Computerspielpreis: CDU/CSU kritisieren Nominierung des "Killerspiels" Crysis 2

"Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion distanziert sich von der Entscheidung der unabhängigen Jury, in der Kategorie 'Bestes Deutsches Spiel' ein sogenanntes Killerspiel zu nominieren. Wir halten diese Nominierung für unvertretbar" , sagte der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen(öffnet im neuen Fenster) . Er hält die Nominierung für nicht vereinbar mit dem Beschluss des Bundestages, der den Computerspielpreis 2007 nur für "qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle Computerspiele" vergeben wollte. Die "technische Qualität sollte ebenfalls eine, wenn auch nur sekundäre, Rolle spielen."

Nach Auffassung von CDU und CSU(öffnet im neuen Fenster) wurde Crysis 2 allerdings nur wegen seiner "technisch-innovativen" Aspekte nominiert, was dem Parlamentsbeschluss widerspreche. Der kulturell-pädagogische Gesichtspunkt, der dem Grundsatz in Art. 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" entspreche, werde ignoriert.
Börnsen fordert im Namen der Fraktionen - und offenbar auch in Absprache mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann - eine grundlegende Neukonzeption und eine deutliche Rückbesinnung auf den kulturell-pädagogischen Wert eines Computerspiels. "Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind."
Auch unter dem Aspekt des Jugendschutzes werde "es vielen Eltern jetzt noch schwerer gemacht, für alternative, sinnvolle Spiele zu werben" . In letzter Konsequenz stehe man daher auch einer Neubesetzung der Jury offen gegenüber, so Börnsen. Der Deutsche Computerspielpreis 2012 wird am Abend des 26. April 2012 in Berlin vergeben.
Nachtrag vom 25. April 2012, 17:50 Uhr
Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU)(öffnet im neuen Fenster) zeigt sich "irritiert" über die Aussagen von Wolfgang Börnsen. In einer Stellungnahme(öffnet im neuen Fenster) heißt es: "Die Ausrichter können es nicht hinnehmen, dass die unabhängige Jury beschädigt wird. Die Jury hat auf Grundlage der Kriterien des Deutschen Computerspielpreises über die Normierungen für die Kategorie Bestes Deutsches Spiel entschieden. Die Öffnung der Kategorie wurde einvernehmlich durch die Verbände und den Kulturstaatsminister Bernd Neumann vereinbart. Eine Jury, die auf dieser Grundlage unabhängig urteilt, darf man nicht im Stich lassen."
Die Jury wurde laut BIU zu 50 Prozent von der Bundesregierung vorgeschlagen, die anderen 50 Prozent von Seiten des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) und vom Bundesverband der Computerspieleindustrie (G.A.M.E). "Die Jury ist mit hochkarätigen Experten aus den Bereichen Medien und Medienpädagogik besetzt und hat sicherlich eine wohlüberlegte Nominierungsentscheidung getroffen" , heißt es vom BIU. In der Jury sitzen auch Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.



