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Conquest: Netflix, ein gescheitertes Sci-Fi-Projekt und die Justiz

Netflix hat 55 Millionen US-Dollar für eine nie fertiggestellte Sci-Fi-Serie ausgegeben – und wurde Opfer eines Betrugs. Nun wurde das Strafmaß für den Betrüger verkündet.
/ Peter Osteried
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Schauspielerinnen bei den Dreharbeiten zu Conquest auf der Plaza Independencia in Montevideo (Bild: Getty Images/Pablo Porcinuncula)
Schauspielerinnen bei den Dreharbeiten zu Conquest auf der Plaza Independencia in Montevideo Bild: Getty Images/Pablo Porcinuncula
Inhalt
  1. Conquest: Netflix, ein gescheitertes Sci-Fi-Projekt und die Justiz
  2. Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Als der Streaming-Boom im Herbst 2018 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, befand sich Hollywood in einer Phase nahezu grenzenloser Ausgabenbereitschaft. Streamingdienste konkurrierten weltweit um Abonnenten, neue Plattformen drängten auf den Markt und Originalinhalte galten als entscheidender Faktor im Kampf um Marktanteile. In diesem Umfeld buhlten mehrere Studios und Videoplattformen um einen Regisseur, der bis dahin nur wenig bekannt war: Carl Erik Rinsch(öffnet im neuen Fenster).

Dieser Carl Erik Rinsch betrog Netflix am Ende um viele Millionen Dollar, die vereinbarte Sci-Fi-Serie Conquest kam nie zustande. Bereits im Dezember wurde Rinsch verurteilt und nun, am 30. Juni 2026, das Strafmaß verkündet – 30 Monate Haft.

Dabei hätte Netflix gewarnt sein können. Bevor der Regisseur den Vertrag mit dem Streamingdienst abschloss, hatte er nur einen Spielfilm umgesetzt, das 2013 veröffentlichte Fantasy-Action-Epos 47 Ronin mit Keanu Reeves. Der Film entwickelte sich zu einem der großen Flops des Jahres, zudem gab es während der Produktion erhebliche Auseinandersetzungen zwischen Rinsch und den Produzenten. In normalen Zeiten hätte dies ausgereicht, um größere Studios vorsichtig werden zu lassen. Doch 2018 waren keine normalen Zeiten.

Ein Markt im Ausnahmezustand

Die Zahl der fiktionalen Serienproduktionen hatte sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Der Wettbewerb durch neue Streamingangebote von Disney und Apple führte zu einer einer Verschärfung, vor allem aber zu einer Goldgräberstimmung. Netflix stand unter besonderem Druck: Das Unternehmen investierte Milliardenbeträge in exklusive Inhalte, um seine Marktführerschaft zu sichern, und war bereit, ungewöhnlich große kreative Freiheiten zu gewähren.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das Angebot von Rinsch(öffnet im neuen Fenster) zu einem begehrten Projekt. Geplant war eine Science-Fiction-Serie über künstliche menschenähnliche Wesen, sogenannte Organic Intelligents, die weltweit in Krisengebieten eingesetzt werden. Das Konzept verband technologische Zukunftsfragen mit politischen und ethischen Motiven.

Nach einer Bieterschlacht zeichnete sich zunächst Amazon als Favorit ab. Doch bevor ein Vertrag zustande kam, griff Netflix ein. Cindy Holland, damals Leiterin des Bereichs Originalinhalte, kontaktierte Rinsch persönlich und unterbreitete ein verbessertes Angebot. Neben einer höheren Vergütung versprach Netflix dem Regisseur den Final Cut – ein Privileg, das der Streamingdienst nur in Ausnahmefällen gewährt. Netflix erhielt den Zuschlag.

Ein ungewöhnlich großzügiger Vertrag

Der im November 2018 ausgehandelte Vertrag sah Zahlungen von insgesamt 61,2 Millionen US-Dollar vor. Die Serie erhielt den Titel Conquest. Ein vorheriger Arbeitstitel war White Horse. Neben dem Final Cut enthielt die Vereinbarung eine weitere Besonderheit: Rinsch und seine Frau, die Modedesignerin Gabriela Rosés Bentancor, sollten dauerhaft an allen zukünftigen Staffeln und Ablegern beteiligt bleiben.

Schon früh gab es intern Bedenken. Das Projekt hatte eine problematische Vorgeschichte, zudem existierte kein vollständig ausgearbeitetes Drehbuch. Dennoch entschied sich Netflix, das Risiko einzugehen – auch weil der Anbieter in Conquest das Potenzial für ein langfristiges Science-Fiction-Franchise sah, vergleichbar mit Stranger Things.

Dreharbeiten unter schwierigen Bedingungen

Gedreht wurde in mehreren Ländern, darunter Brasilien, Uruguay und Ungarn. Die internationale Ausrichtung sollte der Serie eine globale Dimension verleihen, erschwerte jedoch die Koordination erheblich. Bereits während der Dreharbeiten häuften sich Berichte über Probleme am Set. In São Paulo schaltete sich die lokale Filmgewerkschaft ein, nachdem es Beschwerden über Rinschs Umgangston und sein Verhalten gegeben hatte. Netflix wurde informiert und führte Gespräche mit dem Regisseur.

In Budapest, wo ein weiterer Teil der Serie entstand, verschärfte sich die Situation weiter. Laut Aussagen von Beteiligten arbeitete Rinsch über Tage hinweg ohne Schlaf und verhielt sich zunehmend unberechenbar. Parallel dazu eskalierten auch private Konflikte. In späteren Gerichtsunterlagen schilderte Rosés massive Verhaltensänderungen, Wutausbrüche und Gewalt.


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