Corona: Gewerkschaft sieht Schulen schlecht digital ausgestattet

In vielen Bundesländern beginnt die Schule wieder, die zuständige Gewerkschaft erwartet ein Jahr mit "viel Improvisation". Grund sei die schlechte digitale Ausstattung.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Computer und Laptops sind in Deutschland in den Schulen oft noch nicht ausreichend vorhanden.
Computer und Laptops sind in Deutschland in den Schulen oft noch nicht ausreichend vorhanden. (Bild: Pixabay/CC0 1.0)

Zum Schulstart in Coronazeiten sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) viele Schulen und Lehrkräfte immer noch nicht ausreichend auf digitalen Unterricht vorbereitet. GEW-Chefin Marlis Tepe sagte in einem am 9. August 2020 veröffentlichten Gespräch mit der Wirtschaftswoche, zwar dürften die meisten Lehrerinnen und Lehrer das Werkzeug Videokonferenzen beherrschen, weil sie sich selber fortgebildet hätten. "Aber wirklich gut vorbereitet sind viele Schulen weiterhin nicht, die Landesregierungen haben die Ferienzeit zu wenig für die konzeptionelle Arbeit genutzt."

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Während der Schulschließungen im März 2020 "war die Unsicherheit groß, welche Angebote man nutzen darf. Dass auch über Videokonferenzen unterrichtet werden kann, war bisher kein Thema", erklärte Tepe. Sie erwarte deshalb ein Schuljahr "mit viel Improvisation".

Der digitale Unterricht scheitere nicht am Willen der Lehrer, sondern an der fehlenden Infrastruktur. "Die digitale Ausstattung der Schulen ist in der Regel katastrophal", kritisierte Tepe. Nur etwa zehn Prozent der Lehrkräfte bekämen die notwendigen Geräte wie Tablets und Laptops durch ihre Schulen gestellt, private PCs dürften nicht genutzt werden. "Mutig agierenden Kollegen sind wie in Thüringen sogar Bußgelder vom Datenschutzbeauftragten angedroht worden."

Die GEW widerspricht damit einigen Bundesländern, die ihre Schulen digital gut auf Schließungen und Fernunterricht vorbereitet sehen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit seinen 5.500 Schulen und rund 2,5 Millionen Schülern sollen alle Lehrkräfte und alle bedürftigen Schüler Laptops oder Tablets aus Mitteln von Bund, Land und Kommunen finanziert bekommen. Die Landesregierung sieht Investitionen in Höhe von rund 350 Millionen Euro für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien vor.

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Laut GEW müssten sich in vielen Schulen hingegen teils 1.000 Kinder 100 Laptops teilen. Um die Lehrkräfte besser vorzubereiten, fordert die GEW-Chefin mehr Ausbildung in digitaler Didaktik. Im Übrigen gebe es bisher in keinem Bundesland eine Regelung für die künftig wohl häufigen Fälle, in denen Schüler wegen eines Schnupfens bis zum Ergebnis des Corona-Tests nach Hause geschickt würden. Diese seien in dieser Zeit dann wohl quasi vom Unterricht abgeschnitten, sagte Tepe.

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