Corona und IT: Arbeiten ganz ohne Geschäftsreisen

Für manche in der IT mag er ein Segen sein, für andere ist er projektgefährdend: der coronabedingte Wegfall von Geschäftsreisen.

Ein Erfahrungsbericht von veröffentlicht am
Bloß nichts verklären: Manchmal sind Dienstreisen schön, manchmal aber auch so wie hier im Bild.
Bloß nichts verklären: Manchmal sind Dienstreisen schön, manchmal aber auch so wie hier im Bild. (Bild: Ketut Subiyanto / Pexels)

Ob zur Integration von Offsite-Teams, als Freiberufler in Projekten oder zu Tagungen, Messen oder Fortbildungen: Für viele IT-Beschäftigte waren Geschäftsreisen lange ein selbstverständlicher Teil des Jobs. Ob viel oder wenig reisend, ob reisefreudig oder nicht - mit dem Beginn der Pandemie änderte sich beim Thema Dienstreisen alles. Mit unterschiedlichen Auswirkungen: Waren die einen froh oder fanden es zumindest nicht problematisch, war die neue Situation für andere existenzbedrohend.

Ich selbst bin schon seit mehr als zehn Jahre ein Freiberufler, bei dem vor Corona im Jahr schon mal mehr als 100 Hotelübernachtungen zusammenkamen. Davor habe ich festangestellt als Teamleiter meine Erfahrungen mit unterstützenden Teams in Indien gemacht. Zuletzt habe ich mich auch mit vielen Kolleginnen und Kollegen über ihre Erfahrungen während der letzten anderthalb Jahre unterhalten. Wie man sich denken kann, fallen ihre Schilderungen sehr unterschiedlich aus. Was aber fast alle gesagt haben: dass sie nicht gedacht hätten, dass sich ihre Arbeitswelt so schnell so stark verändern könnte.

Als die Pandemie im März 2020 begann, dachten wohl auch die wenigsten, dass sie so lange dauern würde. Damals lautete die wichtigste Frage für viele dienstreisende Beschäftigte noch, ob sie Reisen in Risikogebiete verweigern dürfen. Der Tenor war: nein, im Allgemeinen nicht. Arbeitnehmer haben gesetzlich nur die Pflicht, das Risiko gegen den Nutzen abzuwägen und dabei zum Beispiel die Warnungen des Auswärtigen Amtes zu beachten. Bei einer offiziellen Reisewarnung könne ein Arbeitnehmer eine Reise "in der Regel" verweigern, "dies gilt jedoch nicht pauschal für jeden Fall", schrieb Anwalt Online im April 2020.

Da innerdeutsche Reisen aber gar nicht von Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes betroffen sein können, war lange Zeit nur das Arbeitsrecht maßgeblich: Wer Dienstreisen im Arbeitsvertrag stehen hatte, der musste sie auch antreten. In der Folge wurden die Reisen aber immer mehr eingeschränkt - erst mal nur für die Dauer von ein paar Wochen. Aus Wochen wurden Monate, aus Monaten mehr als ein Jahr.

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Die Probleme, die ITler damit hatten, waren je nach Bereich und Status komplett unterschiedlich. Ob Freiberufler, fest angestellte Programmierer, Administratoren, QA-Tester oder Projektmanager von verteilten Teams oder mit internationalem Outsourcing - alle hatten mit eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sogar diejenigen, die gar nicht auf Dienstreisen gehen, sind betroffen, etwa wenn Fortbildungen nicht mehr in Besprechungsräumen, sondern virtuell stattfinden.

Manche Dienstreisen sind ein bisschen wie Urlaub

Für diejenigen, die vor der Pandemie wenig beruflich reisten, waren Dienstreisen vor allem ein kleiner Bonus: Es fühlt sich ein bisschen wie ein Urlaub an, nur dass tagsüber ein paar Stunden Arbeit, Lernen oder eine Tagung anstehen.

Ganz anders ist das für Freiberufler. Viele von ihnen waren vor der Pandemie fast jede Woche unterwegs. Ob in regelmäßigen kurzen Einsätzen oder bei längerfristigen Projekten: Die Reisen zum Kunden gehörten dazu. Zwar konnte auch schon vor der Pandemie ein Teil der Arbeit zu Hause erledigt werden, immer ging das aber nicht.

IT-Freelancer: Ein Handbuch nicht nur für Einsteiger

Zum Beispiel bei Projekten, bei denen aus Sicherheitsgründen nur vor Ort beim Kunden gearbeitet werden konnte. Oder bei Projekten, in denen die Rolle des Freiberuflers so viel Kommunikation beinhaltete, dass es sehr viel sinnvoller war, sich vor Ort aufzuhalten - jedenfalls nach Kundenmeinung, die nicht immer deckungsgleich mit der Meinung des Freiberuflers war.

Nicht so schön ist, um 5 Uhr morgens zum Flughafen zu hetzen

Hier hatte die Pandemie zumindest einen positiven Effekt: Es zeigte sich nämlich schnell, ob es sich seitens der Kunden um vorgeschobene Gründe handelte oder ob eine Präsenz wirklich nötig war. Manche Projekte gingen nämlich einfach im Homeoffice weiter, die anderen wurden auf Eis gelegt.

Bei den weitergeführten Projekten waren dementsprechend viele glücklich, eine Zeit lang keine Nächte mehr in langweiligen Hotelräumen verbringen zu müssen, nicht um 5 Uhr morgens auf die Autobahn einbiegen oder zum Bahnhof oder Flughafen hetzen zu müssen - und stattdessen mehr Zeit zu Hause mit dem Lebenspartner oder der ganzen Familie verbringen zu können.

Die Freude über mehr gemeinsamen Alltag war anfangs zwar in aller Regel groß. Nur dass der "Alltag" eben anders aussah und zum Beispiel nicht mit Restaurant- und Kinobesuchen, Kneipenabenden und Einkaufsbummeln aufgelockert werden konnte. Vielmehr waren etwa durch Lockdown und Homeschooling ganz neue Herausforderungen zu bewältigen.

Zudem kann die gemeinsame Zeit bei aller Freude gewöhnungsbedürftig sein. Wer sonst viel reist, aber plötzlich viel zu Hause ist, stört mitunter die Gewohnheiten der anderen, die schon immer mehr zu Hause waren.

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Kaum ist der Koffer verstaut, kommt wieder Reiselust auf 
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uschatko 13. Sep 2021 / Themenstart

Habt Ihr mal in Deutschland eine symmetrische Datenverbindung bestellt? Mit genügend...

uschatko 13. Sep 2021 / Themenstart

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Michael H. 09. Sep 2021 / Themenstart

Ich denke es geht darum, dass man sich bei Videocalls direkt mit dem Thema befasst. Bei...

nightmar17 09. Sep 2021 / Themenstart

Wenn diese neue Normalität bleibt, dann können wir demnächst die Firma schließen. Wir...

amagol 09. Sep 2021 / Themenstart

Kann vorkommen, aber das ist ja auch ausserhalb von Dienstreisen oft so. Filter? Und...

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