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Computersicherheit: Anleitung für perfide Angriffe über USB ist öffentlich

Im Sommer führten Berliner Forscher raffinierte Hacks mit präparierten USB-Sticks vor. Nun haben andere das auch geschafft und den gefährlichen Code in die Welt gesetzt.
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Der Berliner Sicherheitsforscher Karsten Nohl (Bild: Reuters/Thomas Peter)
Der Berliner Sicherheitsforscher Karsten Nohl Bild: Reuters/Thomas Peter

Im Englischen gibt es die schöne Redewendung "when the shit hits the fan" – wenn die Kacke auf den Ventilator trifft. Zwei IT-Sicherheitsforscher aus den USA haben gerade den Code für eine potenziell gefährliche Schadsoftware veröffentlicht, und damit die Kacke schon mal auf den Weg zum Ventilator geschickt.

Im August hatten die Berliner Hacker Karsten Nohl und Jakob Lell auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas erklärt(öffnet im neuen Fenster) , wie sie jedes Gerät, das einen USB-Anschluss hat, in ein perfides Angriffswerkzeug verwandeln können. Ein USB-Stick, eine Maus, eine Webcam – all diese Geräte können einem Computer vorgaukeln, ein anderes Gerät zu sein, als sie sind. Und deshalb können sie ganz andere Dinge tun, als ein Nutzer erwartet, ohne dass der das bemerkt. Selbst die vollständige Übernahme eines fremden Rechners ist auf diesem Weg möglich.

Das Besondere an der BadUSB getauften Angriffsfamilie: Die Malware steckt in der Firmware des Controller-Chips eines USB-Geräts(öffnet im neuen Fenster) . Dort wird sie von keinem Antivirusprogramm gefunden und kann auch nicht einfach gelöscht werden. Das unterscheidet sie von klassischen Viren und Trojanern, die als Datei im Speicherchip eines USB-Sticks darauf warten, vom ahnungslosen Anwender geöffnet zu werden.

Die Malware kann zudem so gestaltet werden, dass sie erstens auf jedem Betriebssystem funktioniert und zweitens über den zuerst infizierten Rechner jedes weitere angeschlossene USB-Gerät befällt. Befallen heißt in diesem Fall: Auch die Firmware der Controller-Chips aller anderen USB-Geräte wird von der Schadsoftware überschrieben. Damit entsteht ein kaum zu entdeckender Wurm. Weil ihnen ihr Werk als allzu mächtig erschien, entschieden sich Nohl und Lell, zwar auf die Gefahr aufmerksam zu machen, ihren Code aber nicht zu veröffentlichen.

Das haben stattdessen nun zwei US-Forscher getan. Adam Caudill und Brandon Wilson haben – genau wie die Berliner – die Firmware eines USB-Controller-Chips reverse engineered und verändert. Ein von ihnen derart manipulierter USB-Stick verhält sich wie eine USB-Tastatur und ist in der Lage, an einem Computer eine Eingabemaske zu öffnen und in rasender Geschwindigkeit ein paar voreingestellte Kommandos zu tippen. So lässt sich der Computer im schlimmsten Fall komplett aus der Ferne übernehmen. Caudill und Wilson haben noch ein paar andere Angriffsszenarien entwickelt und ihre Forschungsergebnisse auf einer Konferenz in den USA vorgestellt. Anschließend haben sie ihre Version von BadUSB auf Github hinterlegt(öffnet im neuen Fenster) .

Behörden wie die NSA nutzen die Technik womöglich längst

Wer möchte, kann den dort veröffentlichten Code nutzen, um bestimmte USB-Geräte zu manipulieren oder um den BadUSB-Angriff weiter zu verfeinern. Caudill und Wilson wollten den Druck auf die Industrie erhöhen, damit die Abwehrmaßnahmen entwickele, sagten sie im Gespräch mit Wired(öffnet im neuen Fenster) . Die Angriffsmethode sei wahrscheinlich schon lange von hochgerüsteten Behörden wie der NSA entdeckt und eingesetzt worden, argumentieren sie. Die Industrie habe aber erst dann einen Grund zu handeln, wenn jeder sie einsetzen kann. Dass Nohl von Anfang an gewarnt hatte, dass es keine schnelle Lösung für so ein strukturelles Problem geben könne, ignorieren sie.

Noch mal zusammengefasst: Die Anleitung für einen kaum zu entdeckenden und schwer zu verhindernden Angriff auf fremde Computer ist jetzt öffentlich. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das jemand ausnutzt.

Nohl rechnet mit dem ersten BadUSB-Wurm noch in diesem Jahr

Bisher funktioniert der Code von Caudill und Wilson nur auf bestimmten Controller-Chips, und ihre Malware verbreitet sich auch nicht vom erstinfizierten USB-Gerät über einen angeschlossenen Rechner auf jedes weitere USB-Gerät. Die beiden arbeiten auch daran, sind sich aber laut Wired noch nicht einig, ob sie auch diese Version dann veröffentlichen werden.

Früher oder später wird es die Selbstverbreitungsfunktion in jedem Fall geben. "Noch innerhalb des Kalenderjahres ist es gut vorstellbar, dass es einen ersten BadUSB-Wurm gibt", sagt Karsten Nohl im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Damit wäre BadUSB unkontrollierbar in freier Wildbahn unterwegs. "Und dann wird es keine Lösung geben", sagt Nohl. Das wäre der Zeitpunkt, an dem die Kacke den Ventilator erreicht.

Die Version der US-Forscher hält Nohl für vergleichsweise simpel, eben weil sie nur auf einem bestimmten Chip-Modell funktioniert und weil sie aus einem USB-Stick eine reine virtuelle Tastatur mache, während ein von Jakob Lell präparierter Stick weiterhin auch als Speichermedium funktioniert und damit unauffälliger ist. "Aber wenn die noch ein paar Wochen weiterarbeiten, haben sie alles, was wir auch haben", sagt Nohl.

Zwar existieren allgemeine und spezielle Abwehrmaßnahmen gegen BadUSB, angefangen bei strengen Vorgaben zum Einsatz von USB-Geräten in Unternehmen und Behörden. Das deutsche IT-Sicherheitsunternehmen G Data hat mit dem USB Keyboard Guard(öffnet im neuen Fenster) auch schon eine erste Software gegen BadUSB entwickelt. Erkennt sie eine neue Tastatur am Rechner, sperrt sie diese zunächst und bittet den Nutzer um die Bestätigung, dass es sich wirklich um eine Tastatur handelt. Ist es ein USB-Stick, der sich dem System gegenüber als Tastatur ausgibt, um heimlich Kommandos zu tippen, fällt das auf. Aber die versteckte Tastatur ist nur eine von vielen denkbaren Angriffswegen, gegen andere hilft die Software von G Data nicht.

Am strukturellen Problem ändern solche Maßnahmen ohnehin nichts: Eigentlich müssten die Hersteller der Controller Chips dafür sorgen, dass sich deren Firmware nicht mehr so leicht überschreiben lässt. Sie könnten dafür sorgen, indem sie Firmware-Updates an ihre eigene, kryptographische Signatur knüpfen. Solche Chips gibt es schon, auch vom Marktführer Phison aus Taiwan. Nur kaufen die Hersteller von USB-Geräten sie bislang nicht, weil sie mehr kosten als normale Chips. Aber selbst wenn hier ein Umdenken stattfinden würde, blieben alle bisher verkauften USB-Geräte ein Sicherheitsrisiko. Anders gesagt: Es ist schwierig, die Kacke wieder einzufangen, wenn sie erst einmal fliegt.


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