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Core i9-12900HK im Test: Ja, Alder Lake schlägt Apples M1 Max ...

... zumindest wenn dem Intel -Chip doppelt so viel Energie-Budget gewährt wird. Allerdings ist Alder Lake schon mit 30 Watt richtig schnell.
/ Marc Sauter
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Der Core i9-12900HK alias Alder Lake H ist Intels Laptop-Topmodell. (Bild: Intel)
Der Core i9-12900HK alias Alder Lake H ist Intels Laptop-Topmodell. Bild: Intel

Nachdem Intel in den vergangenen Monaten einen herben Rückgang bei den verkauften Laptop-Chips hinnehmen musste, soll mit Alder Lake H alles besser werden: Der 14-kernige Core i9-12900HK als Topmodell tritt mit neuer Fertigung, einem Hybrid-Design und hohem Takt an. Das Resultat kann durchaus überzeugen und selbst den M1 Max schlagen, täuscht aber nicht über ein altbekanntes Problem hinweg.

Die Ablöse im Laptop-Segment erfolgt dabei vergleichsweise flott, denn Tiger Lake H45 wurde erst im Mai 2020 vorgestellt - mit ziemlicher Verspätung. Bei Alder Lake H hingegen kehrte Intel wieder weitestgehend zum früher üblichen Turnus zurück, neue Notebook-Prozessoren im Januar anzukündigen.

Bis einschließlich TGL-H45 nutzte Intel ein homogenes CPU-Design, alle Kerne sind also technisch identisch. Mit Alder Lake jedoch findet ein Umschwung statt, denn es handelt sich um einen heterogenen Ansatz, weshalb Intel von einem Hybrid spricht. Wie bei ARMs Big-Little-Idee (und damit Apples M1 Max ) gibt es auch bei Alder Lake schnelle und sparsame Kerne, was mehreren Aspekten zugutekommen soll.

6P+8E für Alder Lake H

Im Detail geht es darum, möglichst viel Leistung pro Fläche und pro Watt aus einem Design herauszuholen. Folgerichtig werden Performance- und Efficiency-Cores kombiniert, damit die Singlecore- und die Multicore-Geschwindigkeit möglichst hoch ausfällt, ohne die kostbare Die-Size und somit die Fertigungskosten überzustrapazieren.

Spezifikationen von Alder Lake H45
Kerne P-Cores E-Cores L3 Grafik PBP MBP
Core i9-12900HK 6C/12T + 8C 2,5 bis 5,0 GHz 1,8 bis 3,8 GHz 24 MByte Xe (96 EU @ 1,45 GHz) 45 Watt 115 Watt
Core i9-12900H 6C/12T + 8C 2,5 bis 5,0 GHz 1,8 bis 3,8 GHz 24 MByte Xe (96 EU @ 1,45 GHz) 45 Watt 115 Watt
Core i7-12800H 6C/12T + 8C 2,4 bis 4,8 GHz 1,8 bis 3,7 GHz 24 MByte Xe (96 EU @ 1,40 GHz) 45 Watt 115 Watt
Core i7-12700H 6C/12T + 8C 2,3 bis 4,7 GHz 1,7 bis 3,5 GHz 24 MByte Xe (96 EU @ 1,40 GHz) 45 Watt 115 Watt
Core i7-12650H 6C/12T + 4C 2,3 bis 4,7 GHz 1,7 bis 3,5 GHz 24 MByte Xe (64 EU @ 1,40 GHz) 45 Watt 115 Watt
Core i5-12600H 4C/8T + 8C 2,7 bis 4,5 GHz 2,0 bis 3,3 GHz 18 MByte Xe (80 EU @ 1,40 GHz) 45 Watt 95 Watt
Core i5-12500H 4C/8T + 8C 2,5 bis 4,5 GHz 1,8 bis 3,3 GHz 18 MByte Xe (80 EU @ 1,30 GHz) 45 Watt 95 Watt
Core i5-12450H 4C/8T + 4C 2,0 bis 4,4 GHz 1,5 bis 3,3 GHz 12 MByte Xe (48 EU @ 1,20 GHz) 45 Watt 95 Watt

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Um das zu erreichen, gibt es eine 6P+8E Konfiguration. Sie wird wie Alder Lake mit dem Intel 7 genannten Verfahren produziert (einst 10 nm Enhanced Super Fin alias 10+++ nm). Überdies steckt eine Xe-Grafikeinheit mit 96 EUs im Chip, die beispielsweise zur Videowiedergabe anstelle einer dedizierten Karte verwendet wird. Hinzu kommt ein Speichercontroller für DDR4-3200 und DDR5-4800, wobei die meisten Highend-Geräte den neueren Standard nutzen.

Für unseren Test kam ein Raider GE76 von MSI zum Einsatz. Der 17-Zöller hat ein IPS-Display mit 1080p und 360 Hz, dazu eine Geforce RTX 3080 Ti, einen Core i9-12900HK mit 32 GByte DDR5 und zwei PCIe-Gen4-SSDs; konkret Samsungs PM9A1. Wie viel der Alder Lake H leistet, hängt stark vom Power-Limit ab - und das ist ein sehr weites Feld.

Sehr schnell mit 65 Watt, flott mit 30 Watt

Beim Raider GE76 wird per MSI Center festgelegt, welches Energie-Budget dem Prozessor zugestanden wird: Das voreingestellte Balanced-Profil pendelt sich nach kurzer Zeit bei 65 Watt ein, per Silent-Profil wird der Core i9-12900HK hart auf 30 Watt gedeckelt. Wir haben beide Varianten getestet, auch weil sich Apples M1 Max unter CPU-Multithreading-Last bei 30 bis 35 Watt bewegt.

Der Vollständigkeit halber sei vor den Benchmarks hinzugefügt, dass das Raider GE76 und der Core i9-12900HK nicht der finalen Verkaufsversion entsprechen. Bei beiden handelt es sich um sogenannte Qualification Samples (QS), welche zwar weitestgehend den Retail-Modellen entsprechen, aber hier und da Unterschiede aufweisen.

So erscheinen uns CPU-Microcode und Laptop-Firmware noch nicht ganz ausgereift, weshalb der Core i9-12900HK zumindest bei Singlethread-Lasten etwas schlechter abschneidet als erwartet, da der Takt unerwartet stark schwankt. Windows 11 ist hierfür nicht verantwortlich, das OS war vollständig gepatcht (VBS an, HVCI aus).

Das Power-Limit hat enorm viel Einfluss

Ob der Core i9-12900HK mit 30 Watt oder mit 65 Watt betrieben wird, macht einen gewaltigen Unterschied. In Blender beispielsweise verkürzt sich die Render-Zeit drastisch (80 Prozent Vorsprung), im Cinebench und beim Transcodieren von 8K-Red-Videos per Adobe Premiere Pro fallen die Leistungssprünge ähnlich aus. 7-Zip reagiert weniger, da es speicherlastiger ist; hier sorgt wiederum der DDR5-4800 für exzellente Resultate.

Verglichen zu AMDs mittlerweile fast genau einem Jahr alten Ryzen 9 5900HX steht der Core i9-12900HK gut da: Zwar liegen keine 42-Watt-Ergebnisse vor, interpoliert jedoch kann sich der ADL-Chip vor allem bei Multithreading teils um über 30 Prozent absetzen. Wie stark (und effizient) das Zen-3-Design weiterhin trotz nur acht Kernen ist, zeigt sich bei Blender, wo der Ryzen-Chip sogar einen Tick besser abschneidet.

Apple ist dank N5 effizienter

Gegen Apples M1 Max gestellt, ist der Core i9-12900HK zweischneidig. Bei Last auf einem Kern kann er sich gerade bei Gleitkomma-Benchmarks leicht absetzen, benötigt dabei allerdings auch mehr Energie. Die Multithreading-Resultate wiederum sehen den Intel-Chip bei vollen 65 Watt zumeist deutlich vor dem M1 Max, einzig bei Adobe Premiere hat das Apple-SoC klare Vorteile.

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Auf 30 Watt gedrosselt und damit in etwa so viel, wie der M1 Max bei Last auf allen zehn Kernen benötigt, hat der 14-kernige Core i9-12900HK hingegen das Nachsehen: Je nach Benchmark beträgt der Vorsprung zwischen 20 und 100 Prozent zugunsten des Apple-Prozessors, durchschnittlich sind es satte 60 Prozent. Allerdings wird der M1 Max mit TSMCs N5, also 5 nm EUV, gefertigt und der Core i9-12900HK mit Intel 7, also 10+++ nm DUV - das macht einen immensen Unterschied bei der Performance pro Watt.

Und damit weiter zum Resümee!

Intel Core i9-12900HK: Verfügbarkeit und Fazit

Der Core i9-12900HK steckt in diversen Laptops in unterschiedlichsten Konfigurationen: Das unserem Muster ähnelnde Raider GE76 (12UHS-214) von MSI etwa gibt es für 5.100 Euro inklusive 4K120-Display, einer Geforce RTX 3080 Ti, 64 GByte DDR5 und 2-TByte-SSD. Zum Vergleich: Das Macbook Pro 16 mit gleicher RAM/Storage-Ausstattung sowie M1 Max (als Vollausbau mit 10C+32G) kostet 4.770 Euro.

Fazit

Mit Alder Lake H ist Intel zurück an der Leistungsspitze, was gleich mehrere Gründe hat: Der Core i9-12900HK als Topmodell hat 14 Kerne, beim Tiger-Lake-H45-Vorgänger und bei AMDs Ryzen hingegen ist bei acht bereits Schluss. Hinzu kommt, dass die Performance pro Watt dank des Hybrid-Designs höher ausfällt als bei einem homogenen Ansatz. Zu guter Letzt wird mit dem Intel 7 alias 10+++ nm DUV ein besseres Fertigungsverfahren als noch bei der Vorgängergeneration eingesetzt.

Wie gut der Core i9-12900HK abschneidet, hängt allerdings stark von der jeweiligen Laptop-Implementierung ab, da jeder OEM vielfältige Konfigurationsoptionen hat. Im Falle des Raider GE76 von MSI etwa wird der Intel-Chip von Haus aus mit rund 65 Watt betrieben, er kann aber auch auf 75 Watt hochgestuft werden oder umgekehrt nur mit 30 Watt laufen. Zwischen beiden Modi klafft zwar eine riesige Lücke, was die Geschwindigkeit anbelangt - das macht den Core i9-12900HK allerdings wiederum erfreulich vielseitig.

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Bei vergleichbarer Leistungsaufnahme wird der ältere Core i9-11900HK genauso geschlagen wie AMDs Ryzen 9 5900HX, sowohl bei der Single- als auch bei der Multithreading-Leistung. Mit höherer Wattage vergrößert sich der Abstand etwas, da die 14 Kerne vom gestiegenen Energie-Budget profitieren. Gegen den M1 Max kann sich der 65-Watt-Alder-Lake zumeist behaupten, bei ähnlich sparsamen 30 Watt ist Apples SoC dank des moderneren 5-nm-EUV-Prozesses aber klar überlegen.


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