Core i9-9900K: Intels Benchmarks sind irreführend

Im Zuge der Vorstellung des Core i9-9900K und Core i9-9980XE hat Intel auch Benchmarks der beiden Prozessoren gezeigt, welche von Principled Technologies erstellt wurden ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ). Schon ein erster Blick auf die Werte ließ uns stutzig werden: Gleich 50 Prozent soll der Core i9-9900K schneller sein als AMDs Ryzen 7 2700X (Test) ? Bei genauerem Hinsehen wurde dann offensichtlich, wie die Resultate zustande kommen - wirklich fair ging es hier nicht zu.
So nutzt Principled Technologies für den Core i9-9900K zwar DDR4-2667-Speicher, setzt aber das XMP-Profil ein, weshalb die Latenzen besonders niedrig sind - konkret benannt werden sie nicht. Beim Ryzen 7 2700X wird zwar korrekt DDR4-2933 verwendet und gar vier Module, um, gewollt oder nicht, von Bank-Interleaving zu profitieren. Da die Latenzen jedoch automatisch gesetzt werden, dürften sie aufgrund der Vollbestückung zahm ausfallen, was den Ryzen 7 verglichen mit dem Core i9 benachteiligt. Scheinbar wurde zudem das Multicore-Enhancement aktiviert, was bedeuten würde, dass der 9900K auf allen Kernen mit 5 GHz statt mit 4,7 GHz läuft - beim Z370 für den 8700K hingegen ist das MCE explizit abgeschaltet.

Weiter geht es mit dem Kühler: Weil dem Intel-Chip keiner beiliegt, nutzt Principled Technologies einen Noctua NH-U14S und damit einen der besten am Markt. Statt per passendem Kit das gleiche Modell einfach auch auf den Ryzen 7 zu schrauben, tritt der mit dem mitgelieferten Boxed-Kühler an. Der Wraith Prism ist zwar definitiv nicht übel, zwecks besserer Vergleichbarkeit hätte es aber dennoch ebenfalls der Noctua sein müssen, damit der Ryzen 7 seinen Boost im Zweifel immer nutzen kann.
Als Benchmarks kommen oft integrierte Tests von Spielen zum Einsatz. Das ist zwar leicht reproduzierbar, hat allerdings nicht immer etwas mit dem eigentlichen Gameplay zu tun - etwa die ersten drei der vier Szenen bei GTA 5. Weil Principled Technologies überdies eine Geforce GTX 1080 Ti verbaut hat, in 1080p mit hohen Details misst und keine Frametimes angibt, sind viele Werte im GPU-Limit und damit nicht aussagekräftig. Andere wie CSGO liegen mit über 300 fps so hoch, dass es egal ist, welche CPU da überhaupt rechnet. Auch sind über 20 Prozent Vorsprung des 9900K zum 8700K fraglich.
Während die Resultate in Assassin's Creed Origins noch halbwegs normal aussehen, halten wir die von Far Cry 5 mit einem Vorsprung von 30 Prozent angesichts unserer eigenen Benchmarks für zu hoch. Und umgekehrt steht der Core i9-9900K in GTA 5 schlechter da als in der Realität, weil einzig die vierte Szene echtes Gameplay zeigt. In PUBG wurde ein Custom-Server ohne Mitspieler mit einer Innenraumszene verwendet statt ein Match-Replay, weshalb die Bildrate wenig mit dem Spielgeschehen vergleichbar ist. Besonders obskur finden wir übrigens, dass Principled Technologies bei Ghost Recon Wildlands die CPU-Auslastung angibt und dem 9900K hier einen 50-prozentigen Vorteil bescheinigt.
Alles in allem hätten die Benchmarks und vor allem die Systemkonfigurationen besser gewählt werden und dennoch deutlich aufzeigen können, dass der Core i9-9900K in Spielen eine bessere Leistung erreicht als der Ryzen 7 2700X. In der vorliegenden Form sind die Messwerte leider wenig hilfreich und teils sogar irreführend.
Nachtrag vom 9. Oktober 2018, 15:44 Uhr
Offenbar - zumindest legt das die Beschreibung im PDF sehr nahe - hat Principled Technologies den 2700X im Game Mode betrieben, was bedeuten würde, dass er mit vier Kernen statt mit acht Kernen angetreten wäre. Das erklärt dann auch, wieso der 2950X nahezu durchweg vor dem 2700X liegt und die recht hohe CPU-Auslastung in Ghost Recon.
Nachtrag vom 9. Oktober 2018, 23:16 Uhr
Intel hat ein Statement veröffentlicht und gesagt, dass Principled Technologies innerhalb der jeweiligen Herstellerspezifikationen getestet und die Testkonfigurationen offengelegt habe. Die Messwerte würden zudem denen entsprechen, die Intel selbst im Lab vorliegen habe



