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Von Finnland in die Welt

Auch Olli Sinerma macht sich für eine bessere Ausbildung stark. Er hat sich früh für den Ausbau der Lehre starkgemacht. Als besonderes Defizit nahm er damals die geographische Lage der ersten Studiengänge wahr. "Die existierenden Kurse waren im Norden, die Studios im Süden." Vor zwölf Jahren hat er als Spieletester seinen Anfang gemacht. Über die Trials-Macher Redlynx ist er schließlich zu seinem eigenen Studio gekommen. Mindfield Games entwickeln Pollen, ein VR-Spiel, das Sinerma als eine Art Gone Home auf einer Raumstation im Stil des Films "2001: A Space Odyssey" beschreibt.

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Sinerma hat Informatik gelernt. Aber er glaubt, Spiele zu machen sei "vor allem Handwerk. Du musst von anderen Profis lernen, du brauchst Trial and Error." Die eher kleine, aber stark verwobene Szene Finnlands hält er für ideal. "Jeder hat hier mit jedem schon mal gearbeitet." Das Niveau insgesamt lasse sich nur heben, wenn man einander in die Karten schaue und Rat gebe. "Studios tun oft so, als entwickelten sie Atomwaffen." Die IGDA (International Game Developers Association) sei in Finnland sehr aktiv, außerdem gebe es eine gut gefüllte Facebook-Gruppe, in der er selbst täglich vorbeischaue.

Und was ist mit Förderung? Werden neue Studios gut unterstützt? Da ist Sinerma eher zurückhaltend. "Wir werden regional unterstützt, aber wenn es um Publishing geht, müssen wir uns international umschauen." Das finnische Funding sei zu sehr auf Free-to-Play und Mobile fixiert.

Mit der Einschätzung steht er nicht allein. Jussi Tähtinen leitet Nitro Games, die sich auch auf Mobile Games konzentrieren. Er glaubt, die staatliche Förderung Tekes sei für erste Schritte gut geeignet. Sie mache es Entwicklern einfach, Innovationen zu testen und Studios aufzubauen. "Aber für die weiteren Schritte, um zu wachsen, mussten sich viele finnische Studios um internationales Risikokapital bewerben. Ich glaube, das hat sich auch auf den Maßstab ausgewirkt. Um internationale Geldgeber zu interessieren, musst du hoch ansetzen."

Diese internationale Ausrichtung liege für Finnland aber nahe. Das Land zwischen Europa und Asien war immer eine Exportnation. "Deswegen haben wir immer genau geschaut, was auf anderen Märkten passiert. Ich kann mir vorstellen, dass es in Deutschland eher Sinn ergeben hat, sich auf den heimischen Markt zu konzentrieren. Für uns war das nie eine Option."

Kein großes Geheimnis

In jedem der Interviews ist die finnische Vernetzung spürbar. Denn die Entwickler kennen einander nicht nur, sie antworten auch sehr ähnlich. Fast einhellig sehen sie in der Demoszene einen Urknall der finnischen Spieleindustrie. Der Technikboom und die erste Handywelle mit einem starken Nokia hätten der gesellschaftlichen Akzeptanz geholfen, glauben sie. Spiele zu entwickeln sei plötzlich kein Rockstartraum mehr gewesen, sondern ein plausibler Karrierewunsch. Und Förderungsprogramme für Technik-Startups hätten auch der Spieleszene vorangebracht. Bemerkenswert ist, dass staatliche Förderung nicht als essentiell angesehen wird. Viele nutzen sie, aber alleine reicht sie nie aus. Arponen etwa verweist auf eine gute Sozialpolitik. Viele Gründungen würden aus Arbeitslosigkeit oder dem Studium heraus erfolgreich. Wer scheitere, der riskiere deswegen nicht gleich seine Existenz.

Der aktuelle Erfolg der Finnen hängt mit diesem Erbe zusammen. Aber ausschlaggebend ist offenbar auch die gute Bildung, die sich aktiv an den Anforderungen der Branche orientiert. Das Aufkommen digitaler Distribution habe besonders der lebendigen Studiolandschaft geholfen und viele kleine Erfolgsstorys ermöglicht, analysiert Sinerma. Digitale Spiele seien nun einmal das beste Exportgut überhaupt. Und statt als Konkurrenten sehen sich viele Studios als Partner und Freunde. Die vermeintlich verschlossenen Finnen vernetzen sich besonders aktiv. Nicht nur Ideen und Anregungen wandern durch die Szene, auch die Fachkräfte selbst. Als eine Sammlung von Veteranen, unterstützt durch ein paar Newcomer, hat sich jedes der vorgestellten Studios beschrieben.

Geheimnisvoll ist der finnische Erfolg also nicht. Wer sich das für die deutsche Branche wünscht, der sollte die spezifischen Vorteile wie eine Checkliste lesen. Nur das Wetter wird man wohl nicht übernehmen können.

 Computerspiele: Schlechtes Wetter macht gute Games
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Prypjat 26. Aug 2014

Endlich mal jemand der so tickt wie ich. In Berlin ist es derzeit Bewölkt und ab und zu...

Hotohori 21. Aug 2014

Ging mir ähnlich, Teil 1 hat mir immer noch am Besten gefallen, selbst mit meinem...

wasdeeh 21. Aug 2014

Und sie habens schon ziemlihc früh verstanden, sich auch beruflich zu etablieren...

tonictrinker 21. Aug 2014

Naja, ich weiß nicht...

sneaker 21. Aug 2014

In den PISA-Studien gilt das nur für Finnland. Schweden, Norwegen und Dänemark (also...


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