahl der roten Warnungen explodiert

Ebenfalls macht die Umfrage deutlich: Der Anteil der Risikobegegnungen, die keine Infektion zur Folge hatten, ist mit 93 Prozent sehr hoch gewesen. Das war allerdings von Anfang an das Paradoxon von Corona-Apps auf Bluetooth-Basis: Je besser sich eine Person durch eine Maske vor einer Infektion schützt, desto schlechter kann die App das Risiko bestimmen. Da aus Datenschutzgründen der genaue Zeitpunkt einer Begegnung nicht angezeigt wird, lässt sich nicht immer rekonstruieren, ob dabei möglicherweise eine Maske getragen wurde.

Das wird inzwischen zum Problem, wenn derzeit fast 300.000 Personen täglich eine rote Warnung erhalten. In diesem Jahr waren es bereits vier Millionen. Dies führt dazu, dass entsprechend viele Menschen sich in den Warteschlangen vor den Testzentren einreihen und dort wiederum in Kontakt mit Infizierten kommen. Dann kommt gleich die nächste rote Warnung.

RKI: App nicht vor Testzentren aktivieren

Golem Akademie
  1. Linux-Systemadministration Grundlagen: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    16.-20.05.2022, Virtuell
  2. IT-Sicherheit für Webentwickler: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    19./20.05.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

So ist das Verhältnis von geteilten Warnungen und roten Warnmeldungen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Gab es in der ersten Oktoberwoche 2021 durchschnittlich 5,3 Warnhinweise pro geteilter Warnung, lag dieser Wert in der ersten Januarwoche schon bei 12,6. In der Realität dürfte er noch höher sein, da die Zahl der ausgewerteten Warnhinweise nur auf den Datenspenden an das RKI basiert.

Das RKI empfiehlt daher, die App beispielsweise in den Warteschlangen vor den Testzentren zu deaktivieren. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die Personen eine FFP2-Maske tragen und Abstand halten. Permanente rote Warnungen führen am Ende dazu, dass die Empfehlungen des RKI von Nutzern nicht mehr umgesetzt werden. Begäben sich alle gewarnten Personen sogleich in häusliche Quarantäne, führte das in vielen Betrieben zu Problemen. Daher muss jeder inzwischen selbst stärker einschätzen, wie er mit einer Warnung umgeht.

Hohe Rabatte bei den Amazon Blitzangeboten

Omikron nicht zu stoppen

Die Corona-Warn-App macht zwar gerade, was sie soll. Aber angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante scheint das ebenso wie andere Maßnahmen nicht ausreichend, um die Pandemie einzudämmen. Das wäre vermutlich sogar dann so, wenn die App deutlich stärker verbreitet wäre und alle Testergebnisse hochgeladen würden.

Unabhängig von den Vor- und Nachteilen der App stellt sich die Frage, wofür am Ende die 130 Millionen Euro ausgegeben wurden. Auch in diesem Jahr liegen die Betriebskosten bei 31 Millionen Euro. Ob andere Anbieter als SAP und Telekom das Angebot günstiger umsetzen könnten, sei dahingestellt. Allerdings sollte die Regierung dafür sorgen, dass das Geld auch möglichst sinnvoll eingesetzt und die App effektiv genutzt wird.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Corona-Warn-App: Hohe Kosten, halbherzige Umsetzung
  1.  
  2. 1
  3. 2


Sandeeh 24. Jan 2022

Vorausgesetzt, man registriert sich für den Test mit "echten" Daten. Niemand kann einem...

Sandeeh 24. Jan 2022

Nimm dein informationelles Selbstbestimmungsrecht wahr und gib' einfach ein Pseudonym...

Vögelchen 23. Jan 2022

Aber ich nutze sie vom ersten Tag an und hatte bis heute keinen einzigen Fehlalarm. Und...

Vögelchen 23. Jan 2022

So wäre die App am nützlichsten Gewesen! Eine nachweislich bessere Alternative bietet der...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Entwickler im Ukrainekrieg
"Es ist schwierig, aber das Team unterstützt mich"

Bereits im März sprach Golem.de mit zwei IT-Fachkräften aus Kyjiw. So geht es ihnen jetzt, mehr als zwei Monate nach Beginn des Ukrainekriegs.
Ein Bericht von Daniel Ziegener

Entwickler im Ukrainekrieg: Es ist schwierig, aber das Team unterstützt mich
Artikel
  1. Raumfahrt: Starliner fliegt nach mehr als zwei Jahren zum zweiten Mal
    Raumfahrt
    Starliner fliegt nach mehr als zwei Jahren zum zweiten Mal

    Nach einem fehlgeschlagenen Testflug, klemmenden Treibstoffventilen und vielen Verzögerungen ist Boeings Starliner erfolgreich abgehoben.
    Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  2. Kitty Lixo: Nach Sex mit Mitarbeitern Instagram-Account zurückerhalten
    Kitty Lixo
    Nach Sex mit Mitarbeitern Instagram-Account zurückerhalten

    Laut einer Sexdarstellerin muss man nur die richtigen Leute bei Facebook sehr intim kennen, um seinen Instagram-Account immer wieder zurückzubekommen.

  3. PSP Security Protocol: Google macht eigenes TLS-Offloading Open Source
    PSP Security Protocol
    Google macht eigenes TLS-Offloading Open Source

    Die Verschlüsselung auf der Netzwerkhardware auszuführen spart Rechenleistung. Bei Google sind das 0,5 Prozent der CPU-Leistung weltweit.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Borderlands 3 gratis • Inno3D RTX 3070 günstig wie nie: 614€ • AMD Ryzen 9 5900X 398€ • Kingston SSD 2TB günstig wie nie: 129,90€ • MindStar (u. a. Palit RTX 3050 339€) • Samsung Soundbar + Subwoofer 3.1.2 wireless günstig wie nie: 228,52€ • Dualsense + 1TB-SSD 176,58€ [Werbung]
    •  /