Zu Risiken und Nebenwirkungen deinstallieren Sie die Luca-App

Die Hau-Ruck-Käufe der Luca-App waren von Anfang an umstritten und potentiell rechtswidrig. Das Oberlandesgericht in Rostock erklärte im November, dass der Kauf der Luca-App durch das Land Mecklenburg-Vorpommern vergaberechtswidrig war. In der Direktvergabe liege ein Wettbewerbsverstoß vor, ein Antrag auf Gestattung der Fortführung des Vertrages wurde zurückgewiesen. Den ursprünglichen Kauf der Luca-App am 8. März 2021 erklärte das Gericht für unwirksam.

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"Besonders gravierend ist zudem die Tatsache, dass bei der Luca-App die Jahreslizenzen im Voraus bezahlt wurden. Da nicht, wie sonst in der Branche üblich, nutzerabhängige Preismodelle vereinbart wurden, könnte der finanzielle Vorteil für den Luca-App-Anbieter umso höher sein, je weniger die App genutzt wird - weil er weniger Leistung erbringen muss," kritisierte der Bund Deutscher Steuerzahler Sachsen-Anhalt. "Es bleibt der Eindruck, dass öffentliche Mittel übereilt vergeben und unnötige Vorauszahlungen geleistet wurden - zu Lasten der Steuerzahler."

Dabei gab es schon immer etliche Alternativen zur Luca-App: "Der Luca-App mangelt es nicht an Konkurrenzprodukten, die mindestens genauso schlecht sind", hatte Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Club, die Situation lakonisch zusammengefasst. Diese Konkurrenzprodukte wären wahrscheinlich obendrein deutlich günstiger gewesen. Doch auch die ein oder andere Alternative hatte mit Datenschutzproblemen und Datenlecks zu kämpfen.

Gleichzeitig ist die Wirkung der Luca-App bei der Pandemiebekämpfung infrage zu stellen. In einem Fachgespräch des Bundestags-Digitalausschusses sagte die IT-Beraterin Bianca Kastl: "Infektionsszenarien, die unbedingt vollständige Gästelisten benötigen, sind selten. Es waren bisher lediglich drei im Gesundheitsamt Bodenseekreis in der gesamten Pandemie. Die Zahlen in anderen Ämtern sind ähnlich." In Bremen wurden Luca-Daten seit der Einführung genau zehnmal abgefragt.

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Insbesondere wenn die Infektionszahlen steigen, ist das Verfahren der Luca-App extrem langsam. Immerhin muss den zuständigen Gesundheitsämtern eine Infektion und ein zuvor besuchter Ort gemeldet werden. Anschließend können diese die Besucherdaten bei der entsprechenden Lokalität anfragen. Erst wenn diese die Weitergabe der Daten autorisiert, kann das Gesundheitamt die Daten entschlüsseln und anschließend die Personen auf der Liste kontaktieren. Das Verfahren ist ineffizient und dauert lange - in Zeiten extrem hoher Inzidenzen bricht es schlicht zusammen.

Dabei gibt es mit der Corona-Warn-App eine veritable Alternative. Auch hier können sich die Nutzer per QR-Code in Gaststätten oder anderen Lokalitäten einchecken. Mittlerweile können dafür sogar die QR-Codes der Luca-App genutzt werden. Im Unterschied zu der Luca-App werden jedoch keine persönlichen Daten übertragen, sondern der Check-In verbleibt auf dem Gerät.

Hat man sich infiziert, kann man nach einem positiven PCR-Test die Corona-Warn-App nutzen, um alle anderen Besucher der besuchten Lokalitäten zu warnen. Das geht im Vergleich zur Luca-App rasend schnell und kann auch nicht von Behörden missbraucht werden, um widerrechtlich an die Daten der Luca-Nutzer zu gelangen, wie es erst kürzlich durch die Mainzer Polizei geschechen ist.

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Insofern bietet die Corona-Warn-App nicht nur besseren Datenschutz und Technik, sondern ist auch die bessere Software für die Pandemiebekämpfung. Immerhin geht es bei der Durchbrechung von Infektionsketten vor allem um eins: Geschwindigkeit. Denn während die chronisch überlasteten Gesundheitsbehörden die Luca-Daten anfragen, hat die Corona-Warn-App die betroffenen Besucher längst gewarnt und so hoffentlich zu einer Unterbrechung der Infektionskette gesorgt. Der Datenschutz steht also einer effektiven Pandemiebekämpfung nicht entgegen, er hilft ihr sogar.

Das könnte sich der ein oder andere Politiker hinter die Ohren schreiben, bevor er das nächste mal dummes Zeug daherredet, beispielsweise von Daten, die keine Witwen oder Waisen hinterlassen. Oder bevor sie das nächste Mal Millionen Euro Steuergelder das Klo herunterspülen.

Immerhin Schleswig-Holstein hat bereits beschlossen, seinen Vertrag mit Luca auslaufen zu lassen. Die restlichen 12 Bundesländer, die einen Vertrag mit Luca abgeschlossen haben, überlegen noch. Brandenburg erwägt einen Ausstieg. Berlin zieht gar eine positive Luca-Bilanz.

Um den Frust über das Millionengrab Luca-App zum Ausdruck zu bringen, haben in den letzten Wochen mehrere Politiker dazu aufgefordert, die Luca-App zu deinstallieren und durch die Corona-Warn-App zu ersetzen. Dem kann ich mich nur anschließen. Die Bundesländer sollten die Millionen lieber für die Weiterentwicklung der Corona-Warn-App und zu einer Entlastung der Ärzte und Pflegekräfte in unseren Krankenhäuser ausgeben. Denn diese leisten unbezahlbar wichtige Arbeit in der Pandemie.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

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 Corona: Steigt endlich aus der Luca-App aus
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plutoniumsulfat 15. Jan 2022 / Themenstart

Und was ist der Nachteil daran für die Nachverfolgung? Wer die App nutzt, will ja gerade...

Termuellinator 15. Jan 2022 / Themenstart

Naja, es war damals schon abzusehen, dass das nicht ganz koscher und vom Konzept her...

valoofn 15. Jan 2022 / Themenstart

Stimmt, aber man hat ihn dann auch nicht gleich als Feuerwehrmann losgeschickt um...

amagol 15. Jan 2022 / Themenstart

Du meinst 0-42% in D und 10-50% (37% Federal + 13% State in CA)? Ich bin mir nicht...

housetrek 14. Jan 2022 / Themenstart

+1 Wer so einen umfassenden Text verfasst, der sehr sorgfältig die Argumente entkräften...

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