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Ein weiteres Magnetband taucht in Chemnitz auf

Während parallel an vielen Orten in der DDR Unix-Entwicklungen und -Experimente stattfanden, tauchte im heutigen Chemnitz ein weiteres Magnetband auf. Ursprünglich habe jemand an der Technischen Hochschule Leipzig das Band bekommen, sagt Fischer. Der habe damit aber nichts anfangen können und es nach Karl-Marx-Stadt gegeben. Auf dem Band befand sich eine Unix-Version für die 370er-Reihe von Amdahl, einem Hersteller IBM-kompatibler Systeme. Auch von diesen Geräten gab es an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt zu dieser Zeit einen Nachbau.

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Das Band lieferte Fischer und Clauß also eine fertige Lösung für den Großrechner - zu einem Zeitpunkt, als sie mit ihrer eigenen Unix-Entwicklung schon ziemlich weit waren. Das Band habe ihre Arbeit gewissermaßen zerstört, sagt Fischer. Ausprobiert hätten sie es natürlich trotzdem. "Wir haben das System dann in einer Nachtschicht zum Laufen bekommen, das war ein bisschen mehr Arbeit als beim ersten Mal." Zwar habe man eine 370er-kompatible Maschine gehabt, aber die habe kleinere Festplatten gehabt. Man habe noch ein bisschen basteln müssen. Und es gab noch ein Hindernis: Die neue Version hatte zwar einen Compiler mitgeliefert, aber keinen Quelltext.

"Wir wollten dann sehr schnell dieses echte Unix auf unserem neuen IBM/370-kompatiblen Großrechner für Forschung und Lehre bereitstellen", sagt Fischer. Deshalb wurden zunächst die Originalnamen ersetzt: Aus UTS - Universal Time Sharing System - machten sie VMX - Virtual Machine Unix. Das war für einen Systemprogrammierer schnell gemacht.

"Wir waren hinter dem Vorhang und hatten kein Unrechtsbewusstsein. Alles, was zugänglich war, wurde auch genutzt. Das war überall so", sagt Clauß. Ab 1986 nutzten sie das System an der Hochschule.

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Fischer sagt: "Wir wollten aber von allen Komponenten den Quelltext in der Hand haben." So begannen die beiden, mit einem Team die Assemblerspuren in C zurück zu übersetzen. "Re-C-ieren" nannten sie das. Sie kompilierten den Quelltext eines Kommandos aus Unix Version 7 und übersetzten es mit dem Compiler von UTS/VMX.

"Bei einfachen Kommandos konnte man sehr schnell ein positives Ergebnis erzielen und war fertig. Bei funktionaler Erweiterung musste man natürlich etwas mehr tun und den C-Quelltext so erweitern, dass die Funktion und möglichst auch das Compilerergebnis stimmten." Reverse Engineering würde man heute wohl sagen. Ungefähr ein Vierteljahr Fleißarbeit brauchten sie, dann hatten sie den Quelltext.

Und dann fiel die Mauer

Drei Jahre später kam die Wende. Die zweite Auflage des beliebten C-Buchs, das die beiden zusammen geschrieben hatten, war gedruckt. Verkauft wurde es kaum mehr. Mit der "Verfolgungsforschung", wie Fischer sagt, war es erst mal vorbei. Mit einem Mal geschah ein technologischer Sprung und durch die offenen Grenzen war plötzlich auch der Austausch mit den West-Kollegen möglich.

"Als ich mit Frau und Tochter im November in München das Begrüßungsgeld abgeholt habe, bin ich dort zum Universitätsrechenzentrum, das von einem Vorstandsmitglied der German Unix User Group (GUUG) geleitet wurde. Ich habe mich kurz vorgestellt, habe ein Exemplar unseres C-Buchs als Begrüßungsgeschenk übergeben und konnte auch noch einen Rundgang durch den Rechnerraum machen", erzählt Fischer.

Fischer und Clauß fanden so Anschluss an die GUUG. Ein Rechenzentrumsmitarbeiter aus Berlin schloss die beiden an ein Mailboxsystem an, in dem sich andere Unix-Begeisterte austauschten. "Unser E-Mail-Anschluss Anfang 1990 - damit konnten wir schon alle im Netz erreichen. In der Nacht wurden wir per Telefonmodem angerufen und E-Mails wurden in beide Richtungen ausgetauscht", sagt Fischer. Damals wuchs die GUUG stark und hatte im Jahr 1990 bereits 1.000 Mitglieder. Zusätzlich gab es einen ostdeutschen Ableger mit 60 bis 70 Mitgliedern.

An manchen Stellen hätten sie neu einsteigen müssen, an anderen seien sie Hochschulrechenzentren im Westen voraus gewesen und so in der Lage gewesen, Fehlentwicklungen zu vermeiden, berichtet Fischer weiter. Obwohl sie lange Zeit unter schwierigen Bedingungen arbeiten mussten, waren sie gut vorbereitet. In einem Interview mit der Computerwoche im März 1990 sagte ein Abteilungsleiter des Leitzentrums für Anwendungsforschung: "Nirgendwo sind derzeit die Voraussetzungen für Unix besser als in der DDR (...) Die Jahre der Rechnerknappheit haben den DDR-Programmierern die Tugend der hardwareunabhängigen Software-Entwicklung nahegebracht."

PCs wurden leistungsfähig, Workstations ersetzten die großen Kisten, Linux wurde verfügbar. Gab es im Jahr 1996 lediglich einen Linux-PC, den das Chemnitzer Rechenzentrum verwaltete, waren es nur fünf Jahre später, im Frühjahr 2001, schon mehr als tausend. "Die Entwicklung in den 90ern war so rasant. Über die alte Zeit haben wir dann gar nicht mehr nachgedacht", schließt Fischer.

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janoP 28. Mai 2019

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Manto82 28. Mai 2019

Same here :) "Was macht ein Waschsalon bei Golem!? Smarte Waschmaschinen?"

muhviehstarrr 28. Mai 2019

Scan das mal ein und lad es hoch ;)

HansiHinterseher 27. Mai 2019

Und das ist heute im Westen anders? Natürlich ist das der gleiche Grund, es geht um mehr...

HansiHinterseher 27. Mai 2019

Pascal und Modula haben es sicherlich nicht gekannt. Pascal war ja eine Lernsprache, da...


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