Coradia iLint: Thüringen will Brennstoffzellenzüge anschaffen

Mit einem Schienennetz, das nur zu einem Drittel elektrifiziert ist, bietet Thüringen gute Voraussetzungen für Züge mit Brennstoffzellenantrieb. In zwei Jahren soll der von Alstom gebaute Coradia iLint auf der ersten Strecke in Thüringen fahren.

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Brennstoffzellenzug Coradia iLint (bei der ersten öffentlichen Fahrt in Wiesbaden im April 2018)
Brennstoffzellenzug Coradia iLint (bei der ersten öffentlichen Fahrt in Wiesbaden im April 2018) (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Saubere Züge für Thüringen: Das Bundesland will künftig Brennstoffzellenzüge auf der nicht elektrifizierten Strecke zwischen Rottenbach und Katzhütte einsetzen. Der Brennstoffzellenzug Coradia iLint von Alstom ist testweise auf der Strecke gefahren. Im Zug fuhren unter anderem der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) mit.

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Eine Studie der Bauhaus-Universität Weimar habe ergeben, dass die 25 Kilometer lange, Schwarzatalbahn genannte Strecke diejenige in Thüringen sei, die am besten für diesen Zugtyp geeignet sei, berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Eine Wasserstofftankstelle für den Zug soll am Bahnhof Rottenbach entstehen. Der Wasserstoff soll mit Strom aus Windkraftwerken gewonnen werden.

Umweltministerin Siegesmund kündigte an, dass der Brennstoffzellenzug zum Fahrplanwechsel 2021 auf der Strecke eingesetzt werde. Der Bedarf ist vorhanden: Das Schienennetz in Thüringen ist nur zu etwa 30 Prozent elektrifiziert. Auf den übrigen Strecken verkehren Züge mit Dieselantrieb. Zum Vergleich: Das gesamte Netz der Deutschen Bahn ist zu 60 Prozent mit Oberleitungen ausgestattet.

Der Coradia iLint basiert auf dem mit Diesel betriebenen Nahverkehrstriebwagenzug Coradia Lint, den Alstom seit 1999 baut. 2016 hatte Alstom den Zug auf der Fachmesse Innotrans in Berlin vorgestellt, im vergangenen Jahr fuhr der Zug erstmals mit Passagieren an Bord. Der Triebwagenzug verfügt über zwei Brennstoffzellen, die zusammen mit dem Wasserstofftank auf dem Dach untergebracht sind. Sie liefern Strom für den Antrieb und die übrigen Systeme an Bord.

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Die Leistung pro Brennstoffzelle beträgt 200 kW. Das reicht zum Fahren mit annähernd konstanter Geschwindigkeit. Zum Anfahren oder bei Steigungen benötigt der Zug mehr Leistung - beim Anfahren das Doppelte dessen, was die Brennstoffzellen liefern. Der Zug verfügt deshalb über Lithium-Ionen-Akkus, die die fehlende Leistung bereitstellen. Geladen werden sie durch Rekuperation der Bremsenergie.

Seit vergangenem September ist der Coradia iLint im nördlichen Niedersachsen im Passagiereinsatz. Derzeit testet Alstom den Zug auf diversen Strecken in sechs Bundesländern. Ende Januar beispielsweise im Schwarzwald, wo der Zug einen Höhenunterschied von 500 m bewältigen musste.

Neben Thüringen planen weitere Bundesländer, den Wasserstoffzug einzusetzen, darunter Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz.

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