Corona-Gästeliste: Gesundheitsbehörden auf der Suche nach Darth Vader

Nach mehreren Corona-Fällen in einer Kneipe suchen die Behörden rund 100 Personen, die falsche Angaben auf der Kontaktliste gemacht haben.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Ein Darth-Vader-Stencil
Ein Darth-Vader-Stencil (Bild: toxi85/Pixabay)

Darth Vader und Lucky Luke, bitte melden. Was zunächst lustig klingt, bringt das Dilemma der Hamburger Gesundheitsbehörden bei der Nachverfolgung eines Corona-Ausbruchs auf den Punkt: Viele Gäste einer Bar im Schanzenviertel haben nicht ihre richtigem Namen und Telefonnummern in die Kontaktlisten eingetragen, sondern die Namen von Comic- oder Filmfiguren - ob aus Spaß oder als Reaktion auf die nicht vorgesehene Verwendung der Kontaktdaten durch die Polizei.

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Doch nun sind gleich mehrere Bedienungen in der stets gut besuchten Bar mit dem Namen "Katze" Corona-positiv. Rund 600 Gäste könnten sich angesteckt haben. Von etwa 100 fehlen den Behörden die echten Kontaktdaten.

Konkret geht es um die Abende und Nächte des 5., 8. und 9. September, als die infizierten Bedienungen hinter dem Tresen standen - ohne Maske. Dies sei generell zulässig, wenn der Mindestabstand gewährleistet sei, sagt der Sprecher der in Hamburg für die Gesundheit zuständigen Sozialbehörde, Martin Helfrich. Im Fall Katze werde jedoch geprüft, ob in dem kleinen Gastraum das Hygienekonzept eingehalten worden sei.

In Quarantäne muss nach Angaben des Sprechers jeder, der als "Kontaktperson eins" eingestuft wird. Da in der Bar Infizierte gearbeitet hätten, seien dies alle Gäste, die den Innenraum der Katze am 5., 8. und 9. September nach 19.00 Uhr betreten hätten. "Ich gehe davon aus, dass der überwiegende Teil als Kontaktperson eins eingestuft wird und in Quarantäne gehen muss", sagt Helfrich. Die rund 100 Gäste mit ungeklärter Identität rief er auf, sich zu melden.

Abfragen der Polizei führen zu falschen Angaben

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Dabei dürfte insbesondere die Polizei in Hamburg, Bayern und Rheinland-Pfalz dafür gesorgt haben, dass sich viele Gäste nicht mit ihren echten Daten in die Listen eintragen. Denn eigentlich sollen die Corona-Gästelisten in Gaststätten und bei Veranstaltungen dem Infektionsschutz dienen, doch neben Gesundheitsämtern greift vor allem die Polizei zur Verfolgung von unterschiedlichen Straftaten auf die Datensammlungen zurück. In Reutlingen fotografierten Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Listen gar stichprobenartig zu Dokumentationszwecken.

Diese Praxis wurde weithin kritisiert und eine gesetzliche Regelung gefordert, die das verbietet oder den Zugriff zumindest auf besonders schwere Straftaten einschränkt. Das ist jedoch bisher nicht geschehen. Derweil bleibt bei vielen Gästen ein ungutes Gefühl bei den Datensammlungen, die zudem oft genug für andere Gäste einsehbar aufbewahrt oder bei schlecht geschützten Onlinediensten hinterlegt werden und so von Dritten abgerufen werden können. Kein Wunder also, dass es etliche Donald Ducks oder Max Mustermänner in der Liste gibt, obwohl sie zur Unterbrechung der Infektionsketten durchaus hilfreich sein können.

Bußgelder oder Datenschutz

In Hamburg wird für Gastronomen ein Bußgeld fällig, wenn sie nicht dafür sorgen, dass sich ihre Gäste in die Corona-Kontaktlisten eintragen. Für den Wahrheitsgehalt der Angaben sind sie allerdings nicht verantwortlich zu machen. In Berlin müssen Darth Vader & Co. hingegen künftig mit Bußgeldern zwischen 50 und 500 Euro rechnen. So will der dortige Senat verhindern, dass Gäste die sogenannte Dokumentationspflicht auf die leichte Schulter nehmen und zum Beispiel falsche oder unvollständige Angaben machen.

Der bessere Weg wäre es, auf starke Regeln zum Datenschutz und Einsicht zu setzen. Für ein Bußgeldverfahren lässt sich Darth Vader ohnehin ähnlich schlecht greifen wie zum Infektionsschutz. Für Letzteren sollte er sich "beim Gesundheitsamt Altona melden", twitterte Altonas Bezirksamtschefin Stefanie von Berg (Grüne).

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User_x 21. Sep 2020

Wozu braucht man noch Gästelisten wenn sowieso alle Medien über SuperSpreaderCafés...

demon driver 21. Sep 2020

Im Ernst? -> Duden Nein. Allenfalls mögliche Tatverdächtige oder mögliche Zeugen. So...

Prypjat 21. Sep 2020

Das hattest Du aber nicht erwähnt, also stell Dich nicht als Opfer dar.

kayozz 21. Sep 2020

Richtig, als Option zusätzlich zur Gästeliste. Wer aus Datenschutzgründen nicht die...

Fotobar 21. Sep 2020

Warum wird hier eine sinnvolle und für die Öffentlichkeit anonyme Methode so ins...



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