Abo
  • Services:
Anzeige
Spieler auf einem E-Sport-Turnier in Asien
Spieler auf einem E-Sport-Turnier in Asien (Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images)

Angst gab es auch vor Literatur, Comics und Rock

In der Debatte spielen auch gesellschaftliche Fragen und psychologische Hypes eine Rolle. Der US-amerikanische Forscher Christopher J. Ferguson, ein besonders liberaler Verteidiger des Computerspielens, hat die These aufgestellt, dass es sich bei der Diskussion um Computerspiele um eine sogenannte "moralische Panik" handle. Solche angstbesetzten Ausbrüche der radikalen Ablehnung von 'neuen' Medien in der Gesellschaft gab es bereits in der Vergangenheit, mit wechselnden Objekten: Als psychologisch bedenklich wurden auch schon romantische Literatur, Comics oder Rockmusik angesehen.

Anzeige

Die Kritik an den Vorstößen von APA und WHO kommt jedoch nicht nur von Experten, die wie Ferguson Computerspiele vehement verteidigen und die Kodifizierung einer Online-Sucht generell ablehnen. Viele Wissenschaftler im Feld sehen ungezügelte Mediennutzung - gerade unter Jugendlichen - durchaus als gesellschaftlich relevantes Problem an. Doch auch diese sind über den Prozess und seine bisherigen Ergebnisse irritiert, zum Beispiel der britische Psychologe Mark Griffiths. Er gilt als einer der weltweit führenden Forscher zu Glücksspiel, exzessiver Online-Nutzung und Spielsucht. In einem kürzlich veröffentlichten Diskussionspapier beschreiben Griffiths und seine Co-Autoren die aktuelle Debatte als "Chaos und Konfusion".

Sie äußern grundlegende Vorbehalte gegenüber den Kriterien, die von der APA angelegt werden, und dem ihrer Meinung nach unklaren 'Objekt' beziehungsweise Auslöser der Sucht: Sind die Betroffenen "süchtig" nach der Online-Nutzung, den Videospielen, spezifischen Genres oder etwas anderem? Und warum haben dann die allermeisten anderen Spieler keine Probleme mit diesen Angeboten? Entsteht das Problem nicht vielmehr aus einem Zusammenspiel von mangelnder Orientierung und sozialer Situation, Persönlichkeit und dazu passendem Medienangebot?

Diese Fragen müssten im Rahmen einer offenen und kritischen Diskussion angegangen werden, fordern Griffiths und Kollegen - und sie stehen damit keineswegs alleine da. In der Tat befürchten viele Experten, dass gar keine ernsthafte wissenschaftliche Debatte mehr geführt werden soll, unter Abwägung aller Ergebnisse und abweichender Meinungen. Vielmehr wirkt vieles so, als wolle eine Hardliner-Fraktion in der APA und der WHO mit politischen Mitteln ihre Überzeugungen weltweit durchsetzen.

Es geht um mehr als nur ums "Zocken"

Zu befürchten sind Auswirkungen, die weit über die Online-Spielsucht hinausgehen. Die Einführung von IGD könnte zum Dammbruch werden, der weitere neue Krankheitsbilder nach sich ziehen würde. Von Handy-Sucht bis Social-Media-Depression wäre vieles als eigenständige "Medien"-Krankheit denkbar. In der Folge wären zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene qua Definition von heute auf morgen therapiebedürftig.

Mit gutem Grund gelten in demokratischen Staaten hohe Schranken für die Einschränkung der Nutzung von Medien. Besonders die bei der WHO diskutierten unspezifischen Einschränkungen oder gar Verbote von Online-Spielen aus medizinischen Gründen wecken ungute Assoziationen mit dem Handeln autokratischer Regimes, denen vermeintliche psychische Krankheiten in der Geschichte als Vorwand für repressive Maßnahmen gegen Einzelne dienten.

Insofern wird gerade ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit und großen Teilen der Wissenschaft. Es steht weit mehr auf dem Spiel als nur das Hobby von Gamern.

Thorsten Quandt ist Professor und Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster. Er leitet dort den Arbeitsbereich für Online-Kommunikation. In seiner Forschung setzt er sich u.a. mit digitalen Spielen und dysfunktionalen Formen der Online-Nutzung auseinander.

 Computerspiele und Psyche: Wie Computerspieler zu Süchtigen erklärt werden sollen

eye home zur Startseite
bombinho 26. Mai 2017

Liest sich etwas sperrig. Aber hat Substanz. Du hast Dir viele Gedanken gemacht. Aber mir...

plutoniumsulfat 25. Mai 2017

Vielleicht hat er auch einfach keine Zeit wegen der Zockerei?

Vaako 24. Mai 2017

gut ne kaputte Leber ist nicht zu verachten, aber wenn du 5Jahre am Stück jeden tag...

goelem 24. Mai 2017

Ich gebe dir Recht. Es gibt sicherlich viele, die vom Daddeln süchtig geworden sind...

SegmenFault 24. Mai 2017

"Ich hab während stressiger Inbetriebnahmen auch schon Wochen erlebt mit 140+ Stunden...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, Nürnberg
  2. ING-DiBa AG, Frankfurt
  3. SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG, Bruchsal
  4. über Nash Direct GmbH, Ludwigsburg


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 29,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 299,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. (u. a. Hobbit Trilogie Blu-ray 43,89€ und Batman Dark Knight Trilogy Blu-ray 17,99€)

Folgen Sie uns
       


  1. Lenovo

    Smartphone- und Servergeschäft sorgen für Verlust

  2. Open Source Projekt

    Oracle will Java EE abgeben

  3. Apple iPhone 5s

    Hacker veröffentlicht Secure-Enclave-Key für alte iPhones

  4. Forum

    Reddit bietet native Unterstützung von Videos

  5. Biomimetik

    Drohne landet kontrolliert an senkrechter Wand

  6. Schifffahrt

    Yara Birkeland wird der erste autonome E-Frachter

  7. Erste Tests

    Autonome Rollstühle in Krankenhäusern und Flughäfen erprobt

  8. Firmware

    PS4 verbessert Verwaltung von Familien und Freunden

  9. Galaxy Note 4

    Samsung trägt keine Verantwortung für überhitzte Akkus

  10. Nach Anschlag in Charlottesville

    Nazis raus - aber nur aus PR-Gründen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Threadripper 1950X und 1920X im Test: AMD hat die schnellste Desktop-CPU
Threadripper 1950X und 1920X im Test
AMD hat die schnellste Desktop-CPU
  1. Ryzen AMD bestätigt Compiler-Fehler unter Linux
  2. CPU Achtkerniger Threadripper erscheint Ende August
  3. Ryzen 3 1300X und 1200 im Test Harte Gegner für Intels Core i3

Sysadmin Day 2017: Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte
Sysadmin Day 2017
Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte

Orange Pi 2G IoT ausprobiert: Wir bauen uns ein 20-Euro-Smartphone
Orange Pi 2G IoT ausprobiert
Wir bauen uns ein 20-Euro-Smartphone
  1. Odroid HC-1 Bastelrechner besser stapeln im NAS
  2. Bastelrechner Nano Pi im Test Klein, aber nicht unbedingt oho

  1. Re: Natürlich war das ein "Terroranschlag"

    Tantalus | 14:40

  2. Re: Sie wird elektrisch angetrieben, fährt also...

    Alkhor | 14:37

  3. Re: Geil...

    ckerazor | 14:35

  4. Re: Also technisch gesehen...

    Dummer Mensch | 14:34

  5. Re: Kann etwas Enterprise sein wenn es OpenSource...

    My1 | 14:32


  1. 13:48

  2. 13:15

  3. 12:55

  4. 12:37

  5. 12:30

  6. 12:00

  7. 11:17

  8. 10:44


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel