Abo
  • IT-Karriere:

Widerstand gegen C

Zu dieser Zeit arbeitete man in Karl-Marx-Stadt mit Nachbauten von Großrechnern der IBM-Architektur System/360. In der DDR entsprach diesen die ESER-Baureihe I, kurz für Einheitliches System Elektronischer Rechentechnik. ESER war Gegenstand eines Abkommens, an dem unter anderem die DDR, die UdSSR, Polen und Ungarn beteiligt waren. Es legte fest, welche Systeme entwickelt und produziert werden sollten.

Weg von der Assemblerprogrammierung

Stellenmarkt
  1. Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG, Rheda-Wiedenbrück
  2. Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR), Berlin

IBM-kompatible Großrechner wurden unter anderem von Robotron gebaut, die Entwicklung des Modells EC 1040 fand maßgeblich im heutigen Chemnitz statt und war im Jahr 1973 abgeschlossen. Das zu Beginn am häufigsten genutzte Betriebssystem nannte sich OS/ES.

Fischer und Clauß wollten weg von der Assemblerprogrammierung. Sie suchten nach höheren Programmiersprachen, um von der maschinenorientierten Programmierung wegzukommen. Unix brachte seinen Quellcode mit, geschrieben in C, unabhängig von der Hardware-Architektur. Der Compiler für die PDP-11-Architektur war auch dabei.

"Da war bei uns die Idee geboren, das auch für unseren Großrechner zu machen", sagt Fischer. "Als wir dann auch in der Sektion Informatik auf andere Hardware-Plattformen zugreifen konnten, wollten wir für all die unterschiedlichen Rechnerarchitekturen das Unix-System zum Laufen bringen." Der Grund war einleuchtend: Sonst hätten die Nutzer für jedes System die herstellerspezifischen Bedingungen erlernen müssen.

Nicht alle in der DDR waren von der Programmiersprache C begeistert

C war damals etwas vollkommen Neues in der DDR, man setzte etwa auf Pascal oder dessen Weiterentwicklung Modula. "Das Schönste waren Pointer", sagt Fischer. "Einfach eine Adresse, wo man irgendwo im System hingreifen kann."

Nicht alle waren so begeistert von C wie Clauß und Fischer. "Wir haben unsere Themen auf Konferenzen vortragen dürfen. Es war Interesse da, aber da war immer der Makel C. Die waren auf Modula aus, da mussten wir gegen ankämpfen", sagt Fischer. Es habe sogar Bestrebungen gegeben, C zu verbieten, erzählt Clauß. "Das war wie ein Religionskrieg zwischen den Sprachexperten im Hochschulbereich und den Leuten, die praktisch was mit den Programmiersprachen machen wollten und nicht nur drüber reden", sagt er.

Mit ihrer Vorliebe für C sollten Fischer und Clauß Recht behalten, auch wenn sie das anfangs noch nicht wussten. Ihr Chef habe gemerkt, dass sie "mit Feuer und Flamme" dahinter standen, und ihnen den Freiraum gelassen. Sie bekamen auch das Standardwerk zu C in die Hände, das englischsprachige The C Programming Language, geschrieben von Brian W. Kernighan und Dennis Ritchie, der die erste Unix-Version mitentwickelte. Fischer und Clauß begannen, das Buch zu übersetzen, und freuten sich über die englischsprachige Dokumentation.

Sonst seien die Dokumentationen, die sie bekamen, schlecht und unverständlich gewesen, sagen die Informatiker. Bei den Nachbauten der Großrechner etwa seien die Fachtexte aus den USA ins Russische übersetzt worden und vom Russischen wiederum ins Deutsche. "Das war kaum noch lesbar, das haben die Übersetzungsexperten gemacht, die sich aber nicht mit der Technik auskannten", erzählt Clauß.

"Jede freie Zeit, die nicht der Familie gewidmet war, haben wir für die Übersetzung des C-Buchs genutzt", sagt er. Nicht nur für sich, sondern auch, damit andere ein Nachschlagewerk hatten. 1983 waren sie fertig. Später kam jemand auf sie zu und schlug vor, dass sie ein eigenes Buch über C schreiben sollten. Die Übersetzung konnte man ja nicht einfach drucken, ohne die Rechte an dem Werk zu besitzen. 1988 erschien im VEB Verlag Technik dann tatsächlich die etwa 240 Seiten starke Erstauflage des Buchs Programmieren mit C. Die 20.000 Exemplare waren in kurzer Zeit vergriffen. Unix und C hatten längst andere Forscher erreicht.

 Computergeschichte: Unix hinter dem Eisernen VorhangRobotron war von Unix wenig begeistert 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5
  7.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 2,99€
  2. 49,99€

janoP 28. Mai 2019 / Themenstart

+++++++++++++

Manto82 28. Mai 2019 / Themenstart

Same here :) "Was macht ein Waschsalon bei Golem!? Smarte Waschmaschinen?"

muhviehstarrr 28. Mai 2019 / Themenstart

Scan das mal ein und lad es hoch ;)

HansiHinterseher 27. Mai 2019 / Themenstart

Und das ist heute im Westen anders? Natürlich ist das der gleiche Grund, es geht um mehr...

HansiHinterseher 27. Mai 2019 / Themenstart

Pascal und Modula haben es sicherlich nicht gekannt. Pascal war ja eine Lernsprache, da...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Radeon RX 5700 (XT) - Test

Die Navi-10-Grafikkarten schlagen die Geforce RTX 2060(S), benötigen aber etwas mehr Energie und unterstützen kein Hardware-Raytracing, dafür sind sie günstiger.

Radeon RX 5700 (XT) - Test Video aufrufen
CO2-Emissionen und Lithium: Ist das Elektroauto wirklich ein Irrweg?
CO2-Emissionen und Lithium
Ist das Elektroauto wirklich ein Irrweg?

In den vergangenen Monaten ist die Kritik an batteriebetriebenen Elektroautos stärker geworden. Golem.de hat sich die Argumente der vielen Kritiker zur CO2-Bilanz und zum Rohstoff-Abbau einmal genauer angeschaut.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Reichweitenangst Mit dem E-Auto von China nach Deutschland
  2. Ari 458 Elektro-Lieferwagen aus Leipzig kostet knapp 14.000 Euro
  3. Nobe 100 Dreirädriges Retro-Elektroauto parkt senkrecht an der Wand

Razer Blade 15 Advanced im Test: Treffen der Generationen
Razer Blade 15 Advanced im Test
Treffen der Generationen

Auf den ersten Blick ähneln sich das neue und das ein Jahr alte Razer Blade 15: Beide setzen auf ein identisches erstklassiges Chassis. Der größte Vorteil des neuen Modells sind aber nicht offensichtliche Argumente - sondern das, was drinnen steckt.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Blade 15 Advanced Razer packt RTX 2080 und OLED-Panel in 15-Zöller
  2. Blade Stealth (2019) Razer packt Geforce MX150 in 13-Zoll-Ultrabook

Ricoh GR III im Test: Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom
Ricoh GR III im Test
Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom

Kann das gutgehen? Ricoh hat mit der GR III eine Kompaktkamera im Sortiment, die mit einem APS-C-Sensor ausgerüstet ist, rund 900 Euro kostet und keinen Zoom bietet. Wir haben die Kamera ausprobiert.
Ein Test von Andreas Donath

  1. Theta Z1 Ricoh stellt 360-Grad-Panoramakamera mit Profifunktionen vor
  2. Ricoh GR III Eine halbe Sekunde Belichtungszeit ohne Stativ

    •  /