Sprechtext des Videos als Fließtext

In den 1980er Jahren konnte Commodore eigentlich nicht viel falsch machen: Der Konzern brach mit dem VC 20 und dem C64 immer neue Absatzrekorde. Ja, es gab missglückte Experimente wie die 264-Reihe, die schließlich im Supermarkt verramscht wurde, und im Profisegment lagen IBM-PCs vorn. Im Großen und Ganzen beherrschte Commodore aber in Europa den Markt für Heimcomputer - und damit viele Kinderzimmer.

Auf der anderen Seite gab es die Spielekonsolen: In den USA verkaufte sich das Nintendo Entertainment System allein über 30 Millionen Mal. Nintendo und Sega hatten technisch aufgerüstet und bereiteten mit ihren 16-Bit-Geräten die nächste Konsolengeneration vor. Zwar boten Commodores C64 und Amiga ebenfalls beachtliche Grafikfähigkeiten - aber es waren eben Computer. Nichts, was man sich ins Wohnzimmer stellen würde. Und das Wohnzimmer - da war man sich bei Commodore sicher - war der Ort, den es als nächstes zu erobern galt.

Stufe 1: 8 Bit

Commodores Angriffsplan auf Nintendo und Sega hatte zwei Stufen. Zunächst galt es, auf dem europäischen Markt Nintendos NES etwas entgegenzusetzen. Aber die Neuentwicklung einer 8-Bit-Konsole lohnte sich nicht - deren Preise waren bei unter 100 US-Dollar angekommen. Das war für Commodore kein Problem, schließlich hatte man ja mit dem C64 bereits eine spieletaugliche Plattform. Der Verzicht auf Tastatur und Peripherie würde deren Kosten so weit senken, dass man konkurrenzfähig war. Der umfangreiche Softwarekatalog könnte potenzielle Käufer anlocken, denn für den C64 gab es Hunderte Titel, während das NES dank Nintendos strikter Lizenzpolitik ein wesentlich schmaleres Portfolio aufwies.

  • An der Fontseite befinden sich die Bedienungselemente für den CD-Player. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Maus und Tastatur mussten extra gekauft werden. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Der mitgelieferte Controller funktionierte per Infrarot. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Auch ein Diskettenlaufwerk in edlem Schwarz hatte Commodore im Angebot. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Die Rückseite unseres CDTV ist reich bestückt. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Im Inneren ist ein kompletter Amiga 500 verbaut. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Unser CDTV hat eine 2-MByte-Speichererweiterung. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Das Betriebssystem unserers CDTV ist mit Versionsnummer 3.1 aus dem Jahr 1997 recht neu. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
An der Fontseite befinden sich die Bedienungselemente für den CD-Player. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Diese Grundannahmen erwiesen sich jedoch schnell als falsch. Commodore konnte oder wollte beim Start des C64 Game System im Jahr 1990 nicht mit Nintendos und Segas sinkenden Preisen mithalten. Außerdem gab es eigentlich keinen Grund, überhaupt eine C64-Konsole zu kaufen: Schließlich bekam man für das gleiche Geld einen richtigen C64. Entgegen Commodores Ankündigungen existierten auch nicht genügend Spiele. Weil das C64 GS keine Tastatur hatte, funktionierten die vielen bereits auf Steckmodulen erhältlichen Programme nicht wie vorgesehen. Der zur Konsole beschnittene C64 scheiterte innerhalb eines Jahres mit geschätzt unter 10.000 verkauften Geräten kläglich. Nur 28 Titel wurden für das C64 GS veröffentlicht. Einer davon startete wegen der fehlenden Tastatur nicht einmal.

Stufe 2: 16 Bit

Die zweite Stufe von Commodores Vorstoß auf den Konsolenmarkt war um einiges aufwendiger, aber auch sie setzte auf bereits vorhandene Hardware. Der 16-Bit-Computer Amiga galt bei seiner Einführung 1987 als Vorreiter in punkto Grafik und Sound. Bis zu 4.096 Farben auf dem Bildschirm und Stereoklang mit gesampelten Instrumenten waren damals auf keinem anderen Heimrechner möglich.

Der Amiga war auch Anfang der 1990er Jahre noch konkurrenzfähig. In den neuen Konsolen von Nintendo und Sega steckte ähnliche oder gar schwächere Hardware. Commodores Idee, aus dem Amiga eine Spielekonsole zu machen, war also nicht nur naheliegend, sondern auch erfolgversprechender als der C64 GS. Commodore musste in diesem Fall nicht zu bereits existierenden Konsolen in Konkurrenz treten. In der neuen 16-Bit-Generation mit dem Sega Mega Drive und dem Super Nintendo Entertainment System wurden die Karten neu gemischt.

Das Problem: Auch der Amiga war ein Heimcomputer. Ironischerweise hatte er sein Leben unter dem Namen Project Lorraine als Entwurf für eine Spielekonsole begonnen und war erst später von Commodore zum vollwertigen Rechner weiterentwickelt worden. Der Amiga hatte ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk und wurde vorrangig mit einer Maus bedient. Die grafische Oberfläche war zweckmäßig, aber ganz sicher nichts, was man auf seinem Wohnzimmerfernseher nutzen wollte.

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 Commodore CDTV (1991): Als die Zukunft das Commodore-Logo trugDie Geburt des CDTV 
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Truster 10. Sep 2019

Ich weiß?, das Thema ist uralt, habe es aber heute erst entdeckt. Ich denke nicht, dass...

.zzZZ 18. Jan 2019

Die Ax000er-Reihe war sehr aufrüstbar. Der Zorro-Bus wurde erst durch PCI übertroffen...

dreamtide11 03. Jan 2019

schade... sehe den thread erst jetzt. Egal, ich schreib's einfach mal unter :) Mir ging...

Crass Spektakel 02. Jan 2019

Das stimmt so beides nicht. MIDI ist eine reduzierte Variante von RS232 mit TTL-Pegeln...



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