Compiler: LLVM sucht weiter eine neue Lizenz

Das Compiler-Projekt LLVM versucht weiterhin, durch eine Relizenzierung Mitglieder und Anwender besser vor Patentstreitigkeiten zu schützen. Anstelle der jetzigen an BSD angelehnten NCSA-Lizenz wird über die Lizenzierung unter Apache 2.0 diskutiert.

Artikel veröffentlicht am , Ferdinand Thommes
LLVM will sich eine neue Lizenz geben.
LLVM will sich eine neue Lizenz geben. (Bild: LLVM)

Vor rund einem Jahr begann auf der Entwickler-Mailingliste von LLVM eine Diskussion, wie das Projekt insgesamt besser als bisher gegen Patentstreitigkeiten besonders in den USA geschützt werden könne. Dabei wurden mehrere Probleme mit den bisher genutzten Patenten erkannt. Mittlerweile tendieren die Entwickler des Projekts zu einer Relizenzierung unter der Apache-2-Lizenz unter Einbeziehung von zwei Ausnahmeklauseln.

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Die bisher zweigeteilte Lizenzierung unter der NCSA Open Source License der University of Illinois für den Compilercode und einer Mischung aus NCSA- und MIT-Lizenz für die Laufzeitbibliothek ist nur eines der Probleme, die eine Relizenzierung sinnvoll erscheinen lassen. Die Trennung besteht, da die NCSA-Lizenz eine Klausel enthält, die eine Attributierung von LLVM verlangt, wenn Teile des Compilers selbst in ein Binärpaket verlinkt werden. Für den Compiler ist das sinnvoll, nicht jedoch für die Laufzeitbibliothek. Man will nicht jeden, der seine Software mit Clang kompiliert, zur Attribution von LLVM zwingen. Hier wird deshalb eine einheitliche Lizenz angestrebt.

Schwammige Richtlinien für Entwickler

Die bisherigen Lizenzbestimmungen, insbesondere die zum Teil zu schwammigen Richtlinien für Entwickler, behindern die Teilnahme besonders von Beitragenden aus dem Unternehmensbereich. Hier wird befürchtet, dass die Richtlinien zu unklar und breit gefasst sind, so dass sie schleichend ausgeweitet werden könnten und (scope creep) geistiges Eigentum ungewollt an LLVM übergehen könnte. Durch diese unklare Definition halten derzeit bereits einige Beitragende Patches zurück.

Als drittes Problem stellt sich die Formulierung des Teils der Lizenz dar, der sich mit dem Schutz vor Patentstreitigkeiten befasst. Da sich weder die NCSA- noch die MIT-Lizenz mit Patentfragen befasst, wurde dieser Passus vom Projekt ergänzt. Da hier kein Anwalt, sondern ein Jura-Student den Passus verfasst hat, ist völlig unklar, ob er den Schutz gewährt, den er beabsichtigt.

Mögliche Lösung: Apache-Lizenz in Version 2

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Aus den in den vergangenen Monaten mit vielen Anwälten und Syndici in Unternehmen diskutierten Ansätzen hat sich die Apache-Lizenz in Version 2 als gangbare Lösung herauskristallisiert. Dazu müssten allerdings zwei Ausnahmen definiert werden. Die erste betrifft die Behandlung der bereits erwähnten Ausnahme für die Nutzung der Laufzeitbibliothek.

Das zweite Problem ist etwas diffiziler. Die Kompatibilität von Apache-Lizenz und GPLv2 ist gerichtlich bisher nie geklärt worden. Vertritt die Mehrzahl der Anwälte die Meinung, beide seien kompatibel, so sind doch einige der Meinung, diese Einschätzung könne unter Umständen einer künftigen gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Diese Rechtsunsicherheit ist insofern kritisch, als einige Projekte, die LLVM verwenden (wie etwa QEMU), der GPLv2 unterstehen oder die Formulierung "GPLv2 oder später" verwenden.

Auch für den Fall, dass ein Gericht künftig beide Lizenzen für unvereinbar erklären sollte, soll der Apache-Lizenz ein Ausnahmepassus zugefügt werden, der die inkompatiblen Passagen der Apache-Lizenz für solche Fälle außer Kraft setzt.

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