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Computacenter: So gewinnt ein IT-Unternehmen Mitarbeiterinnen

Frauen hätten weniger Interesse an IT-Berufen als Männer und daran könne man nichts ändern, wird oft behauptet. Der IT-Dienstleister Computacenter hat andere Erfahrungen gemacht.

Ein Interview von Juliane Gringer veröffentlicht am
Caroline de Lorenzi, Director Workplace Sales bei Computacenter
Caroline de Lorenzi, Director Workplace Sales bei Computacenter (Bild: Computacenter)

Es ist unbestritten, dass Frauen in IT-Berufen weit weniger vertreten sind als Männer. Heftig umstritten ist, ob dagegen etwas unternommen werden kann - und sollte. Golem.de hat bei Unternehmen nachgefragt und vom Computacenter eine klare Antwort bekommen: ja. Der IT-Dienstleister arbeitet seit einiger Zeit gezielt daran, als Arbeitgeber für Frauen attraktiver zu werden, und davon profitieren auch die Männer.

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"Ich lebe es selbst vor, dass man mit viel Leidenschaft für das Thema IT Beruf und Familie sehr gut verbinden kann", sagt Caroline de Lorenzi. Sie ist Director Workplace Sales und leitet ein 39-köpfiges Team - mittlerweile mit einer "schönen Quote an weiblichen Mitarbeitern und Teilzeitkräften", nämlich 50 Prozent. Wie hat sie das gemacht?

Golem.de: Sie setzen sich besonders dafür ein, mehr weibliche Mitarbeiter im Bereich IT zu gewinnen. Wie kann das gelingen?

Caroline de Lorenzi: Die Arbeitswelt der Zukunft verändert sich. Und wenn wir mit den Veränderungen Schritt halten wollen, müssen wir unsere bisherigen Modelle infrage stellen, neue Ideen generieren und dafür auch Teams neu und diverser aufstellen. Als wir vor rund zweieinhalb Jahren überlegt haben, wie wir den Druck erhöhen können, um mehr Frauen in die IT zu holen, war uns klar: Es muss einen Kopf im Unternehmen geben, der das Thema nach innen und außen lebt. Ich habe diese Verantwortung übernommen. Dabei war mir wichtig, dass ich nicht als Frauenkummerkasten gesehen werde, sondern die Aufmerksamkeit der Geschäftsführung genieße. Ich wollte zudem nicht nach dem Gießkannenprinzip agieren, sondern Strategien entwickeln, um die Zahlen messbar zu erhöhen. Das ist uns gut gelungen, wir konnten seitdem in allen fünf Traineeprogrammen eine Frauenquote von über 30 Prozent erreichen. Im Project Management und IT-Vertrieb liegen wir sogar im aktuellen Jahrgang bei fast 50 Prozent.

Golem.de: Welche Maßnahmen haben konkrete Wirkung gezeigt?

de Lorenzi: Am Anfang stand die Frage, wie wir es einfach besser machen können als zuvor. Wir haben deshalb viele Gespräche auf dem Markt geführt und uns mit anderen Unternehmen über ihre Erfahrungen ausgetauscht. Dabei sind wir auf eine große Offenheit gestoßen und viele waren bereit, mit uns zu sprechen. Vor allem der Austausch mit unseren Herstellerpartnern und dort insbesondere mit denen mit amerikanischer Unternehmenskultur hat uns viele Impulse gegeben zu Diversity, moderner Mitarbeiterführung und regelmäßiger Jobrotation innerhalb eines Unternehmens.

Golem.de: Die Unternehmen sehen sich hier also nicht als Konkurrenten?

de Lorenzi: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es ein hohes Interesse gibt, gemeinsam zu agieren. Schließlich sind wir alle abhängig davon, Fachkräfte zu finden. Wie die meisten Wettbewerber auch gehen wir intensiv auf Veranstaltungen, bieten Sprecher aus unseren Reihen an, gehen auf Recruiting-Events und engagieren uns in Communitys. Überall dort sprechen wir auch von unseren Erlebnissen und geben unser Wissen weiter.

Golem.de: Sie sagen auch, das Management muss einbezogen werden - wie groß war die Bereitschaft dazu auf dieser Ebene?

de Lorenzi: Wenn ein Manager offen dafür ist, dass Frauen in Führungspositionen kommen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass das auch so passiert. Ein schönes Beispiel hierfür ist unser Bereich Service Management. Der verantwortliche Geschäftsführer ist ein großer Unterstützer unserer Initiative und hat den immer größer und komplexer werdenden Bereich Transition & Transformation im vergangenen Jahr in die Hände einer neu für das Unternehmen gewonnenen Managerin gelegt. Grundsätzlich muss man sich aber anschauen, in welchen Bereichen im Unternehmen Mitarbeiter eingestellt werden und wie diese Bereiche funktionieren. Dann kann man sich realistische Ziele setzen, die vom Management mitgetragen werden.

Golem.de: Hat das funktioniert?

de Lorenzi: Ein gezieltes Karriereprogramm für Frauen fand der ein oder andere Mann hier im Unternehmen anfangs komisch, aber der Nachholbedarf ist nun mal groß, deshalb wird das auch gut akzeptiert. Das Programm umfasst gezieltes Coaching, Mentoring und Netzwerkaufbau. Letztlich wollen wir den Wandel über solche Multiplikatoren schaffen, irgendwann in ganz natürlicher Form. Ich wünsche mir, dass wir an den Punkt ankommen, an dem jeder davon überzeugt ist, dass es besser ist, gemischte Teams zusammenzustellen - weil solche Gruppen neue Ideen entwickeln, effizienter und nachgewiesenermaßen auch profitabler arbeiten.

Golem.de: Wie finden Sie erfahrene Fachkräfte?

de Lorenzi: Um Senior-Management-Positionen zu besetzen, konzentrieren wir uns stark darauf, Frauen aus den eigenen Reihen dorthin zu bringen. Dazu haben wir ein einjähriges Programm ins Leben gerufen, in dem Frauen über Coaching und Mentoring in die Rolle hineinwachsen. Wir haben in diesem Jahr 15 Frauen aufgenommen - und es bedeutet nicht nur für sie selbst einen spannenden Lernprozess, sondern sie sind auch Multiplikatoren und machen durch ihre Personen das Thema im Unternehmen sichtbar.

Bis vor ein paar Jahren fiel es uns auch schwer, Frauen für Managementpositionen zu akquirieren - mittlerweile gelingt uns das gut. Man sollte in der Summe an der Basis mehr Frauen einstellen und sie gezielt fördern. Wir haben immer wieder erlebt, dass Frauen mit ausgezeichneten Personalentwicklungsgesprächen oftmals nicht aus sich selbst heraus die nächsten Karriereschritte ansprechen. Sie agieren häufig zurückhaltend und sind kritisch in der Selbstbewertung. Dabei zeigt die Erfahrung, dass sich Frauen schnell im Unternehmen entwickeln und sehr erfolgreich sein können, wenn sie die richtigen Impulse bekommen.

Golem.de: Denken Frauen IT anders als Männer?

de Lorenzi: Die Annahme, dass Frauen bei technologischen Fragestellungen andere Denkweisen haben sollen als Männer, halte ich für nicht gerechtfertigt. Es gibt ausreichend Beispiele, die das Gegenteil belegen: So arbeitet eine junge Kollegin derzeit in einem hoch agilen und komplexen DevOps-Projekt und zeigt, dass es hier nicht um Geschlechterrollen, sondern um neue Arten der Zusammenarbeit geht. Wir erkennen aber auch immer stärker, dass in der IT nicht nur Fachlichkeit gefragt ist. Grundvoraussetzung ist vielmehr, Spaß an den Technologiethemen und Prozessen zu haben, aber auch die Fähigkeit, Verbesserungspotenzial zu erkennen und Ideen dazu zu entwickeln sowie eine gute Kommunikation.

Golem.de: Wie fördern Sie die Karriere von Mitarbeiterinnen?

de Lorenzi: Ich erlebe immer wieder, dass sehr viel Überzeugungsarbeit nötig ist, um Mitarbeiterinnen den Mut und Willen zu geben, in die Rolle einer Führungskraft hineinzugehen. Frauen hadern oftmals sehr mit sich und sind unsicher, ob sie das schaffen. Hier muss man sie auch ein bisschen ziehen, Wege aufzeigen und ermutigen. Es helfen Vorbilder, die man in der internen und externen Kommunikation zeigt - weibliche Mitarbeiter, die unaufgeregt von ihren Erfahrungen erzählen und damit positive Beispiele abgeben. Das sagt ja auch etwas über ein Unternehmen aus und als Bewerber schicke ich meine Unterlagen natürlich lieber an eine Adresse, an der ich mich ernst genommen fühle. Vor allem muss man dann jene Personen sensibilisieren, die Mitarbeiter einstellen: Sie müssen im Interview weibliche Bewerber auch ermutigen. Und beim Einstieg in den Job muss eine Frau unterstützt und begleitet werden. Ich bin der Meinung: Es gibt die Frauen am Markt, die Führungspositionen in der IT optimal besetzen können, und unsere Verantwortung ist, auf uns aufmerksam zu machen und zu begeistern.

Golem.de: Und wie nehmen Sie die Männer auf diesem Weg mit?

de Lorenzi: Wenn man wie wir bei Computacenter im Projektgeschäft ist und jemand will in Teilzeit arbeiten, dann kann das kein Hindernis sein. Ich kann die Zeiten anders schneiden, das muss machbar sein. Ob es Kinderbetreuung ist, die Eltern Unterstützung brauchen oder ich selbst älter werde: Diese Situationen und Phasen im Leben betreffen alle, Männer wie Frauen gleichermaßen. Wenn wir flexible Modelle schaffen, die sich vielleicht in erster Linie an Frauen richten, dann profitieren die Männer trotzdem davon - beim Thema Frauenförderung springt auch immer was für sie raus. Was nicht bedeutet, dass es nicht auch Programme für Männer beziehungsweise Talente insgesamt geben sollte.

Solange jedoch der Nachholbedarf bei Frauen in der IT und im Management so groß ist, werden wir nicht davon ablassen, uns gezielt darum zu kümmern, diese Lücken zu schließen. Unternehmen müssen sich vor diesem Hintergrund fragen: Welche Mechanismen brauchen wir, um sicherzustellen, dass Frauen faire Chancen für Entwicklung haben? Und Männer müssen die Sensibilität haben, um sich darauf einzustellen.



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Clown 23. Aug 2018 / Themenstart

+1 eben

Clown 22. Aug 2018 / Themenstart

Also ich hab mir jetzt mal die Punkte angeschaut. Das meiste lässt sich nicht beweisen...

Eisboer 20. Aug 2018 / Themenstart

Ich wollte deine Gefühle nicht verletzen, das tut mir ehrlich leid. Ich kann gerade...

Clown 17. Aug 2018 / Themenstart

Danke für Deine Erfahrungen! Das versuche ich bei meiner Freundin auch ab und an und...

Clown 17. Aug 2018 / Themenstart

Ja, mittlerweile schon.

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