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Computersicherheit: Sechs Administrator-Tipps vom NSA-Hackerchef

Der Leiter der NSA -Elitehacker TAO erklärt bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte, wie man als Netzwerk-Admin seinem Team das Leben schwermacht.
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Während die NSA überall reinkommen will, darf längst nicht jeder zur NSA. (Bild: Gary Cameron/Reuters)
Während die NSA überall reinkommen will, darf längst nicht jeder zur NSA. Bild: Gary Cameron/Reuters

Rob Joyce steht nicht oft auf Bühnen, um ein paar Hundert Sicherheitsexperten und Forschern zu erklären, wie man ein Netzwerk gegen staatliche Hacker schützt. Das liegt in erster Linie daran, dass Joyce seit knapp drei Jahren die vielleicht besten staatlichen Hacker der Welt anführt, die NSA-Elitetruppe TAO ( Tailored Access Operations ).

Seine rund 1.000 Untergebenen dringen in Netzwerke ein, hacken Systemadministratoren, verwanzen Räume, Computer und Zubehör. "Getting the ungettable" , an das Unerreichbare herankommen, sei das TAO-Motto, schrieb der Spiegel Ende 2013(öffnet im neuen Fenster) , als er einen ganzen Katalog mit TAO-Werkzeugen veröffentlichte. Dieser Katalog steckte voller Technik, die vom Erfinder Q aus den James-Bond-Filmen stammen könnte.

Am Donnerstag nun hielt Joyce einen Vortrag ( Video(öffnet im neuen Fenster) ) auf der Konferenz Usenix Enigma(öffnet im neuen Fenster) in San Francisco und machte seinem versierten Publikum klar, wie erstaunlich häufig der heimliche Zugriff auf fremde Computer auch ohne Hilfsmittel der Bond-Kategorie gelingt.

Keine Lücke ist zu klein für die NSA

Staatsgeheimnisse verriet Joyce, der die Leitung der TAO wenige Wochen vor Beginn der Snowden-Enthüllungen übernommen hatte, natürlich nicht. Im Gegenteil, seine Ratschläge dürften keinen Systemadministratoren überrascht haben. Dennoch war der Vortrag bemerkenswert.

"Gehen Sie nie davon aus, dass eine Lücke zu klein ist, um bemerkt und ausgenutzt zu werden" , zitiert ihn Wired(öffnet im neuen Fenster) . Wenn in einer Sicherheitsüberprüfung 97 von 100 Dingen den Test bestünden und drei "esoterische" Kleinigkeiten nicht, solle man nicht denken, sie seien unwichtig. "Wir brauchen diese erste Lücke, diese erste Naht. Und wir werden diese esoterisch erscheinenden Grenzfälle suchen und suchen und suchen."

Fernwartung als Einfallstor

Selbst Öffnungen, die nur für einige Stunden bestehen, seien höchst attraktiv für die NSA und alle anderen staatlich unterstützten Angreifer. Als Beispiel nannte er Wartungsarbeiten aus der Ferne, für die gerne auch mal am Wochenende für kurze Zeit ein entsprechender Kanal geöffnet werde. "Es hat seine Gründe, warum es Advanced Persistence Threat heißt: Wir stochern und stochern und warten und warten, bis wir reinkommen."

Auch die Infrastruktur eines Gebäudes, wie Lüftungs- und Heizungsanlagen, könne sich ein Geheimdienst für seine Spionageangriffe zunutze machen, wenn sie mit Computersystemen verbunden sind. Beliebte Einfallstore seien außerdem die Verbindungen zu Cloud-Dienstleistern, hartcodierte oder im Klartext übertragene Passwörter, wie es sie vor allem in alten Protokollen noch gibt, sowie abgefangene Login-Daten von Netzwerkadministratoren und bekannte, aber aus Sorglosigkeit nicht gepatchte Sicherheitslücken.

Vielversprechende Angriffsvektoren seien zudem Smartphones und sonstige Geräte, die Angestellte von zu Hause mitbringen und mit dem Firmennetz verbinden. Hier wurde Joyce sogar ein bisschen konkreter und deutete an, dass ein Laptop, auf dem die Kinder zu Hause ein Spiel von der Plattform Steam geladen haben, ein echtes Sicherheitsrisiko sein kann, wenn er anschließend in einem Unternehmen genutzt wird.

Zero Days sind 'überschätzt'

"Überschätzt" seien dagegen Zero-Day-Attacken, sagte Joyce laut The Register(öffnet im neuen Fenster) , also Angriffe auf öffentlich unbekannte Schwachstellen in Software, für die es dementsprechend auch noch keine Patches gibt. "Viele Menschen glauben, dass Staaten ihre Operationen auf Zero-Days aufbauen, aber so etwas ist nicht sehr verbreitet. In große Unternehmensnetzwerke gelangt man mit Beharrlichkeit und Konzentration, ohne Zero Day. Es gibt so viele Angriffsvektoren, die einfacher, risikoärmer und produktiver sind."

Bemerkenswert an dieser Aussage ist vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der Joyce "große Unternehmensnetzwerke" als Ziele nennt. Geheimdienstspionage gegen andere Regierungen ist vergleichsweise akzeptiert, vom "Ausspähen unter Freunden" vielleicht mal abgesehen. Aber einer jener Punkte, der die NSA in den vergangenen zweieinhalb Jahren international so in Verruf gebracht hat, war die offensichtlich extensive Wirtschaftsspionage, entgegen den Beteuerungen selbst von Präsident Obama, die NSA tue so etwas nicht.

Doch selbst Obama hat nie wirklich erklärt, warum es für die nationale Sicherheit so wichtig gewesen sein soll, brasilianische Öl-Unternehmen , die Opec , chinesische Telekommunikationsunternehmen oder diverse Luftfahrt-, Energie- und Nanotechnologieunternehmen auszuspionieren. Insofern wäre ein leitender NSA-Angestellter vielleicht gut beraten, auf seine Wortwahl zu achten, wenn er von gehackten Unternehmensnetzwerken spricht. Wobei auch Joyce ziemlich deutlich machte, dass ihn der Ruf der NSA allenfalls innerhalb der USA interessiert.

Der NSA-Hacker empfiehlt sechs Abwehrmaßnahmen

Was Joyce noch zum Thema Netzwerke sagte, sollte jeden Administrator aufhorchen lassen: "Wenn Sie Ihr Netzwerk wirklich schützen wollen, müssen Sie es kennen, inklusive aller Geräte und Technologien darin. In vielen Fällen kennen wir es besser als die Menschen, die es entworfen haben und betreiben." Der "subtile Unterschied" sei jener zwischen dem, was nach Ansicht eines Admins in seinem Netzwerk laufen sollte, und dem, was wirklich darin läuft.

Sechs Abwehrmaßnahmen empfahl Joyce, beginnend mit dem Whitelisting von Anwendungen. Das bedeutet, eine nicht explizit freigegebene Software kann auf einem Computer nicht installiert werden. Zweitens sei eine strikte Rechtevergabe für die Anwender wichtig, drittens stets aktualisierte Software, viertens segmentierte, also nicht miteinander verbundene Teilnetze. Fünftens könne ein sogenanntes Reputationsmanagement dafür sorgen, dass abnormales Verhalten eines Nutzers bemerkt wird – wenn er zum Beispiel plötzlich erstmals versucht, auf bestimmte Daten zuzugreifen. Der sechste Ansatz ist die Überwachung des Netzwerkverkehrs. Ein smarter Admin, der die Netzwerk-Logs liest und auf Anomalien achtet, ist demnach so etwas wie der natürliche Feind der NSA.

Zum Schluss zeigte Joyce seinem Publikum noch eine Folie mit einem QR-Code darauf. "Wer von Ihnen scannt jetzt den QR-Code des NSA-Typen?" , fragte er scherzhaft – wohl wissend, dass QR-Codes ein alter Trick sind, um Nutzer auf unbekannte, verseuchte Websites zu leiten. Dieser führe aber auf eine legitime NSA-Seite mit weiterführenden Informationen zum Thema Gefahrenabwehr. "Das ist ein echter Link" , sagte er. "Vertrauen Sie mir."

Ganz Mutige können ja mal hier(öffnet im neuen Fenster) klicken, das ist der Link auf die entsprechende Seite.


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