• IT-Karriere:
  • Services:

Auch Deutschland als positives Beispiel

Dem Report zufolge haben sich viele europäische Länder daran auch orientiert. Als positive Beispiele werden Italien, Dänemark, Estland, die Schweiz und auch Deutschland genannt: Sie haben Contact-Tracing-Apps gebaut, die via Bluetooth auf dem Smartphone funktionieren und pseudonymisiert Kurzschlüssel austauschen. Sie werden bis zur Meldung einer Infektion mit dem Coronavirus nicht auf einem Server gespeichert, sondern lokal auf dem Smartphone. Über die App ist so nicht nachvollziehbar, wer wann wo mit wem Kontakt hatte. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Datenschützer

Stellenmarkt
  1. MEA Service GmbH, Aichach
  2. dSPACE GmbH, Paderborn

Allerdings gibt es auch europäische Länder, die dem Report zufolge sehr stark in die Privatsphäre ihrer Bürgerinnen und Bürger eindringen. In Polen verfolgt der Staat mit einer App, ob sich Menschen an ihre Quarantäne halten. Die App fordert Nutzerinnen und Nutzer routinemäßig auf, ihren Standort anzugeben und Fotos von sich aufzunehmen. Die Daten müssen dann mit dem GPS-Standort und dem Bild des jeweiligen Nutzerkontos übereinstimmen. Der Download der App ist verpflichtend. In Norwegen stellte man eine über GPS funktionierende Contact-Tracing-App ein, da man darüber in Echtzeit Nutzerinnen und Nutzer hätte überwachen können. Und eine App in Litauen war der lokalen Datenschutzbehörde zufolge nicht mit der Datenschutzgrundverordnung vereinbar.

Nutzen zweifelhaft

Was daran besonders erstaunlich ist: Ob diese technischen Mittel wirklich dabei helfen, die Pandemie einzudämmen oder die Gesundheitsdaten einer Person zu erfassen, ist bei vielen technologischen Lösungen dem Report zufolge gar nicht klar. GPS-Signale seien nicht genau genug, um zu erfassen, wie nah jemand einer Person gekommen ist, schreibt die American Civil Liberties Union (ACLU) in einer Analyse.

Ob man 1,5 Meter entfernt stehe oder 20 Meter, sei nicht mit Sicherheit zu erkennen. Die Stärke des Bluetooth-Signals, auf das auch die deutsche Corona-Warn-App zurückgreift, kann einer Studie zufolge variieren, etwa wenn das Smartphone in einer Handtasche steckt (arXiv: Leith et al., 2020). Ähnlich hatte sich vor der Veröffentlichung der deutschen Corona-Warn-App auch der Informatiker und D64-Vorsitzende Henning Tillmann auf Zeit Online geäußert. Auch Gesichtserkennungssysteme können schnell mal daneben liegen - besonders im Zeitalter des Maskentragens.

Selbst der Effekt von Contact-Tracing-Apps ist noch nicht gut belegt. Forscherinnen und Forscher aus London haben in einer Übersichtsstudie andere Untersuchungen zu automatisierten und teilautomatisierten Anwendungen ausgewertet (The Lancet: Braithwaite, 2020). Das ernüchternde Fazit: "Es wurden keine empirischen Belege für die Wirksamkeit der automatisierten Ermittlung von Kontaktpersonen (in Bezug auf die ermittelten Kontakte oder die Reduzierung der Übertragung) gefunden."

Wenigstens kein Schaden durch die App

Studienautor Chiusi sieht ein ernsthaftes Risiko darin, dass teils invasive Technologien, deren Wirkung noch nicht ausreichend bewiesen sei, jetzt in der Fläche ausgerollt werden: Der Einsatz sei nicht nur ungesund für Individuen, sondern auch für Demokratien, denn dadurch normalisiere man totalitäre Methoden wie Überwachung. Im Report heißt es: Auch wenn der soziotechnische Apparat aus einer Gesundheitsnotlage heraus entstanden sei, würden Beispiele zeigen, "dass er gekommen sei, um zu bleiben". In der chinesischen Stadt Hangzhou sollen etwa Gesundheitstracker, die zu Corona-Zeiten eingeführt wurden, nun dauerhaft weiter in Betrieb bleiben.

Für Deutschland hält Fabio Chiusi das Überwachungsrisiko immerhin für überschaubar: Die deutsche Corona-Warn-App sei nicht auf Massenüberwachung ausgelegt. "Selbst wenn die App nicht wirken sollte, richtet sie zumindest auch keinen Schaden an."

Wer jetzt gleich die Corona-Warn-App vom Smartphone werfen will, dem sei versichert, dass das aber auch übertrieben wäre. Denn Contact-Tracing-Apps sind nicht alle automatisch sinnlos. Selbst die Studienautorinnen und Studienautoren des Lancet-Berichts schreiben: Es müsse weitere Forschung geben.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Corona-Apps: Weitreichende Überwachung, wenig Wirkung
  1.  
  2. 1
  3. 2


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. be quiet! Shadow Wings 2 White 120 mm Gehäuselüfter für 9,99€, Cooler Master Silencio...
  2. (u. a. Samsung Galaxy Note 20 256GB für 599€, Samsung Galaxy S20 Ultra 5G 128GB für 899€)
  3. (u. a. Arma 3 für 17,99€, Assassin's Creed: Valhalla für 36,99€, Unreal Deal Pack für 2...
  4. 3.999€ (statt 4.699€)

jfolz 05. Sep 2020

Thumbnail mit CWA ist Clickbait, aber der Inhalt stimmt schon. Die CWA wird im Prinzip ja...

jankapunkt 04. Sep 2020

Die Praxis offenbart auch, welchen Stellenwert Privatsphäre und Datenschutz bei Behörden...

bombinho 03. Sep 2020

Soweit ich das ueberblicke, sind bisher ausschliesslich Faelle bekannt, wo...

davidcl0nel 03. Sep 2020

Nein? Man muß es überhaupt nicht erst aktivieren. OptIn ist das, nicht OptOut. Großer...

Martin W 02. Sep 2020

Danke für den Beitrag, auch wenn ich einiges darin ganz anders bewerte als Golem. Aber...


Folgen Sie uns
       


Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /